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Rund ums Göttinger Bier

Sammellust: „Durst wird durch Bier erst schön“

Als in den 90er Jahren im Göttinger Brauhaus im Brauweg das letzte Bier gebraut wurde, gehörten eher Saft und Limonade denn kühles Hopfengetränk zu Jonas Fürchtenichts und André Faulhabers Lieblingsgetränken. Dass das Göttinger Bier und alles was damit zusammenhängt einmal ihre Leidenschaft werden sollte, war damals nicht abzusehen.

Bier-Freunde: André Faulhaber (links) und Jonas Fürchtenicht kennen sich aus mit Göttinger Bier- und Brautradition.

© Pförtner
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Heute sind der 22-jährige Fürchtenicht und der 23-jährige Faulhaber Experten für Göttinger Bier und Göttinger Brautradition. „Es ist schade, dass so etwas so schnell in Vergessenheit gerät“, sagt Fürchtenicht.

In den vergangenen Jahren haben er und Faulhaber um die 500 Exponate zusammengesucht und -gekauft, die direkt oder indirekt mit Göttinger Bier zu tun haben: von Biergläsern und Bierdeckeln über Werbematerial des Göttinger Brauhauses wie Blöcke oder T-Shirts bis hin zur Kneipeneinrichtung wie Lampen oder Werbeschilder. Das jüngste Schätzchen in ihrem Besitz sind die Speisekartenvitrinen, die bis Ende Januar am Göttinger Rathskeller hingen. „Göttinger Edelpils“ steht darauf, für 40 Euro hat Fürchtenicht sie ersteigert.

Ein Artikel im Tageblatt über den Abriss des Göttinger Brauhauses war bei Fürchtenicht Auslöser für seine Sammelleidenschaft. Faulhaber war praktisch familiär vorbelastet: Sein Vater hatte für das Göttinger Brauhaus gearbeitet. Ihr Anliegen sei es, nicht nur Sammlerstücke zusammenzutragen. „Es geht uns auch darum, die Geschichte lebendig zu halten“, sagt Fürchtenicht. Und Göttingens Brautradition ist lang: Die älteste urkundliche Brauverordnung hat die damalige Stadtverwaltung 1330 erlassen. Bis 1764 war die Zahl der brauberechtigten Bürger auf 424 angewachsen. Die meisten dieser kleinen Brauer schlossen sich 1847 zur sogenannten Administrationsbrauerei zusammen, aus der 1889 die Städtische Brauerei zu Göttingen hervorging, der späteren Göttinger Brauhaus AG. „Göttinger Biergeschichte ist auch Göttinger Stadtgeschichte“, sagt Faulhaber.

Bisher beschränkt sich ihre Sammlung auf das 20. Jahrhundert. Das älteste Stück, eine Flasche, stammt aus den 1930er oder 1940er Jahren. Mittlerweile sei es schwierig, Schnäppchen zu ergattern, berichten die beiden Sammler. „Die Flohmärkte sind abgegrast, bei Ebay sind die Preise stark gestiegen.“

Bier, das den Namen Göttingens trägt, gibt es auch heute noch. Es kommt aus Einbeck und heißt „Göttinger Edelpils“ und „Göttinger Pils“. „Wenn wir Bier trinken, trinken wir Göttinger“, sagt Faulhaber.

Früher war die Göttinger Produktpalette weitaus größer. Die Sammlerstücke in Fürchtenichts Wohnung beweisen es: So gab es Göttinger Bockbier, „Caramel“-Bier, Barfüßer-Urtrüb, das speziell für den Schwarzen Bären gebraute Bärenpils, leichtes Dunkel oder den Weißen Bock.
Derzeit macht die Einbecker Brauhaus AG wieder verstärkt Werbung für die beiden Göttinger Marken. Wie Werbung für Göttinger Bier früher aussah, auch das verdeutlicht Fürchtenichts und Faulhabers Sammlung: „Göttinger Pils, jeder will’s“, „Durst wird durch Bier erst schön“ oder „Das schöne Göttingen und sein gutes Bier“ lauten die Slogans von früher.

Der große Wunsch der beiden Biersammler ist es, ihre Sammlung in einer Ausstellung einmal einer großen Öffentlichkeit vorzustellen. Bis dahin werden aber wohl noch etliche Edelpils die Kehlen herunter rinnen.

Von Michael Brakemeier


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