Im Druckleitstand des Tageblatts: Günter Pommer zeigt den Viertklässlern der Göttinger Mittelbergschule, wie die Produkte der Rotation während des Druckprozesses überwacht werden.
Sehr faszinierend finden das die Schüler. Noch lieber wäre ihnen jedoch der Geruch von Spaghetti Bolognese.
Ein weiteres Highlight für die 15 Schüler ist das Papierlager: Hier lagern die Rollen, von der jede aus rund 20 Kilometern Papier besteht. Eine Strecke so lang wie eine Fahrt von Göttingen nach Groß Schneen und zurück. Diese Länge ist auch notwendig, denn um allein die 45 000 täglichen Exemplare des Tageblattes zu drucken, bedarf es pro Nacht rund 18 Rollen.
Der Weg zum bedruckten Papier interessiert die Viertklässler der Paul-Maar-Grundschule in Hilkerode am meisten. Wobei Größe und Gewicht der Rotation, die tagtäglich das Tageblatt druckt, auch beeindruckend ist: vier Stockwerke ist sie hoch und über 300 Tonnen schwer. Das ist so viel wie drei große alte Dampflokomotiven wiegen. Aber auch die neue Bogendruckmaschine findet die Beachtung der 25 Kinder. Auf ihr werden hochwertige Zeitschriften mit Hochglanzoptik gedruckt, wie das Lifestyle-Magazin Vita.
Mit alter Drucktechnik kennt sich Marcel aus der Mittelbergschule Göttingen besonders gut aus. Ohne zu stocken erklärt er seinen 17 Klassenkameraden, wie die alten Bleidruckmaschinen funktionieren. Warum er das so gut weiß: er hat bei einer Führung auf der Wartburg besonders gut aufgepasst. Dort übersetzte Martin Luther um 1520 das Neue Testament, das daraufhin vielfach gedruckt wurde – per Bleidruck. Als Günter Pommer, der die Kinder durch das Druckhaus führt, dann noch erzählt, dass damals der Bleisatz für eine Seite auch schon einmal 20 bis 30 Kilo wiegen konnte, stöhnen die Kinder auf. Da geht das heute, wenn die Seite am Computer gebaut wird und dann per Mausklick in die Produktion geschickt wird, doch schon viel, viel leichter.
Einen Schüler mit journalistischem Gespür hat die Klasse 4 a der Grundschule Dransfeld in ihren Reihen. Der neugierige Vitus hält seinen Fotoapparat während des Druckhaus-Besuches ständig bereit, um im richtigen Moment die schönsten Bilder zu machen. Er lichtet alte und neue Druckmaschinen ab, hält fest, wie einzelne Maschinen vor sich hinarbeiten und auch ein Erinnerungsfoto mit der ganzen Klasse will er machen.
Seine Klassenkameraden sind nicht weniger neugierig. Besonders gefällt ihnen, dass sie eine der schweren Papierrollen auf einem Förderschlitten durch die Tageblatt-Produktionshalle schieben dürfen. In der Druckvorstufe erfahren sie von Pommer, warum die Aluminium-Druckplatten mit einer dünnen Gummischicht überzogen sind. Diese Schutzschicht wird kurz vor Andruck wieder entfernt – so verschwinden auch Fingerabdrücke, die manchmal nach der Plattenbelichtung dort kleben bleiben. Fettfinger mag nämlich kein Leser auf den Seiten.
Die Schüler der Kerstlingeröder Gartetalschule interessieren sich wie schon die anderen Klassen für alle technischen Details. Noch vom Tageblatt-Besuch in ihrer Klasse wissen sie, welche vier Farben zum Druck der Zeitung benötigt werden: Schwarz, Gelb, Cyan (Blau) und Magenta (Rot). Von Pommer erfahren sie nun, dass 128 Druckplatten für eine Tageblatt-Ausgabe mit 32 Seiten benötigt werden. Nämlich pro Seite für jede der vier Farben eine Druckplatte. 128 000 dieser Platten werden im ganzen Jahr für die Produktion der Zeitungsseiten verbraucht. Wie das Zeitungspapier, das aus 95 bis 99 Prozent Altpapier besteht, werden auch die Druckplatten aus Aluminium wiederverwertet – vorher müssen sie allerdings eingeschmolzen werden.
Die Kerstlingeröder Grundschüler begeistern sich aber nicht nur für die technischen Details der Print-Produktion. Auch neue Medien haben es ihnen angetan. Sie interessieren sich vor allem für die Videokamera, mit der ein kurzer Film vom Druckhaus-Besuch gedreht wird.