So macht Unterricht Spaß: Die 4 a der Göttinger Wilhelm-Busch-Schule bekommt auf der Stolle Besuch vom Tageblatt.
Unterricht mal anders: Wenn die Mitarbeiter des Göttinger Tageblatts in die Schule kommen, ist das ohnehin eine besondere Schulstunde. Wenn Redakteurin und Fotograf den Kindern ins Zeltlager auf die Stolle nach Dahlenrode hinterher reisen, ist die Schulstunde für beide Seiten außergewöhnlich. Die Klasse 4 an der Wilhelm Busch-Schule in Geismar wollte jedenfalls auch während der Klassenfahrt nicht auf den GT-Besuch verzichten.
Trotz Sonne und Spielplatzatmosphäre ist die Klasse hoch motiviert, etwas über das Zeitungmachen zu erfahren. Wie viele Stunden arbeitet ein Redakteur? Will Adrian wissen. 7,5 – jedenfalls steht das im Tarifvertrag. Häufig werden es aber mehr. Christian interessiert, was ein Redakteur macht, wenn er gerade nicht beim Termin ist. Der Artikel muss ja auch noch geschrieben werden, und der Fotograf muss seine Bilder in den Computer laden. Natürlich wird auch geplant, recherchiert und konferiert. Nach welchen Kriterien Bilder ausgesucht werden, möchte Niclas vom Fotografen wissen – es muss zum Text passen, und gut muss es natürlich auch sein, erläutert Tageblatt-Fotograf Peter Heller. Und man muss sich natürlich entscheiden, weil es oft viele gute Bilder gibt.
Friedland liegt im Ausland
„Wie alt muss man sein, um bei der Zeitung zu arbeiten?“ Die Antwort auf die Frage von Line aus der 4 a der Grundschule Friedland führt zu enttäuschten Gesichtern. Dass die Redaktion Praktikanten erst während ihres Studiums aufnimmt, kommt den Kindern so fern vor. Ob man auch mal ins Ausland fährt als Journalist? Klar, zum Friedlandtreffen.
Wenn andere Leser bei dieser Antwort auch stutzen, Friedländer Grundschüler begreifen sofort: „Das ist doch jedes Jahr in einem anderen Friedland. Letztes Jahr war es bei uns. Da treffen sich immer die Bürgermeister“, weiß Jonas. Schließlich gibt es acht Gemeinden mit historischem Namen Friedland in Deutschland, Polen, Tschechien und Rußland.
Sven war sogar einmal mit, schließlich ist sein Opa Ehrenbürger von Frydlant nad Ostravici in Tschechien. Daniels Lieblingslektüre im Tageblatt ist der Sport, besonders Ergebnisse und Tabellen. Überhaupt melden sich viele – mehr als die Hälfte – auf die Frage, ob sie regelmäßig Zeitung lesen. Die Kinderseite hätten sie gern öfter. Papa liest zuerst, weil er als erster aufsteht. Dann er selbst, danach erst Mama, berichtet Jonas. Er ist so gut im Bilde, dass er die Frage nach der Tageblatt-Auflage (45000) um den Ratschlag ergänzt, am 30. Juni ein paar mehr zu drucken: Dann ist doch Bundespräsidentenwahl.
Großmutter und Schulkind
Wie viele Leute lesen jeden Tag das Tageblatt? Eine Rechenaufgabe steht in der Klasse 4 b der Grundschule Friedland an, nachdem Lea ihre Frage gestellt hat: Rund 45 000 Exemplare werden vom Tageblatt täglich gedruckt. Geht man davon aus, dass neben Vater und Mutter auch die Großmutter oder ein Schulkind in der Zeitung liest, sind das die Anzahl der Leser mal die Anzahl der Exemplare: im Schnitt etwa 140 000 Menschen.
Eine Diskussion regt Nils mit seiner Frage an, warum es heute überhaupt noch Zeitungen gibt – schließlich könne man ja Radio hören. Und Fernsehen und Internet stehen als Informationsquelle ebenso zur Verfügung. Richtig. Zeitungen haben im schnellen Medienzeitalter viel Konkurrenz bekommen – doch das Tageblatt verbreitet die neuesten Nachrichten auch über das Internet – schneller geht es nicht.
Wetter „ stimmt fast immer“
Ein guter Journalist muss neugierig sein. Das sind Klatschbasen aber auch. Und beide sammeln und verbreiten die allerneuesten Nachrichten. Was unterscheidet sie dann? Lorenz weiß es sofort: Journalisten lügen nicht. Das hat die Klasse 4 b an der Wilhelm-Busch-Schule in Geismar die ganze Woche beobachtet. Täglich haben sie das GT gelesen, Artikel ausgeschnitten, sortiert, eigene Bücher daraus zusammengeheftet und sogar die Wettervorhersage überprüft. Antonias Fazit zum Wetter: „stimmt fast immer.“
Nach einer Woche Zeitungsstudium haben natürlich alle 26 Kinder gleich mehrere Fragen: Wie schwer ist die Druckmaschine im Verlagshaus an der Autobahn, will Leonhard wissen. In einer anderen Klasse war der Redakteur noch überrascht, inzwischen hat er nachgefragt und seinen Spickzettel dabei: 700 Tonnen - etwa so viel wie 680 Autos vom Typ VW Golf.
Steffen fragt, woher die Zeitungsleute bei aktuellen Geschichten so schnell die Bilder kriegen. Der Fotograf kann es erklären: Ist etwas im Raum Göttingen passiert, wird er vom schreibenden Kollegen angerufen und fährt schnell hin. Andere Bilder kommen von Agenturen, die Bilder oder Nachrichten besorgen und verkaufen.
Viele Kinder aus der 4 b können die Frage von Christian, warum Zeitungen nicht wie Bücher geleimt werden, gleich selbst beantworten: das ist zu aufwändig, zu teuer, schädlicher für die Umwelt und man könnte die Zeitung beim Frühstück mit der Familie nicht teilen. Geteilte Meinungen haben die Viertklässler über die „wichtigsten“ Themen in der aktuellen Tageblatt-Ausgabe. Viele haben einen Bericht über mögliche Bomben auf dem Schützenplatz ausgeschnitten, andere einen Bericht über einen Unfall an der IGS oder Überschwemmungen in Frankreich. Sie merken schnell, dass das meistens „schlechte“ Nachrichten sind. Charlotte aber hat auch einen positiven Text gefunden – über bessere Bedingungen für das arme Land Indien.