Selbstgemachte Zeitung: Gartetaler Tageblatt.
In der Klasse 4 d der Groner Erich-Kästner-Schule sitzen inzwischen lauter Zeitungsexperten. Mit Anfangsschwierigkeiten. Miray hatte zu Wochenbeginn Probleme mit dem Zeitungsformat. Sie legte die Zeitung quer vor sich auf den Tisch: Wie ein Buch wollte sie das Exemplar lesen. Andere Probleme: Ständig klappte das Zeitungspapier nach vorne oder hinten weg. Der Wille war stark, allein das Papier, das war zu dünn. Am fünften Tag der Zeitungswoche sitzen schließlich Tageblatt-Routiniers vor der aktuellen Ausgabe. Franziska kann kaum die Zeitung von morgen abwarten. Einen Artikel fand sie bisher besonders spannend – den über den lauten Überschallknall, der die Göttinger verunsicherte. Nicht ganz so routiniert kann Tageblatt-Mitarbeiter Florian Heinz auf die Frage antworten, wann denn eigentlich die Zeitung erfunden wurde. Inzwischen weiß er aber: Bis ins alte Rom kann man zurückgehen.
Vor 2069 Jahren hat der römische Konsul Gaius Julius Caesar die Tagesberichte eingeführt und als Tafel auf dem Marktplatz ausgestellt. Damals gab es natürlich noch keine Kinderseite. Er ließ dort den Ausgang von Gerichtsverhandlungen veröffentlichen. Und Druckmaschinen gab es auch nicht: Spezialisierte Unternehmer ließen die Blätter abschreiben, damit man nicht nur in Rom von den Neuigkeiten erfuhr.
Tiere, Sport, Horoskope
In der Klasse 4 c in der Erich-Kästner-Schule hängen viele Tageblatt-Seiten an der Wand: nämlich die mit den Berichten über die Schulbesuche der vergangenen Tage. Die Kinder wissen auch, was sie in der Zeitung am liebsten lesen: Geschichten über Tiere, den Sportteil und Horoskope. Auch was alles in der Zeitung steht, haben sich die Kinder genau angeschaut: Nicht nur an Sport, Politik, Kultur und Lokales denken die Kinder bei ihrer Aufzählung, sondern auch an das Sudoku-Rätsel, das Fernsehprogramm, den Comic, die Todesanzeigen und die Wettervorhersage.
Viele Fragen habe die Schüler der heute von Kornelia Lechte betreuten Klasse natürlich auch. Von Tageblatt-Fotograf Theodoro Alciro da Silva wollen sie wissen, ob er die Leute fragen muss, wenn er sie fotografiert. Das müsse er tun, erklärt er, denn es gebe ein Recht am eigenen Bild. Nur Personen der Zeitgeschichte wie bekannte Politiker oder Sportler dürfe er fotografieren ohne zu fragen, aber auch nur bei öffentlichen Auftritten. In ihrem Privatbereich dürften auch Prominente nicht fotografiert werden. Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht, berichtete Alciro da Silva. Eigentlich habe er Betriebswirtschaft studiert. Viel Spaß haben die Schüler am Ende mit drei Filmen über die Entstehung der Zeitung – und vor allem mit dem Tageblatt-Song der Gruppe „Ganz schön feist“, der dabei zu hören ist.
Richtige Themenmischung
Die Schüler der Klasse 4 a aus Kerstlingerode sind von Lehrer Manfred Eckhard gut vorbereitet worden. Sie haben gelernt, dass das Tageblatt aus einzelnen Büchern besteht und sogar eine eigene Zeitung gemacht. Vom Zahlenteufel, über das magische Pony und das Energiesparprojekt „Fifty-Fifty“, die Schüler haben besonders auf die richtige Themenmischung in ihrer Zeitung, dem Gartetaler Tageblatt geachtet. Sogar Rätsel und das Wetter haben sie in ihre Ausgabe aufgenommen.
Doch der Tagesablauf eines Redakteurs gibt ihnen Rätsel auf. „Wann schlaft ihr denn, wenn die Zeitung tagsüber geschrieben und nachts gedruckt wir“, fragt René. Ein Redakteur arbeitet, bis die Zeitung mit Inhalt gefüllt ist. Den Druck übernehmen andere. „Achso, dann sind die ja wie ein nachtaktives Pokémon“, ruft René in die Klasse.