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Blindgänger freigelegt

Bombe: Wird am Dienstag wieder evakuiert?

Von Ulrich Schubert

Voraussichtlich am Dienstagmittag, 1. Juni, wird klar sein, ob unter dem Göttinger Schützenplatz tatsächlich eine weitere scharfe und gefährliche Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg liegt.

Sensible Vorarbeiten: Eine Spezialfirma setzt mit großen Rohren Brunnen, um den Bomben-Bereich trocken zu legen.

© Hinzmann

Dann fällt auch die Entscheidung, ob die Menschen aus den umliegenden Wohngebieten wieder vorübergehend ihre Wohnungen verlassen und die Nord-Süd-Strecke der Eisenbahnen gesperrt werden müssen.

Alle erforderlichen Hilfseinheiten seien auf diesen Ernstfall eingestellt. Bestätigt sich der Bombenverdacht, werde ab 20 Uhr evakuiert, erklärte gestern Detlef Johannson, Sprecher der Göttinger Stadtverwaltung. Darüber informiert werde die Öffentlichkeit über Radiodurchsagen und im Internet auf der Seite www.goettingen.de. Bereits freigeschaltet ist eine Service-Rufnummer bei der Göttinger Berufsfeuerwehr: 0551/707592. Auch das Tageblatt informiert sofort auf seiner Seite www.goettinger-tageblatt.de/bombe.

In der vergangenen Woche hatten Experten auf dem Baugelände für eine neue Sporthalle einen Bombenblindgänger gefunden und ihn nach einer spontanen Evakuierung entschärft. Davon betroffen waren etwa 7200 Menschen. Aus alten Luftaufnahmen, Messungen mit Metallsonden und Bodenanalysen sei es „sehr wahrscheinlich“, dass sich etwa 40 Meter davon entfernt und wieder in gut sieben Meter Tiefe eine weitere Bombe befindet, so Johannson.

Ob es eine Bombe ist, und mit welchem Zünder sie ausgestattet ist, sei aber erst sicher zu erkennen, wenn das registrierte Objekt freigelegt sei. Davon wiederum hänge es ab, ob ein größeres Gebiet evakuiert werden müsse. Werde wieder ein sehr gefährlicher Säurezünder gefunden, werde im Umkreis von etwa einem Kilometer geräumt. Ein Aufschlagzünder hingegen könnte ohne so großen Aufwand entschärft werden.

Gestern haben Beschäftigte der Spezialfirma Tauber für Kampfmittelräumung zunächst neben der Verdachtsfläche gebohrt und Brunnen angelegt. Mit großen Pumpen werde über Nacht hoch stehendes Grundwasser abgepumpt, um leichter an die vermeintliche Bombe zu kommen, erklärte ein Mitarbeiter des Unternehmens. Zugleich werde vorsichtig die Erde über der vermeintlichen Bombe angetragen – aber nur die obere Schicht. Dann blieben die schweren Maschinen ausgeschaltet, „die letzten Meter gehen nur per Hand“.
Wenn erneut evakuiert wird, passiere das bewusst wieder in den Abendstunden, so Johannson. Dann würden deutlich weniger Züge fahren – vor allem Fernzüge wie ICEs – und alle öffentlichen Gebäude wie die benachbarte Schule sowie umliegenden Firmen seien weitgehend menschenleer.

Wenn evakuiert wird:

  • müssen die betroffenen Anwohner ihre Häuser ab 20 Uhr verlassen;
  • sind voraussichtlich wieder alle Straßen zwischen Weender Landstraße, Berliner Straße, Groner Landstraße, Levinstraße und Hagenweg betroffen – also vor allem das Blümchenviertel und der Egelsberg. Wird eine größere Bombe gefunden, könnte das Evakuierungsgebiet noch größer ausfallen;
  • Notlager und Betreuungseinrichtungen gibt es wieder im Max-Planck-Gymnasium (Theaterplatz 10) und in der Groner Heinrich-Heine-Schule (Backhausstraße 14). Sie sind ab 19 Uhr geöffnet;
  • wer nicht mobil ist, kann einen Shuttle-Bus nutzen. Stadtbussen fahren dazu alle öffentlichen Haltestellen im Evakuierungsgebiet an;
  • Kranke und Gehbehinderte werden mit Krankentransport-Wagen abgeholt. Sind sie noch nicht aus der ersten Evakuierung registriert, können sie sich unter der genannten Servicenummer melden;
  • da die zweite Aktion in Ruhe vorbereitet werden konnte, rechnet die Stadt mit einem schnelleren Ablauf: gegen Mitternacht soll die Bombe entschärft und auch die Evakuierung beendet sein.
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