„Ich möchte Sie alle über den aktuellen Stand informieren. Fakt ist: Die Bombe ist explodiert.“ Als er dann noch hinzufügt, dass Menschen zu Schaden gekommen sind, geht ein Raunen durch die Menge. Viele halten sich vor Schreck die Hand vor das Gesicht. Ein kleines Mädchen fängt an zu weinen. Lediglich der Hinweis, dass es „keine Gebäudeschäden“ gegeben habe, kann die Menschen wieder etwas beruhigen. „Bitte bleiben Sie in Ruhe hier und machen es sich so gemütlich wie möglich“, sagt Reibrandt.
Bis zu diesem Zeitpunkt haben die Frauen, Kinder und Männer genau das versucht, auch in der Turnhalle des Max-Planck-Gymnasiums, dem zweiten Ausweichquartier. Sie haben sich eingerichtet in ihren Zufluchtsstätten. Die Kinder spielen mit Luftballons des DRK, Helfer verteilen Getränke und kümmern sich in Ruheräumen um die Alten und Kranken. Nachbarn unterstützen und beruhigen sich gegenseitig. Kinder spielen mit ihren Haustieren.
So wie die sechsjährige Sarah, die ihre Meerschweinchen Flecki und Laura in einer kleinen Box dabei hat. „Ich bin wegen der Bombe hier“, sagt Sarah am frühen Abend, und sie weiß in diesem Moment wahrscheinlich nicht, wie Recht sie damit hat. Sie kümmert sich ohnehin mehr um ihren Pullover, denn „das eine Meerschweinchen hat mich gerade angepinkelt“.
Auch Christa Riefer-Bley und Heidi Heins, die Tür an Tür in der Pfalz-Grona-Breite wohnen, nehmen die Evakuierung anfangs gelassen hin. „Wir sind mit dem Bus gekommen, das hat alles funktioniert“, erzählt Christa Riefer-Bley und bringt damit auf den Punkt, was viele an diesem Abend, der so geordnet und ruhig begonnen hat, erzählen: Alles läuft reibungslos.
Die Evakuierung war tatsächlich geordneter abgelaufen als die erste vor einigen Tagen. Die Betroffenen wurden gut informiert, das sagen viele an diesem Abend. Selbst die Durchsagen der Lautsprecherwagen seien lauter und deutlicher gewesen, versichert eine Frau. Feinheiten nur, aber sie wirken. Die gute Vorbereitung beruhigt, gibt Sicherheit, vor allem den Älteren.
Es ist jetzt 21 Uhr, die Dämmerung bricht herein vor der Heinrich-Heine-Schule. Drinnen sitzt immer noch die 65-jährige Christa Riefer-Bley und sagt: „Angst? Nein, die habe ich nicht.“ Obgleich es schon beunruhigend gewesen sei, als bei der ersten Bombe ein Hubschrauber über ihrem Haus kreiste und sie von nichts wusste. „Das hat mich an die Bombennächte in Berlin erinnert“, sagt sie. „Das ist schon irrwitzig“, ergänzt ihre Nachbarin Heidi Heins, die über einen Stecker im Ohr Radio hört. „Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich mich im Krieg voller Angst im Keller unter einer Bank verkrochen habe. Und jetzt sitze ich auf einer Bank in einer Turnhalle – und wieder wegen einer Bombe.“ Ansonsten sei die Evakuierung aber nicht schlimm, ergänzt sie dann und schaut in ihr Rätselheft. Immer wieder fasst sie an den Stecker in ihrem Ohr. Ihre Nachbarin blättert in einer Zeitschrift. 21.25 Uhr, noch gut drei Stunden, bis sie wieder nach Hause können.
Etwa fünf Minuten später erschüttert ein lauter Knall die Innenstadt. Die Menschen in der Heinrich-Heine-Schule bekommen von all dem nichts mit. Erst die Ansage von Axel Reibrandt bringt Klarheit – und erschüttert die Menschen zutiefst. „Au weia“, entfährt es Christa Riefer-Bley. „Und die Leute“, fragt Heidi Heins aufgeregt, „was ist mit den Leuten?“ Immer wieder drückt sie den Stecker in ihr Ohr, „aber die reden von Köhler“, sagt sie. Und dann sagt sie etwas, was wohl viele in diesem Moment denken: „Das hat ja keiner geglaubt, das so etwas jemals passieren würde.“
Viele Menschen fragen, wie es nun weitergeht, doch Axel Reibrandt schüttelt den Kopf. Er kann nicht mehr sagen. „Wir bleiben bis zur Entwarnung hier“, sagt Uwe Katzer-Schlösser. Eine Stunde später wird immer wahrscheinlicher, dass einige Evakuierte in dieser Nacht nicht mehr nach Hause zurückkehren können.
Von Andreas Fuhrmann
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Kommentare
Aus Elternsicht Diana Heinrich – 04.06.10
Ich fasse zusammen:Ich werde mit 6 Jahre altem Kind evakuiert und in eine Sporthalle verbracht.
Irgendwann steht jemand im Raum erhebt die Stimme sagt: Die Bombe ist explodiert, es gabt Tote.
Zu Entscheiden was meinem Kind, auch auf welche Art und Weise Informationen zugetragenwerden entscheide ich. Niemals eine Behörde. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
- Göttinger – 02.06.10
Was hat die Schickeria damit zu tun? Gar nix.... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenWelcher? Jemand – 02.06.10
Welcher Kommentar!? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKaltschnäuzig Ex-Göttinger-Student – 02.06.10
Ein derartig kaltschnäuziger, Menschen verachtender Kommentar kann ja nur von Seiten der linken Schickeria kommen. Habe ich richtig geraten? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden@Jemand x – 02.06.10
Also, zwei Straßen mit Wohnbebauung (Narzissenweg, Kogelhof) liegen zumindest innerhalb des 300-Meter-Radius, der weiterhin abgesperrt bleiben sollte. Kann also stimmen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenHeute Nacht KEHRT KEINER ZURÜCK Jemand – 02.06.10
@ RedaktionSiehe letzter Satz:
"Eine Stunde später wird immer wahrscheinlicher, dass einige Evakuierte in dieser Nacht nicht mehr nach Hause zurückkehren können."
War dies nun so dass einige letzte Nacht nicht zurückkehren konnten? Oder hat der Autor da wieder dramatisiert bzw. sich profilieren wollen!?
@ Unbekannter Göttinger Helfer
SCHÄM DICH! Während andere rennen und helfen, knipst Du Fotos um sie bei BILD für 150€ zu verkaufen - Siehe Arbeit des "Gaffer-Helfer" unter http://tiny.cc/qtp4k Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Von wegen Pulitzer Preis Rubybooo – 02.06.10
Ich finde die obige Information an dieser Stelle überflüssig:"Sie kümmert sich ohnehin mehr um ihren Pullover, denn <das eine Meerschweinchen hat mich gerade angepinkelt.>" An manchen Stellen ist der Text gar nicht schlecht, übberrascht durch ein Gefühl für den Vorfall. Aber diese Aussage bewirkt beim Leser, dass vom Autor plötzlich alles wieder banalisiert wird und er das Thema nicht ernst nimmt. Anstatt dessen weicht er mit flacher Komik aus.Ohne Zweifel ist der Vorfall sehr traurig und vor allem ist es tragisch, dass die Reste des 2. WK nach über 60 Jahren immernoch Opfer fordern in einer Generation die in dieser Hinsicht nichts zu "verschulden" hat. Mein Beileid an die Angehörigen der Mutigen! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Fehlendes Mitgefühl miz – 02.06.10
@ Jemand, Christian B., OKJetzt hört es aber echt auf. Euch fehlt doch jedes Mitgefühl. Diese Männer sind dazu da, um euch den A... zu retten! Die Zeitungen berichten nun mal darüber und jetzt ein Politikum über Bomben zu machen, das ist wirklich fehl am Platz.
Jeder der sich jetzt noch aufregt wegen Evakuierung etc., sollte wirklich eines besseren belehrt worden sein.
Meine Hochachtung vor diesesn Männern und Beileid an die Hinterbliebenen.
Auch die Feuerwehren und Polizei leisten einen hervorragenden Beitrag. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Männer, die ihr Leben geben fel – 02.06.10
Die drei Menschen die bei der Entschärfung der Bombe ums Leben gekommen sind, haben ihr Leben gegeben, um andere Menschen vor dieser einen Bombe zu schützen.Eine Berufung nimmt jeder aus verschiedenen Gründen wahr. Ein Delaborier kennt die Gefahren mehr als genau, geht sie aber dennoch bei jeder Bombe immer wieder ein, um die immense Gefahr für andere Menschen zu beseitigen.
Diese Menschen haben ihr Leben für andere Menschen gegeben!
Dafür sollte jeder dankbar sein!
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Die Bombe - keine Sach-, Gebäudeschaden OK – 02.06.10
Angesichts der Lage auf dem Schützenplatz und der Art der Bombe, hätte auf die Entschärfung vor Ort verzichtet werden können.Bei einer kontrollierten Sprengung wären keine Menschenleben und Verletzten zu beklagen gewesen - so sind wenigstens die Sachschäden klein gehalten worden.
Ich danke denen, die diese Arbeiten für uns alle ausführen und sich in Gefahr begeben.
Die Verantwortlichen für die Entschärfung der Bombe auf dem Schützenplatz sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
@schüler Erfried – 02.06.10
ja, du musst heute zur schule, nur ohg und bbs2 haben frei...deinen schulweg musste aber selbst herrausfinden, goderhardstr. ist dicht..wie kann man eigentlich wie oben beschrieben als nun 65jährige die berliner bombennächte erlebt haben? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
schule heschwister-scholl-gesamtscuke! kgs – 02.06.10
ich will mit dieser frage niemanden streßen aber weiß jemand ob heute schule ist oder nicht?Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
zum Thema Christian B. – 02.06.10
Lange Rede kurzer Sinn....Für mich zeichnet sich sich einfach nur die Doppelmoral der Menschheit ab. Es sterben täglich Menschen ohne das davon Notiz genommen wird. Falls man jedoch selbst territorial involviert wird, lässt sich eine Polemik des Sachverhaltes erkennen
Weiterhin ist es tragisch, dass Menschen zu schaden gekommen sind. Anzumerken ist allerdings, dass das Risiko einer solcher Unternehmung bekannt ist (siehe Soldaten) und daher von dem Individuum bewusst eingegangen wurde.
Taktgefühl der Redaktion des GT ist anscheinend nicht eins der stylischsten Mittel der Redaktion, wenn man die Kategorie mit dem Titel: "Alles über die Bombe" ausstaffiert. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
unnötiger Kommentar bluesky – 02.06.10
Wer auch immer meint, angesichts der schrecklichen Ereignisse der letzten Stunden die Journalisten vom Göttinger Tageblatt aufgrund solcher Lappalien kritisieren zu müssen, sollte sich echt schämen.. die Menschen haben jetzt sicher anderes im Kopf, als sich darum Gedanken zu machen!Nebenbei bemerkt heißt es "Pulitzer Preis", aber selbst das ist heute Nebensache.
Mein Beileid an die Angehörigen der Opfer. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Die Bombe F Mathes – 02.06.10
Hier im Rhein-Main Gebiet wurden auch schon öfters Bomben gefunden. Vor einigen Jahren hat an der A3 irgendwo zw. Frankfurt und Aschaffenburg ein Bagger auf eine Bombe bei Bauarbeiten gestoßen und ist explodiert.Leider sind diese Fliegerbomben heute noch ein Fluch aus der Zeit des 2. Weltkriegs. Zum Glück gehen ein Großteil der Entschärfungen gut. Leider zeigen Ereignisse wie heute in Göttingen das diese Dinger auch nach gut 70 Jahren noch extrem gefährlich sind und großflächige Evakuierungen gerechtfertigt sind. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Tote bei Bombenentschärfung Blessin – 02.06.10
So furchtbar das Gesachehen dieser Nacht ist, sollten wir nicht vergessen, das Bomben gebaut werden, um Menschen zu töten.Nicht nur die vor langer Zeit auf dem Schützenplatz versunkenen, auch die vielen kleinen, modernen Landminen. Töten oder zumindest verstümmeln. Das ist eine Last, die wir tragen, bis wir verstehen, das Leid Gegenleid hervorbringt. Nicht als Nation, sondern als Menschen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Göttinger Tageblatt vom Feinsten ^^ Jemand – 02.06.10
Bitte mal an die Fakten halten, ein Göttinger Tageblatt "Journalist" wird nie den Purlitzerpreis bekommen... für die Bild könnte es aber SO schon reichen :D"Sie kümmert sich ohnehin mehr um ihren Pullover, denn „das eine Meerschweinchen hat mich gerade angepinkelt“." Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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