Die Feuerwehr hatte sie und ihre Nachbarin Malli Schmerbauch aus dem Asternweg herausgeklingelt – Schmerbauch hat wenigstens an Medikamente und Diabetiker-Zwieback gedacht. Denn es kann eine lange Nacht werden in der Heinrich-Heine-Schule in Grone, eine von zwei Notquartieren für Evakuierte.
Ab 20 Uhr kamen die Durchsagen, dass auch die Menschen aus dem Blümchenviertel und vom Egelsberg ihre Häuser verlassen müssen. Zwei Stunden später in und vor der Groner Turnhalle: Hektik bei den Helfern, die immer mehr kranke und gehbehinderte Menschen bringen. Genervte Blicke bei Eltern, deren Babys quengeln. Abenteuerspaß bei Kindern, die auf Turnmatten toben. Partylaune bei einer Gruppe vom Egelsberg, die mit Sekt und Salzstangen vor der Halle auf neue Nachrichten von der Bombe warten.
Sie haben ihre Wohnungen ohne Diskussion verlassen, andere waren weniger einsichtig. „Ich muss zum Zug“, protestiert zu Beginn der Aktion ein Mann an der Absperrung in der Godehardstraße und sucht sich einen Schleichweg. Brunhilde Henrici steht ein wenig verzweifelt daneben. Ihre 89-jährige Mutter aus dem Rosenwinkel muss auch evakuiert werden, „aber sie kann doch nicht laufen“. Muss sie auch nicht. Auch Christa Renke vom Egelsberg sucht schon einen der Sammelbus, wurde von Feuerwehrleuten hin und her geschickt. „Das ist sehr ärgerlich“, sagt sie. Jetzt will sie in der Heinrich-Heine-Schule ihre Tochter suchen und hat ein Buch für die Enkelin dabei, „es könnte ja eine lange Nacht werden“.Dort muntern sich bereits die beiden alten Damen aus dem Asternweg mit Scherzen auf und hoffen, bald wieder in ihren weichen Sesseln zu sitzen.
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