Start wie immer in der Innenstadt, als Endstation ist der Klausberg genannt. Der liegt, wenn man der Karte glauben darf, links von uns. Wir stehen aber in der Treskowallee, die wir einfach mal geradeaus nach oben wandern. Hinter den letzten Häuserreihen führt ein gut gepflasterter Fußgängerweg unterhalb des Waldes. Geradeaus hätten wir den Bismarckstein erreicht. Vielleicht beim nächsten Mal.
So aber führt unsere kleine Wanderung vorbei an einem Gedenkstein, der daran erinnert, dass hier einmal ein Weinberg stand, der 1885 zum Wald umgewidmet worden ist. Dann sind wir auch schon beim Stift am Klausberg und die Konrad-Adenauer-Straße nach rechts wieder den Berg hinunter. Erstmals nach so vielen Jahren als Göttinger Bürgerin sehe ich die Kleingartenanlage des Göttinger Ostviertels, von der mir schon viele Bekannte erzählt haben.
Geradewegs auf den spitzen Turm der Corvinuskirche laufen wir zu, einer früheren Haltestelle unserer Buslinie. Ich habe vorher schon mal recherchiert, was es mit dem Namen auf sich hat und kann meine Begleiter damit beeindrucken: Antonius Corvinus (auf Deutsch: Anton Rabe, geboren 1501 in Warburg/Westfalen) war ein Mitstreiter Martin Luthers. Nach seinem Theologiestudium in Leipzig und Wittenberg war er Pfarrer und Superintendent in Witzenhausen (1529-1542) und auch Berater des Landgrafen Philipp von Hessen.
Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen beauf-tragte ihn mit der Reformation und Organisation des evangelischen Kirchenwesens in ihrem Territorium. Ihr Sohn Erich II. aber, der wieder katholisch geworden war, legte Corvinus 1549 in der Festung Calenberg (bei Pattensen an der Leine) in schwere Haft. Erst nach drei Jahren kam er frei und starb wenige Monate später im Frühjahr 1553 an den Folgen dieser Haft. Sein Grab befindet sich in der Marktkirche in Hannover.
Die Göttinger Gemeinde mit seinem Namen wurde am 1. Oktober 1966 gegründet, ein Jahr später die Kirche eingeweiht. Das Gemeindegebiet gehörte ursprünglich zu St. Albani und St. Jacobi, doch die rege Bautätigkeit ringsherum hat dann die Gründung einer eigenen Gemeinde nahegelegt. Während der Erzählungen sind wir links die Grotefendstraße einige Meter nach oben gegangen und dort rechts in einen weiteren Waldweg eingebogen. Der endet an der Heinz-Hilbert-Wohnanlage, weshalb wir rechts hinunter gehen und unterhalb des Arelas überra-schend auf einen sogenannten Brüder-Grimm-Stein stoßen. Die Tafel dafür ist kaum noch zu entziffern bis auf die Worte „gestiftet“ und „Bremke“.
Wir schlendern die Hainbundstraße entlang, bewundern die schönen alten Villen und ein Gedenkschild für Heinz Hilpert, den früheren Göttinger Theaterchef, nicht zu verwechseln mit dem Hilbert der Wohnanlage – einem berühmten Göttinger Mathematiker. Überhaupt ist unser kleiner Weg äußerst geschichtsträchtig, denn am Ende der Hainbundstraße erwartet uns das Hainbunddenkmal.
Erwarten ist ein wenig hoch gegriffen, genau genommen steht es in der Ecke der Kreuzung zur Herzberger Straße im Dunkeln. Dicht umgeben von Gebüsch. Auch hier ist von der Inschrift nicht mehr alles mühelos zu entiffen: „Dem Göttin-ger Hainbunde am 100jährigen Gedächtnistage, gewidmet von der Stadt Göttingen. 12. September 1872.“ Dass der Hainbund eine die Natur verehrende literarische Gruppe im Deutschland des 18. Jahrhunderts war, muss ich meinen Begleitern nicht mehr erklären.
Wohl aber, wer dazugehörte: Der Hainbund wurde am 12. September 1772 (übrigens auf dem heutigen Kerstlingeröder Feld im Göttinger Stadtwald) von Johann Heinrich Voß, Ludwig Christoph Heinrich Hölty, Johann Martin Miller, Gottlieb Dieterich von Miller, Johann Friedrich Hahn und Johann Thomas Ludwig Wehrs gegründet. Benannt wurde er nach einer Ode von Friedrich Gottlieb Klopstock, den die Gruppe verehrte: „Der Hügel und der Hain“. Soviel zur Dichtung und zum Denkmal.
Auf der anderen Seite der Straße in die Bismarckstraße einbiegend sehen wir noch eine Stele des Göttinger Planetenweges (Neptun). Nun treibt uns der Durst voran Richtung Schillerwiese. Am gutbesuchten Minigolfplatz samt den beiden Kiosken vorbei geht es Richtung Hainholzweg zur mit dem Biergarten lockenden Hainholzschenke (geöffnet ab 17 Uhr, Sonnabends geschlossen).
In der nächsten Folge: Endstation Buslinie 2/3 Junkernberg.
Goettinger-Tageblatt.de Anmeldung