Kaum ein Aspekt des Zeitreise-Projekts von Tageblatt, Stadtarchiv und Städtischem Museum hat derart viel Rückmeldung an die Redaktion ausgelöst wie das Thema Filmstadt Göttingen.
Nicht nur wegen seiner Universität war Göttingen in den 50er Jahren bundesweit bekannt: Viele Filme, die damals in den Kinos Furore machten, wurden damals in der Leinstadt gedreht. Die meisten von ihnen waren Unterhaltungsfilme der eher seichteren Art, aber auch einige Klassiker des deutschen Nachkriegsfilms entstanden in Göttingen.
Persönlich die Hand gegeben und gedankt“: Kindliche Zufriedenheit klingt aus der Anmerkung, die Erika Träger aus Geismar im August 1952 in ihr Fotoalbum geschrieben hat – neben ein Autogramm, auf dem der junge Schauspieler Walter Giller das Wort „herzlichste Grüße“ mit einem gemalten Herz einleitet. Für die Geschichtswerkstatt des Göttinger Tageblattes, Stadtarchivs und Städtischen Museums ist die 71-Jährige in die Filmstadt Göttingen zurückgereist.
Zeitreise des Göttinger Tageblattes, Stadtarchivs und Städtischen Museums: Für die Geschichtswerkstatt gehen täglich Aufnahmen aus den Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ein. Die Bilder zeigen, wie sich das Gesicht der Stadt Göttingen und ihrer Ortsteile vor allem seit den 1950er Jahren verändert hat.
An einem Tag im Mai des Jahres 1952 erblühten im Groner Bürgerpark nicht nur Kastanien, sondern auch noch künstliche Rosen. In diesem Blumenmeer tanzte das Ehepaar Pieper mit Stars wie Rodolf Prack, Winnie Markus und Ruth Leuwerik – für eine Produktion der Filmaufbau Göttingen.
München und Berlin sind große deutsche Filmstädte. Vor fast 50 Jahren endeten die anderthalb Jahrzehnte, in denen auch die kleine Stadt Göttingen diesen Titel für sich beanspruchen konnte.
Das Nachkriegsjahrzehnt war ereignisreich: Die Stadt veränderte sich in den 1950er Jahren, die Bevölkerung wuchs und der Autoverkehr nahm zu. Neue Gebäude entstanden, alte wurden saniert, es gab Feste und Paraden und viele andere Ereignisse, bei denen Menschen zu ihren Kameras griffen.
Es geht auf eine Zeitreise nach Lenglern und Holtensen in die frühen 1950er Jahre: Die Männer auf dem großen Bild arbeiten im Bergbau – in der „kleinsten Erzgrube des Bundesgebietes“, heißt es in einem Zeitungsbericht.
In den 1960er Jahren veränderte sich das Bild der Stadt. Straßen wurden erweitert, vertraute Gebäude abgerissen und Plätze bebaut. Grüne Bereiche wurden kleiner oder verschwanden.
Im Jahr 1948 feierte die Göttinger Berufsfeuerwehr 40-jähriges Bestehen. In diesem Jahr kam Familie Karkowski nach Geismar. „Für meinen Mann erfüllte sich ein Traum“, erinnert sich Gisela Karkowski an die Beweggründe ihres 1999 verstorbenen Ehemannes Siegfried, nach der Flucht aus Ostpreußen in der südniedersächsischen Universitätsstadt einen Neuanfang zu wagen – als Berufsfeuerwehrmann.
Viele Flüchtlinge, marode Bausubstanz, prekäre Ernährungslage – für Kinder und Jugendliche waren die Lebensbedingungen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht die allerbesten.
Das Gesicht der Stadt Göttingen veränderte sich im 20. Jahrhundert von der beschaulichen Fachwerkstatt zum südniedersächsischen Oberzentrum. Deutlich zeigen das die Fotografien und Filme, die Tageblatt-Leser, Institutionen und Geschäftsleute für die Geschichtswerkstatt des Göttinger Tageblattes, Stadtarchivs und Städtischen Museums zur Verfügung gestellt haben.
Tageblatt-Volontär Michael Kerzel will abspecken und hat deshalb seine persönliche "Mission Olympia" ausgerufen. Und Sie können ihm dabei helfen – denn in Gemeinschaft funktioniert das bekanntlich am besten.
Das Portal "Göttinger Zeitreise" ist die Geschichtswerkstatt für Göttingen: Bilder, Videos und Dokumente zur Zeitgeschichte können hier veröffentlicht oder angeschaut werden.