Dabei sind auch Erika Podworny und Lothar Gleinig. Ihre Bilder führen zurück in das Jahr 1953, als in Göttingen das 1000-jährige Bestehen der Stadt gefeiert wurde.
Im Jahr 953 wurde Gutingi – Ort am Wasserlauf – in einer Urkunde von König Otto I. erstmals erwähnt. 1000 Jahre später feierten die Göttinger ein großes Stadtfest. Im Juni und Juli 1953 gab es laut Stadtchronik eine Wirtschaftsausstellung, nach langer Pause wieder einmal Händel-Festspiele, „Deutsche Filmtage“ und diverse Festakte, in deren Verlauf mal die ältesten Göttinger Familien, verdiente Wissenschaftler oder Bürger geehrt wurden. Höhepunkt aber war ein kilometerlanger Festzug, der sich drei Stunden lang durch die Stadt bewegte.
Zehn Jahre alt war Lothar Gleinig, als er mit seinen Eltern die 1000-Jahr-Feier besuchte. Er hat nur wenig Erinnerungen an den Festumzug. Ein als Bismarck verkleideter Akteur steht ihm noch vor Augen, ein Festwagen der Filmatelier „und Josef von der Klosterkammer, der neben einem Ochsenkarren mitmarschierte“, erzählt Gleinig, heute Bürger von Bovenden und 67 Jahre alt. Die Bilder vom Stadtjubiläum fand er in einem alten Album auf einem Flohmarkt.
Eigene Fotos schoss Erika Podworny, als sich der Festumzug am 28. Juni durch die Stadt schlängelte. „Wir waren auf Nebenstraße ausgewichen, um zuzusehen. In der Innenstadt war es viel zu voll“, erinnert sich die heute 79-Jährige. Familiäre Bindungen hatten die Gronerin und ihren Ehemann Karl unter anderem zur großen Feier gezogen: „Meine Schwester fuhr auf einem alten Benz mit“, erzählt Podworny.
In Erinnerung blieb ihr außerdem ein Wagen mit dem städtischen Wappen, „darauf saß so eine hübsche Frau“. An die 50er Jahre in Göttingen denkt sie ohnehin gern zurück: „Das war eine gute Zeit. Ich bin gerne ausgegangen, und wir haben viel getanzt.“
Infos zur Zeitreise
„Göttinger Zeitreise“ heißt eine Geschichtswerkstatt des Göttinger Tageblattes in Kooperation mit dem Stadtarchiv und dem Städtischen Museum Göttingen. Gesucht werden dafür vor allem alte Filme, aber auch Fotografien über die Stadt und ihre Bewohner, vorzugsweise aus den 1950er-Jahren sowie aus anderen Jahrzehnten. Auch Fotografien sind gefragt. Im Sommer wollen Mitarbeiter des Tageblattes mit dem gesammelten Material zunächst einen Film über die 50er-Jahre produzieren. Für die Geschichtswerkstatt wurde unter der Adresse www.goettinger-zeitreise.de ein Internetportal eingerichtet, auf dem Filme und Fotos eingestellt werden können. Auch die Übersendung per E-Mail (redaktion@goettinger-tageblatt.de) oder Post (Redaktion Göttinger Tageblatt, Zeitreise, Dransfelder Straße 1, 37079 Göttingen) ist möglich. Infos: unter Telefon 05 51 / 90 17 66.
Von Katharina Klocke
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