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Geschichtswerkstatt

Ausflug in die Zeit nach 1970

Von Katharina Klocke

Die Zeitreise geht weiter. Nach den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts ist der Zeitraum zwischen 1970 und 1980 Ziel einer weiteren Etappe der Geschichtwerkstatt des Göttinger Tageblattes und der Stadt Göttingen. Auch für dieses Jahrzehnt werden Filme und Fotografien gesucht.

Kommerzialisierung: Ketten und Einzelhändler erschließen die Stadt Göttingen in den 70er Jahren.

© Fritz Paul

Göttingen um 1970: Die Stadt hat sich sehr verändert. In ihr wohnen mittlerweile rund 120 000 Menschen. Das Stadtgebiet ist von rund 2600 auf 11 600 Hektar Fläche gewachsen. Daran beteiligt waren unter anderem Eingemeindungen: Herberhausen (1963), Grone, Weende, Nikolausberg und Geismar (1964) hat sich Göttingen bereits einverleibt. Acht weitere Dörfer kommen in den 70er Jahren noch hinzu. Die Zahl der Studenten stieg zwischen 1953 bis 1973 von rund 4000 auf knapp 20 000. Viele Universitätsgebäude wurden errichtet, Industrie- und Gewerbeflächen erschlossen und bebaut. Göttingen ist Großstadt geworden.

Zu Beginn des Jahrzehnts wurde der Entwurf für ein städtisches Planungleitbild vorgelegt. Es gab viele bauliche Neuerrungenschaften: eine neue Schwimmhalle am Stumpfebiel, eine Fußgängerzone samt Busring, zwei Gesamtschulen, einen Schlachthof (in Rosdorf).  Nicht immer stießen die baulichen Veränderungen auf Gegenliebe in der Bevölkerung. Zumal der Denkmalschutz je nach Planung bei der Entscheidung über die Zukunft historischer Bauwerke selten eine Rolle spielte. Schon um den Abriss der alten Universitätsreithalle hatte es im Vorfeld viel Ärger gegeben.

Der verebbte nicht, als das Kaufhaus Hertie schließlich eröffnet wurde. Zumal in der Nachbarschaft der Ausverkauf des Reitstallviertels fortgeführt werden sollte. Auch in den 70er Jahren verschwand viel historische Bausubstanz. Zum Beispiel alte Häuser an der Weender Straße oder andernorts in der Innenstadt, die unter Protesten der Bevölkerung und teils mit massiven polizeilichen Einsätzen von Hausbesetzern geräumt wurden. Häuserkampf, „Instandbesetzen statt Kaputtbesitzen“ waren auch in Göttingen Schlagworte des Jahrzehnts.

So wie die städtische Bauplanung und die Preispolitik im Öffentlichen Personennahverkehr den Zorn der Einwohnerschaft erregte, war es nationale und internationale Politik, die vor allem die Studentenschaft auf die Barrikaden trieb. Die amerikanische Intervention in Kambodscha, das Hochschulrahmengesetz, Berufsverbote sowie „staatliche und kirchliche Repression“ waren Anlässe für Proteste und Aktionen.

Fast ein halbes Jahrzehnt lang gerieten Demonstranten und Polizei immer wieder aneinander. Sogar in der Silvesternacht  1980 kam es zu Ausschreitungen und Plünderungen am Alten Rathaus. Dabei wurden auf beiden Seiten Menschen verletzt.

Zeitreise geht weiter

Die Göttinger Zeitreise ist eine Geschichtswerkstatt des Tageblattes und der Stadt Göttingen. Die 1950er und 1960er Jahre wurden in den vergangenen zwei Jahren bereist. Jetzt geht es weiter in das Jahrzehnt zwischen 1970 und 1980. Wie schon bei den vorherigen Etappen soll es auch für die 70er Jahre einen vom Tageblatt produzierten Film geben. Dafür werden private Videos, aber auch Materialien aus Verbands-, Vereins- oder Firmenarchiven gesucht.

Wer hat die Veränderungen im Stadtbild gefilmt? Wer erlebte die Hausbesetzungen, großen Prozesse oder anderen Ereignisse des Jahrzehnts, hat Fotografien gemacht und möchte davon berichten? Wer mitreisen möchte, kann sich im Internet unter goettinger-zeitreise.de über das Projekt informieren. Dort können auch Bilddomumente direkt eingestellt werden. Telefonisch ist der Kontakt unter 05 51 / 90 17 66, per E-Mail unter redaktion@goettinger-tageblatt.de möglich.

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Das Portal "Göttinger Zeitreise" ist die Geschichtswerkstatt für Göttingen: Bilder, Videos und Dokumente zur Zeitgeschichte können hier veröffentlicht oder angeschaut werden.

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