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Zeitreise in das weihnachtliche Göttingen der 1960er Jahre

Öffentliche Schreibmaschine und Grenzgeschichten


Wirtschaftswachstum, Lebensfreude auf der einen, Kriege, Mauerbau und Protestbewegung auf der anderen Seite: Die 1960er Jahre waren ein ereignisreiches Jahrzehnt. Das Göttinger Tageblatt unternimmt eine Zeitreise in das eigene Archiv: Welche Themen finden sich in den Weihnachtsausgaben von 1960 bis 1969?

Göttingen in den 60er Jahren: weihnachtlich beleuchtete Innenstadt.

© Gromotka

1960: Was wünschen sich die Göttinger für das kommende Jahr? Das wollte die Redaktion wissen. Bessere Busverbindungen, mehr Achtsamkeit von Hundebesitzern bezüglich der Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner, Bänke und eine öffentliche Schreibmaschine an der Post erbitten die Leser. Zu den Fragen beziehen Experten Stellung. So etwa Postrat E. zum Schreibmaschinen-Anliegen: Der Verschleiß eines solchen Gerätes, eine Störung des Schalterbetriebes wegen des Klapperns und die Diebstahlsgefahr seien die Gründe, warum die Post diesem Wunsch nicht nachkommen könne.

1961: „So feiert Göttingen“ lautet die Schlagzeile im Lokalteil der Weihnachtsausgabe. Ein Göttinger Handwerker erinnert sich an den „Chöttinger Christcharten“, Modell-Landschaften, die früher in den Familien weitervererbt wurden, Heutzutage, bedauert der Göttinger, seien die Wohnungen leider viel zu klein, um den Brauch der Christgärten fortleben zu lassen. Ebenfalls weihnachtlich geht es in einem Bericht über die Paten-Schiffe der Stadt zu: Ein Motorschiff namens Göttingen lag in Baltimore vor Anker, ein zweites fischte vor Island.

1962: Eine Kälteperiode hat die Bundesrepublik im Griff: Temperaturen bis zu 26 Grad unter null werden im Tageblatt gemeldet. Dass das Tanzen in den 60er Jahren hochpopulär war, zeigt ein Blick in den Anzeigenteil. Viele Gasthäuser und Hotels werben für Weihnachtsbälle und Tanzcafés. 

1963: „Weihnachten an der Zonengrenze in Südniedersachsen“ lautet der Titel einer reich bebilderten Themenseite im Lokalen. Neben der seit 1961 bestehenden Grenze zur DDR beschäftigt die Redakteure der Weihnachtsausgabe ein weiteres ernstes Thema: Sie besuchten das städtische Kinderheim an der Pfalz-Grona-Breite und sahen sich an, wie 34 Jungen und Mädchen und ihre Betreuer die Weihnachtszeit verbrachten.

1964: Was das diesjährige Weihnachtsfest den Göttingern bedeutet, wollte die Tageblatt-Redaktion wissen. Die Weihnachtsgeschichte in der Ausgabe des Heiligabends erzählt kleine, menschliche Geschichten. So erinnern sich Eltern an die Geburt ihres Babys, ihr schönstes Weihnachtsgeschenk, vor genau einem Jahr. Ein junger Grieche erwartet seine Mutter, die zur Hochzeit  am 24. Dezember anreist. Aber auch tragische Schlagzeilen enthält die Weihnachtsausgabe: So wird ein 24 Jahre alter Student vermisst, der unter „Schwermut“ leidet.

1965: Die Weihnachtsgeschichte ergeben viele Briefe von Göttingern, die in fernen Ländern leben. Aus Pennsylvania in den USA etwa schreibt Hannelore S.: „Weihnachten landet hier der Nikolaus mit einem Hubschrauber“. Bei Familie W. in Australien hängt immer noch ein Gänseliesel in der Küche. Und Eberhard K. berichtet von seinem ersten Weihnachtsfest „in einer zerfallenen Hütte“ in Kolumbien, wo statt Glühwein Anisschnaps serviert wurde.

1966: Unter der Überschrift „Weihnachten in dieser Zeit“ macht sich Pastor Hans-Joachim Pitsch Gedanken über die Kampfhandlungen in Vietnam: „24 Stunden Waffenruhe, um dann frisch und ausgeruht wieder aufeinander loszugehen“, schreibt er sarkastisch in seiner Andacht auf dem GT-Titel. Das weihnachtliche Familienleben in Göttingen malt die zehnjährige Gabriele für die Kinderseite „Die bunte Kiste“ des Tageblattes. Stadtplaner Herbert Wiltenstein stellt in einer Artikelserie zum städtischen Leitbild unter anderem das Fehlen von 1400 Parkplätzen in der Innenstadt fest. Und prophezeit für das folgende Jahrzehnt eine weitere Zunahme des Fahrzeugverkehrs: 1975, so befürchtet er, würden es ganze 4500 Stellplätze zu wenig sein.

1967: In der Heiligabendausgabe wird Göttingen als „Stadt des Orgelbaus“ vorgestellt. Redaktionsmitglieder besuchen das Unternehmen Carl Hofbauer am Rosdorfer Weg. Bankräuber Herbert Friedrich Sch. wird verhaftet: Bei einem Banküberfall in Bremke hatte er zuvor 18 000 Mark gestohlen. Dass er einen Komplizen hatte, verschweigt Sch. Der Kumpel stellt sich später der Polizei.

1968: Wie feiert die Göttinger Prominenz? Befragt wurden unter anderem Oberbürgermeister Walter Leßner und Ehefrau Elisabeth, die sich auf den Besuch der kleinen Enkeltochter freuten. Die Familie von Oberstadtdirektor Kurt Busch offenbart dessen Ungeschick beim Aufstellen des Weihnachtsbaums. Ein Redakteur fliegt in dem wenige Monate zuvor „Göttingen“ getauften Lufthansa-Jet von Frankfurt nach Paris.

1969: Eine Grippewelle versetzt die Bundesrepublik in Furcht. 39 Menschen sind daran schon gestorben. Weitere überregionale Schlagzeilen beschäftigten sich mit der Ost-Politik: „Wohin strebt Warschau“ fragt sich ein Politik-Redakteur. Im Göttingen-Teil werden Ausflugsziele rund um Göttingen vorgestellt. In der Weihnachtsausgabe im Blatt: Mutter Jütte in Bremke.

Die Zeitreise (goettinger-zeitreise.de) ist eine Geschichtswerkstatt des Tageblattes und der Stadt Göttingen. 2011 ging es um die 60er Jahre, das Jahrzehnt nach 1970 folgt 2012.

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Das Portal "Göttinger Zeitreise" ist die Geschichtswerkstatt für Göttingen: Bilder, Videos und Dokumente zur Zeitgeschichte können hier veröffentlicht oder angeschaut werden.

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