Göttingen. „Hat das Rohns’sche Badehaus eine Zukunft“ fragte sich schon im März 1966 sorgenvoll Göttingens Stadtbaurat Herbert Wiltenstein in einem Zeitungsartikel. Errichtet hatte das zwölfeckige Haus um 1819 der Göttinger Baumeister Christian Friedrich Andreas Rohns (1787-1853) zugunsten der bürgerlichen Körperpflege. Mit dem Bau der Stadthalle 1964 „und der Aufhebung der Verbindungsstraße zwischen dem Hainholzweg und der Herzberger Landstraße wurde das Rohns’sche Badehaus aus seinem Dornröschenschlaf gerissen“, schreibt Wiltenstein. Es sei ohnehin seit dem Brand im Stadtpark wie die übrigen Anlagen in einem sehr verwahrlosten Zustand. Vor dem Ersten Weltkrieg habe es bereits Abrisspläne gegeben. Seit der Zeit seien dort keine Bauunterhaltungsmaßnahmen durchgeführt worden.
Erst im Zuge der Stadthalleneröffnung und der Rektorenkonferenz habe das Gebäude äußerliche Verschönerungen erfahren. „Und siehe da, aus dem häßlichen Entlein, dem man am liebsten den Garaus gemacht hätte, entstand ein Bauwerk, das man nicht mehr missen möchte“, schwärmte der Stadtbaurat. Für die Verwendung gab es damals viele Vorschläge: Bedürfnisanstalt mit darüberliegendem Wohnraum, Lesesaal, Café-Haus, Lern- und Wohnraum für Studenten, Planetarium und Ausstellungsstätte.
„Erst Abriß – dann Wiedergeburt“ titelte sechs Jahre später am 28. Januar 1972 das Göttinger Tageblatt. Der Antiquitätenhändler Siegfried Bohm war in die Bresche gesprungen. Er übernahm das Haus für eine Galerie und erhielt für Abriss und Wiederaufbau einen Zuschuss von 250 000 Mark von der Stadt. „Verfaultes Holz und Feuchtigkeit im Mauerwerk schließen eine Restauration allein schon aus bautechnischen Gründen aus“, heißt es in dem Bericht. Relief und Ballustrade sollten gerettet werden.
Am 24. März meldete das Tageblatt „Eine Kosmetikkur für das Relief“: Das Schwanenmuster sei von einem Stuckateur abgetragen worden. Das klassizistische Badehaus werde jetzt abgerissen und andernorts wieder ausfgebaut. Am 19. März 1974 war es dann soweit: „Rohns’sches Badehaus mit neuem Inneren nun Galerie“, lautete die Schlagzeile eines Tageblatt-Berichtes. Nach 20 Monaten Bauzeit hatte Bohm den markanten Neubau im Zuge eines Empfanges vorgestellt.
Nach wie vor ist die Familie Bohm Pächter des Badehauses, das zwischen Albanikirchhof und Hainholzweg im Cheltenhampark steht. Derzeit ist eine neue Nutzung des Bauwerks angedacht, die bereits 1966 im Gespräch war. Es gibt Planungen für den Einzug eines gastronomischen Betriebes (Tageblatt berichtete). Bislang steht das Vorhaben allerdings noch in der Schwebe.
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