Göttingen. „Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Göttingen bis in die 60er Jahre hinein eine große Bedeutung als Filmstadt“, sagt Ernst Böhme, Leiter des Göttinger Stadtarchivs. Bis Ende dieses Jahres ist dort eine Ausstellung über das Wirken des Göttinger Filmateliers zu sehen mit mehr als 60 Original-Filmplakaten und 20 Informationstafeln. „Diese Exponate in die Hände zu bekommen, ist gar nicht so einfach“, macht Böhme deutlich. „Bis zum vergangenen Jahr besaß das Stadtarchiv nicht ein einziges Göttinger Filmplakat.“
Das habe simple Gründe, erläutert der 55-Jährige. In den 50er Jahren wurden Filmplakate nur in kleinen Auflagen gedruckt, weil die Herstellung aufwendig und teuer war. Nicht selten mussten die Kinobetreiber die Plakate mit den geliehenen Filmen an die Verleihfirmen zurückgeben. Auch das Göttinger Stadtarchiv bekam die Ausstellungsstücke nur geliehen. Private Sammler stellten die Filmplakate für die Ausstellung zur Verfügung und das Kulturarchiv Hannover die Informationstafeln.
Viele Göttinger, die bei der Ausstellungseröffnung in dieser Woche dabei waren, können sich noch an die Zeit erinnern, als in Göttingen Spielfilme gedreht wurden. „Bis zu zehn Mark haben Laien für eine kleine Rolle bekommen“, erzählt Gudrun Bockemühl. „Das war damals fast ein Wochenlohn“, macht die 70-Jährige deutlich. „Das war also was ganz Besonderes, und oft konnte man am Set auch noch richtige Berühmtheiten treffen.“ Diese werden nun noch einmal lebendig. Beginnend im Flur mit „Liebe 47“ geht die Ausstellung durch den Garderobenraum, den Flur hinab und endet im Vortragsraum. „Wir haben eine Diashow mit rund 2000 Fotos vorbereitet, die bei den Dreharbeiten gemacht wurden“, erzählt Oliver Schröer. Der Bibliothekar des Stadtarchivs muss allerdings zugeben, dass es schwierig sei, alle Bilder anzuschauen. „Jedes Foto wird etwa zehn Sekunden lang gezeigt. Wer alle Bilder sehen will, muss also etwa vier Tage hierbleiben.“
Theoretisch ist das kein Problem. Denn die Ausstellung ist noch bis Ende des Jahres im Stadtarchiv zu sehen: werktags von 8 bis 15.30 Uhr, donnerstags bis 18, freitags bis 13 Uhr.
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