Göttingen. „Es gab etwa zehn Mann, die sich mit dem Regeln des Verkehrs abgewechselt haben“, sagt die Göttingerin, „aber mein Vater hat das Stöckchen einfach am flottesten geschwungen“. So flott, dass Heinz Erhardt ihn gern für seinen Film „Natürlich die Autofahrer“ verpflichtet hätte. Doch daraus wurde nichts, denn die Göttinger Polizei untersagte Hölger den Auftritt mit dem Argument, er sei schließlich Polizist und kein Schauspieler. Dabei sei ihr Vater ein „Heinz-Erhardt-Typ“ gewesen, so Hölger, kräftig und fröhlich.
Sehr sportlich sei Hölger ebenfalls gewesen. Er durchschwamm den Wörthersee in acht Stunden und plante, durch den Ärmelkanal zu schwimmen. Leider machte ihm seine Gesundheit bei diesem Vorhaben einen Strick durch die Rechnung. Die Illustrierte, in der von Hölgers Wörthersee-Durchquerung berichtet wurde, hütet Scholz heute wie einen Schatz.
Die Familie kam 1947 aus Königsberg, heute Kaliningrad, nach Göttingen. Dort war Bruno Hölger ebenfalls Polizist. In Göttingen arbeitete er zunächst auf der Wache. „Aber es zog ihn einfach auf die Straße“, sagt Hölger. Zunächst sei er im „Peterwagen“ (heute Streifenwagen) gefahren, dann habe er den Verkehr geregelt. „Er wollte immer unter Menschen sein. Er war sehr kontaktfreudig. Das habe ich wohl von ihm geerbt,“ berichtet Scholz.
Hölgers Kontaktfreude sorgte wahrscheinlich auch dafür, dass es sich viele Göttinger nicht nehmen ließen, „ihrem“ Verkehrspolizisten zu Weihnachten kleine Geschenke auf den Sockel, von dem aus er oft den Verkehr regelte, zu legen. „Da bekam er schon mehr als seine Kollegen“, erinnert sich Scholz. Behalten habe er die Gaben aber natürlich nicht.
Sie selbst hatte kein großes Interesse am Beruf ihres Vaters, hätte nicht im Traum daran gedacht, in seine Fußstapfen zu treten. Man habe als Polizistenkind zwar gewisse Vorteile gehabt, aber Geschichten aus seinem Berufsleben hätten sie nicht sehr interessiert. Zu Hause sei ihr Vater kein Polizist gewesen, sondern sehr liebevoll – „der beste Vater der Welt“. Umso mehr berührte es sie, als ihr Vater 1991 starb und sie eine Kondolenzkarte erhielt, auf die der Absender geschrieben hatte: „Ihr Vater gehörte zu Göttingen wie das Gänseliesel.“
Für die Geschichtswerkstatt „Göttinger Zeitreise“ des Tageblattes, des Stadtarchivs und Städtischen Museums Göttingen werden noch Filmaufnahmen aus den 70er Jahren und folgenden Jahrzehnten gesucht. Infos unter Telefon 05 51 / 90 17 66, per E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de.
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