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Bundespräsident kommt zur Beerdigung

Wissenschaft verliert einen ihrer besten Physiker


Er ist Nobelpreisträger der Physik und wirkte als Professor von 1921 bis 1933 an der Georg-August-Universität in Göttingen, damals einer der weltweit führenden Standorte für Atomphysik. Er arbeite mit den größten Physikern der Geschichte zusammen, war ein Freund Albert Einsteins. Bei ihm studierten Nobelpreisträger wie Werner Heisenberg, J. Robert Oppenheimer oder Maria Goeppert-Mayer: Max Born starb am 5. Januar 1970, sein Grab befindet sich im Nobel-Rondell auf dem Göttinger Stadtfriedhof.

Franckfeier 1923 in Göttingen: Max Reich, Max Born, James Franck und Robert W. Pohl (v.l.)

© Hund

Göttingen. Born, geboren 1882 in Breslau, gehörte zu den führenden Physikern beim Übergang von der klassischen zur modernen Physik. Seine akademische Karriere begann er jedoch mit einem Studium der Rechtswissenschaften und Moralphilosophie, bevor er Mathematik, Astronomie und Physik studierte.

Auf dem physikalischen Gebiet wirkte Born mit an der Durchsetzung der Relativitätstheorie, am Aufbau der Festkörperphysik und  an der Begründung der Quantenmechanik. Zusammen mit Walter Bothe erhielt er 1955 „…für seine grundlegenden Forschungen in der Quantenmechanik, besonders für seine statische Interpretation der Wellenfunktion“, wie die Nobelpreis-Jury urteilte, den Nobelpreis für Physik.

Mit James Franck, beide forschten ab 1921 in Göttingen,  etablierte er Göttingen als Atomphysik-Standort. Born erforschte auf der Grundlage eines Heisenberg-Ansatzes zusammen mit Pascual Jordan und Heisenberg in der „Drei-Männer-Arbeit“ die geschlossene mathematische Theorie der Quantenmechanik (Göttinger Matrizenmechanik).

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde Max Born wegen seiner jüdischen Vorfahren und seiner pazifistischen Einstellung zwangsbeurlaubt. Er emigrierte nach England und nahm 1934 eine Professur in Cambridge an. Ab 1936 lehrte und forschte er an der Universität von Edinburgh. Erst 1953 kehrte er nach Deutschland zurück, wo ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Göttingen verliehen wurde. Born wurde 1959 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband geehrt.

Er gehört, wie  Otto Hahn, Carl Friedrich von Weizsäcker, Werner Heisenberg und 15 weitere renommierte Wissenschaftler, zu den Unterzeichnern  der „Göttinger Erklärung“. Darin sprachen sie sich gegen die deutsche Beteiligung an Bau und Nutzung von Atomwaffen aus.
„Göttingen war seine wissenschaftliche Heimat“, titelte das Göttinger Tageblatt 1970 anlässlich der Beerdigung Borns, zu der unter anderem Bundespräsident Gustav Heinemann und Born-Schüler Heisenberg anreisten.  „Born zog begabte junge Theoretiker nach Göttingen, er fesselte sie, indem er sie skeptisch machte gegen bestehende Theorien und ihnen das Bewusstsein vermittelte, das gerade in der Atomphysik noch viel Arbeit zu leisten war“, sagte Heisenberg auf der Beerdigung. Heinemann unterstrich, schrieb das Tageblatt am 5. Januar 1970,  dass die Wissenschaft mit Born den geistigen Vater einer ganzen Physiker-Generation verliere.

Für die 70er Jahre soll es einen vom Tageblatt produzierten Film geben. Dafür werden private Videos, aber auch Materialien aus Verbands-, Vereins- oder Firmenarchiven gesucht. Telefonisch ist der Kontakt unter 05 51 / 90 17 66, per E-Mail unter redaktion@goettinger-tageblatt.de möglich.

Von Michael Kerzel

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