Die SMD versteht sich als Netzwerk von Christen in Schule, Hochschule und Beruf. Nach Angaben der Organisation gibt es an 70 Hochschulen Gruppen, die evangelistische Aktionen organisieren. Darüber hinaus existieren auch Schüler-Bibelkreise, in Göttingen beispielsweise am Felix-Klein-Gymnasium.
In den Richtlinien für Mitarbeiter und Freunde definiert der SMD als Ziel seiner Arbeit: „Durch persönliches und gemeinsames Bezeugen des Evangeliums Schüler, Studierende und Akademiker zur Begegnung mit Jesus Christus zu bringen, damit sie errettet werden; uns gegenseitig zu helfen, unser ganzes Leben von Jesus Christus her zu gestalten und uns zum Gehorsam gegen Gott und sein Wort anzuhalten, damit wir im Glauben als lebendige Glieder seiner Gemeinde wachsen.“ Zu den Glaubensinhalten heißt es: „Seit dem Sündenfall sind alle Menschen der Sünde und Schuld vor Gott verfallen und darum seinem Zorn und der Verdammnis unterworfen.“ Nur der Opfertod Christi bringe Erlösung und „die Befreiung von der verderbenden Herrschaft der Sünde“. Die Heilige Schrift „ist von Gott eingegeben und völlig vertrauenswürdig“.
Wer diese Richtlinien unterschreibe, könne Mitarbeiter der SMD werden, erläutern Medizinstudentin Sonja Schwarm und Frédéric Weiß, der Biologie und Geschichte für das Lehramt an Gymnasien studiert. Die beiden sind aus dem Mitarbeiterkreis der Göttinger Gruppe als derzeitige Leiter gewählt worden. Es gebe etwa 15 Mitarbeiter. Zu den regelmäßigen Treffen in der Baptistengemeinde kämen bis zu 30 Gläubige. Darüber hinaus gibt es Kleingruppen-Treffen und besondere Veranstaltungen wie Semesteranfangsandachten oder Freizeiten. Und wenn der SMD einen Vortrag über den Völkermord in Ruanda 1994 und über ein Hilfsprojekt für Überlebende organisiert, kommen auch mehr als 100 Besucher in den Uni-Hörsaal.
Die SMD-Mitglieder kommen aus unterschiedlichen christlichen Gemeinden und Konfessionen, denen sie auch weiter angehören. Die meisten gehören zu lutherischen Gemeinden, zu den Baptisten oder zur Freien evangelischen Gemeinde, so Schwarm und Weiß. Das Verhältnis zu den Kirchen vor Ort soll sich im Sinne der Evangelischen Allianz gestalten, heißt es in den Richtlinien. Die SMD ist Mitglied im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Beim SMD gehe es um den Austausch mit anderen christlichen Studenten und darum, den Glauben in der Situation des Studiums zu leben, erklären die beiden Leiter. Es gehe außerdem um die Frage, wie Wissenschaft und Religion zusammenpassen, so Schwarm, die vor einiger Zeit ehrenamtlich zwei Monate lang an Bord des Krankenhausschiffes Africa Mercy gearbeitet hat.
Bisweilen wird der SMD als evangelikal eingestuft. Für Weiß und Schwarm ist der gemeinsame Glaube an Jesus entscheidend. Die inhaltliche Ausgestaltung der Gruppe hänge stark von einzelnen Leuten ab, die Fluktuation sei hoch und die Mitglieder seien sehr unterschiedlich geprägt. Das freie Gebet stelle einen Unterschied zur Landeskirche dar. Und Schwarm wurde einmal bei einem Mitarbeitertreffen erläutert, dass es im SMD nicht gern gesehen sei, wenn Mitarbeiter vor der Ehe zusammenziehen.
Es gebe Schnittstellen zwischen der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) und der SMD durch Personen, die Veranstaltungen von beiden Gruppierungen besuchten, sagt Pastor Carsten Mork von der ESG. Man mache zwar keine gemeinsamen Veranstaltungen, aber es gebe ein entspanntes Verhältnis zueinander. Gegenüber einer Kategorisierung der SMD als evangelikal ist Mork vorsichtig. Es gebe eben unterschiedliche Frömmigkeitsstile. Wichtiger als eine Polarisierung sei eine gegenseitige Begegnung.
Auch zwischen Katholischer Hochschulgemeinde (KHG) und SMD gebe es kaum Beziehungen, so KHG-Leiter Peter-Paul König. Beide Einrichtungen liefen nebeneinander her. Es gebe Studenten, die Veranstaltungen beider Organisationen besuchten. Bei einer Bundestagung katholischer Hochschulseelsorger habe er einige Vorbehalten gegenüber einzelnen SMD-Gruppen gehört, bei denen eine fundamentalistische Tendenz gesehen worden sei, so König. Über die Ausrichtung der Göttinger Gruppe könne er aber keine Aussage treffen.
Goettinger-Tageblatt.de Anmeldung
Kommentare
Studentenmission in Göttingen Prof. a. D. Dr. Hermann Sautter – 23.07.10
Dass sich eine studentische Gruppierung offen zur christlichen Mission bekennt, ist in der Tat außergewöhnlich. Angesichts der massiven Vorurteile und Missverständnisse, die sich mit diesem Begriff verbinden, gehen christliche Kirchen "heute eher spärlich und vorsichtig" damit um, wie es in dem Artikel des Tageblatts heißt. Aber die Sache, um die es hier geht, ist auch den Kirchen nicht fremd. Keine christliche Bekenntnisschrift lässt einen Zweifel daran aufkommen, dass ihre zentralen Aussagen von universeller Bedeutung sind. Sie laden Menschen aller Kulturen, Völker, Weltanschauungen usw. dazu ein, ihr Vertrauen auf den Dreieinigen Gott zu setzen, der in der Person des Jesus von Nazareth auf einzigartige Weise in Erscheinung getreten ist. Nichts anderes als die Weitergabe dieser Einladung meint "Mission" im ursprünglichen Sinne. Sie gehört untrennbar zum Selbstverständnis einer christlichen Kirche, auch wenn diese nicht - oder nur "spärlich und vorsichtig" - davon spricht. Dass diese Vorsicht in der Wortwahl mit einer Selbstbeschränkung im Handeln einhergehen kann, ist schwer zu bestreiten, und dass darunter die Dynamik einer Kirche leidet, dürfte ebenfalls außer Zweifel stehen.Nicht von ungeführ bekannte sich deshalb die "Evangelische Kirche in Deutschland" (EKD) in ihrer "Kundgebung" zur Synode in Leipzig 1999 zum "missionarischen Auftrag der Kirche an der Schwelle zum 3. Jahrtausend". Die "Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen" (ACM)bekräftigt dies, wenn sie in einer Schrift des gleichen Jahres vom "Aufbruch zu einer missionarischen Ökumene" spricht.Wenn sich also eine studentische Gruppierung offen zur Mission bekennt, betreibt sie keine "evangelikale" Verengung des Glaubens. Das wird man ihr auch nicht vorwerfen können, wenn sie - wie es in ihren Richtlinien heißt - Schülern, Studierenden und Akademikern dazu verhelfen will, ihr "ganzes Leben von Jesus Christus her zu gestalten". Dass Schüler, Studierende und Akademiker dann in mancher Hinsicht anders leben, als es die vorherrschenden gesellschaftlichen Konventionen wollen, ist durchaus ein gesellschaftlicher Gewinn. Eine Sexualmoral, die einen libertären Gruppenzwang nicht mitmacht, trägt beispielsweise zu verlässlichen Familienstrukturen bei und stärkt damit das "Sozialkapital" einer Gesellschaft. Eine moralische Sensibliltät, die durch den "Gehorsam gegen Gott und sein Wort" (eine andere Formulierung in den Richtlinien) geweckt wird, schärft das Bewusstsein für ethisch-ökonomische Konflikte und stärkt den Willen für ein ethisch akzeptables Verhalten. Wenn die Leiterin der örtlichen SMD-Gruppe 2 Monatre ehrenamtlich an Bord eines Krankenhausschiffes in Afrika mitgearbeitet hat, und wenn ihre Gruppe eine Vortragsveranstaltung über den Völkermord in Ruanda 1994 veranstaltet, dann zeigt das, dass zur "Mission" ganz selbstverständlich auch die praktische Hilfe und die Verantwortung für eine gewaltfreiere Welt gehören. Das alles hat die "Studentenmission in Deutschland" im Blick, wenn sie sich dezidiert zur christlichen Mission bekennt.
Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Kommentar schreiben
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein!