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Teil 11: Atelierbesuch bei Wolfgang Loewe

Das muss sein: „Loewe-Strich“ darf nicht fehlen

Von Michael Brakemeier

Es herrscht kreatives Chaos in Wolfgang Loewes Atelier in Lohfelden bei Kassel. Auf einem großen Arbeitstisch liegen ausgebreitet zahlreiche Porträts. Darunter Heinrich Heine und Heinz Ehrhardt, davor steht Loewe.

„Modern und spritzig“: Heinrich Heine, interpretiert von Loewe.

© MIB

Mit Zigarette im Mundwinkel und einem Kaffee in der Hand mustert er zwischen zwei Telefonaten kritisch seine erste Kohlezeichnung. Heinz Ehrhardt hat er gezeichnet. Zufrieden ist Loewe damit nicht. „Noch viel zu nah an der Vorlage“, sagt er. „Noch überlege ich beim Zeichnen zu viel.“ Sein Heinrich Heine hat es ihm hingegen auf Anhieb angetan. Ein paar „flotte“ schwarze Kohlestriche hier, ein kräftiges Rot, Blau, Grün und Orange da. Fertig. „Modern und spritzig“, findet Loewe. So könnte es weiter gehen.

Loewe ist damit beauftragt, 13 Porträts für das neue Restaurant Bullerjahn im Alten Rathaus in Göttingen anzufertigen. Einen Meter breit und fast zwei Meter hoch sollen sie werden und ab der offiziellen Eröffnung am 5. November die Wände des Gewölbekellers zieren. Die abgebildeten Personen haben eins gemein: Sie sind entweder in Göttingen geboren, haben hier gearbeitet, geforscht und gelebt.

Zu den ersten 13 Porträts gehören: Jacob und Wilhelm Grimm, Heinz Erhardt, Götz George, Rudolf Bullerjahn, Alexander von Humboldt, Barbara, Albrecht von Haller, Diez Brandi, Artur Levi, Dorothea Schlözer, Heinrich Heine, Georg Friedrich Grotefend und Carl Friedrich Gauß. Später sollen weitere folgen.

Loewe erklärt die Schwierigkeit des Auftrags: „Die Vorlagen benutzen verschiedene Techniken. Öl, Radierung, Kupferstich, Radierung. Meine Aufgabe ist es nun, diese Unterschiede in einen gleichen Strich zu übersetzen. So gesehen bin ich eine Art Übersetzer. Der Loewe-Strich muss am Ende sichtbar sein“, sagt der Maler. Wichtiger Teil seiner Übersetzungen ist es, die typischen Eigenschaften der dargestellten Personen herauszufinden und herauszuarbeiten. Bei Götz George in seiner Rolle als Kommissar Schimanski liegt es auf der Hand: „Schnäuzer und Jacke. Im Hintergrund Duisburgs Industrie.“ Bei Chanteuse Barbara sollen es rote Lippern werden.

„Das Plakative finde ich gut“, sagt der 57-jährige Loewe. Pop-Art-Künstler wie Jasper Johns, Robert Rauschenberg oder Andy Warhol sind Inspiration.Gleichzeitig ist Loewe seit seiner Jugend ein Bewunderer der Werke von Carl Spitzweg. „Ein bisschen spießig vielleicht“, räumt der gelernte Werbetechniker und ausgebildete Feng-Shui-Berater heute ein.

Loewe sieht sich als künstlerischer Dienstleister. Neben seinen eigenen Gemälden, die seit knapp 40 Jahren auch in Ausstellungen zu sehen sind, hat er in den vergangenen Jahren rund 500 Innenräume gestaltet und bemalt – unter anderem in Göttingen im Myer’s und im Shucan. Loewe weiß, es ist ein Spagat zwischen den Kundenwünschen und eigenen Vorstellungen. Man müsse sich auf eine Sprache einigen. „Verbiegen lasse ich mich aber nicht“, sagt er. Für den Auftrag für das Bullerjahn muss er das auch nicht. Loewe hat grünes Licht für seinen Heine bekommen.

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Editorial

Aus dem „Rathskeller“ ist das Restaurant „Bullerjahn“ geworden: Nach einem achtmonatigen Umbau soll im November 2010 eine neue Gaststätte in dem traditionsreichen Kellergewölbe unter dem Alten Rathaus zu Göttingen eröffnen. Seit mehr als sieben Jahrhunderten dominiert das heutige Alte Rathaus das Göttinger Stadtzentrum.

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