Als Carmen Brinkmann im Februar vergangenen Jahres in die Provinz Takeo in Kambodscha aufbricht, mag sie Reis nicht besonders. Keine gute Voraussetzung, wenn man bedenkt, dass es in Wat Opot, dem Aids-Waisenhaus, in dem sie für ein halbes Jahr leben wird, vornehmlich Reis gibt. Reis morgens, Reis mittags und Reis abends.
Wat Opot liegt etwa 50 Kilometer südlich von Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh in der „Chambat Market Area“. Die nächstgelegene Stadt ist im Süden Takeo. Es ist heiß und staubig auf dem holprigen Weg nach Wat Opot. Dort leben inzwischen etwa 70 Kinder und 25 Erwachsene, von denen 30 mit dem tödlichen HI-Virus infiziert sind. „Die Anzahl der Waisen, die in Wat Opot ankommen nimmt laufend zu“, berichtet Brinkmann.
Begonnen hat die Idee zu Wat Opot im Vietnamkrieg. Dort kämpfte der US-amerikanische Arzt Wayne Dale Matthysee, der als einziger die Schlacht von Da Nang überlebte. Der Wunsch nach Wiedergutmachung zog ihn zurück nach Südostasien. Aids war weit verbreitet: „Frauen und Mädchen, die Familie oder Ehemann verloren hatten, waren zur Sicherung ihres Überlebens gezwungen in die Prostitution zu gehen“, erklärt Brinkmann. Dass bis 2003 keine Medikamente zur Behandlung gegen Aids zur Verfügung standen, sei ein weiteres Problem gewesen. „Aufklärungsversuche gab es nur wenige.“
Besonders in den ländlichen Gebieten seien viele Menschen an den Folgen der Krankheit gestorben. Der buddhistische Tempel (Wat) Wat Opot trat einen Teil seines Landes für die Arbeit ab. Über Freunde ist Carmen Brinkmann auf das Projekt aufmerksam geworden. Nach dem Abi wollte die Göttingerin, die inzwischen in Mainz studiert, raus. Und die Umstellung war groß. „Strom gab es nur zeitweise“, ein Anschluss ans Internet sei extrem schwierig.
Wat Opot sei nicht nur ein Waisenhaus, sondern auch eine „Community“. Ganze Familien leben hier, organisieren ihren Alltag gemeinsam. Auch für das Essen wird selbst gesorgt: „Seit kurzem werden Frösche und Fische zum Verkauf auf dem Markt gezüchtet.“ Fünf Schweine ermöglichen den Familien eine eigene Zucht und damit ein Einkommen. „Aber das alles steht noch in den Anfängen und ist nicht einfach. Zur erfolgreichen Durchsetzung dieser Vorhaben braucht es noch einige Zeit und viel Geduld“, klagt Brinkmann, „bis dahin ist das Leben der Menschen in Wat Opot von Spenden abhängig.“
Die sammelt Carmen Brinkmann eifrig. Auch in Deutschland geht ihre Arbeit für das Projekt weiter. Und Reis schmeckt ihr inzwischen ganz gut, auch hier.
Von Lukas Breitenbach
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