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Bürgerhaus Bovenden

Hertel: „Sticken ist Wellness für die Seele“


Unter uns leben viele interessante Menschen. Eine von ihnen ist Barbara Hertel. Die gebürtige Witzenhäuserin stickt für ihr Leben gern. Als 62-Jährige hat sie ein Stick-Studium aufgenommen. Ihr Wissen gibt sie an Schulabgänger weiter.

„In eine Atmosphäre der Kreativität eingetaucht“: Stickerin Barbara Hertel an ihrem Arbeitsplatz.

© Pförtner

Aufrecht muss Barbara Hertel sitzen, die eine Hand über der Leinwand, die andere arbeitet von unten. Hamburg will die Stickerin im Rahmen des EU-weiten Stick-Projekts „Threads that connect us“ oder „Fäden verbinden“ darstellen. Das Riesenrad steht für den Dom. Den Michel und die neue Konzerthalle zeigt sie mit anderen Stichen und Garnen. Schon jetzt, wo noch nicht alles fertig ist, wirkt das Bild sehr plastisch. In Verbindung mit anderen bekannten Orten, soll es in einem Kreis von anderen Arbeiten die Bundesrepublik repräsentieren.

Durch ihre Mutter ist Hertel zum Sticken gekommen. In ihrer frühesten Erinnerung steht sie hinter einer Nähmaschine. Es war eine alte Singer, die ihre Mutter auf einem Schutthaufen gefunden hatte. Gespannt wartete Hertel als Mädchen darauf, dass ihre Mutter sagte: „Jetzt kannst du treten.“ Früh hatte ihre Mutter einen Stickapparat, erinnert sich Barbara Hertel an ihre Kindheit in Witzenhausen. Ihre kreative Ader habe die Mutter an sie weitergegeben. Den Handarbeitsunterricht in der Schule empfand sie hingegen eher als hinderlich. „Mädchen, wie sieht denn deine Rückseite aus“, hat sich die Älteste von drei Geschwistern in der Schule nicht nur einmal anhören müssen. Zuhause zitterte die Familie um die alte Nähmaschine, als das Mädchen einen roten Teddy-Wendemantel nach einem Muster aus der Zeitschrift „Brigitte“ nähte. Der größte Spaß für sie als Mutter war es, für ihren Sohn Pullover mit Bildern zu stricken.

Das Berufsleben führte Barbara Hertel wie ihren Mann nach Frankfurt. Dort stieß die Lehrerin auf Bärbel Zimber, die ihre Ausbildung an der Royal School auf Needlework in London absolviert hatte. „Bei Bärbel Zimber bin ich in eine Atmosphäre der Kreativität eingetaucht und nicht wieder aufgetaucht“, beschreibt sie. Nach mehreren Workshops entschloss sie sich vor zwei Jahren das Stickstudium an der International School for Textile Arts (ISTA) aufzunehmen. Um näher an den Eltern zu sein, zog die 62-Jährige in passiver Altersteilzeit mit ihrem Mann nach Göttingen. Ihr Stickstudium führt die Ansprechpartnerin Nord der Deutschen Stickgilde von hier aus fort.

Doch Hertel lernt nicht nur, sie gibt ihr Wissen auch weiter. Mit Handytaschen, die man besticken kann, hat die Studentin an der ISTA zusammen mit der Handwerkskammer Duderstadt Schulabgängern den Beruf „Textilgestalter im Handwerk, Fachrichtung Sticken“ vorgestellt. Erst seit August dieses Jahres wird der Beruf in den sechs Fachrichtungen Filzen, Klöppeln, Posamentieren, Stricken, Weben und Sticken angeboten.

Stolz ist Hertel auf ihre Werke, die für Ausstellungen ausgewählt wurden und sie wirbt für Sticken als kreativen Kontrapunkt in der heutigen schnelllebigen Zeit. „Sticken ist sehr meditativ“, sagt Hertel. „Es ist Wellness für die Seele.“

Bei der Ausstellung des Kunstkreises Bovenden mit Handwerk, Hobbyarbeiten und Kunst am Sonntag, 25. September, von 11 bis 17 Uhr im Bovender Bürgerhaus stellt Barbara Hertel ihre Arbeit vor. Einen monatlichen Sticktreff bietet sie ab Oktober im Düstere-Eichenweg 48 in Göttingen an. Das erste Treffen hat sie passend zum Reis-, Waffel- oder Ananas-Stich am Erntedank-Sonntag, 2. Oktober von 14 bis 17 Uhr geplant. Infos unter Telefon 05 51 / 50 76 63 14 oder per E-Mail.

Von Ute Lawrenz

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