Anfangs hat sich Joachim Heise nur die Frage gestellt, was er wohl machen kann, wenn es mit der Arbeit nicht mehr so geht wie er will. 42 Jahre war der 60-jährige Moringer in der Kfz-Mechanik und Karosserie-Instandsetzung angestellt tätig. Vor sieben Jahren kam er auf die Zauberei – zunächst als Hobby. Im Familienkreis begann seine Karriere als Mr. Morani, mit seiner Frau als seine Assistentin. „Langsam wurde das immer ein bisschen größer“, erinnert sich Heise. Er begann bei kleineren Festen aufzutreten, erst im Nebenberuf, seit 2009 als hauptamtlicher Zauberer. „In den vergangenen Jahren habe ich meine Programme professionell ausgearbeitet, Tier- und Feuernummern integriert.“ Zu seiner Zaubershow gehören zehn Tauben und fünf Frettchen – und natürlich ein stets herbeizauberbares Kaninchen. In seinem Garten keifen auch ein paar Kapuziner-Affen um die Wette. „Die gehören aber nicht in die Show“, erklärt Heise. Dazu wären spezielle Genehmigungen vom Amt notwendig.
Fast immer an seiner Seite: die 23 Jahre alte Ines Malade, seine Assistentin, die er wahlweise zersägt, durchbohrt oder verschwinden lässt. Dass ein Zauberer auch nicht hexen kann, zeigte vor ein paar Jahren seine Suche nach einer neuen Assistentin. Einer ansonsten ganz netten Bewerberin musste der Zauberer absagen, weil sie „so eine Maschine“ war, berichtet Heise lachend und deutet mit den Händen einen beachtlichen Körperumfang an. „Ich lasse meine Assistentin in einer Nummer auch schweben. Das geht aber nur bis zu einem gewissen Körpergewicht“, erläutert Heise. Bei Malade gibt es offensichtlich keine Probleme.
Doch: Als er seine Assistentin Ines einmal verschwinden lassen wollte, war sie, als das Zaubertuch fiel, noch gar nicht weggezaubert. „Aber so viel Applaus wie dabei, habe ich für die Nummer noch nie bekommen.“ Wichtig ist, noch einen Lacher zu holen. Und: „Live ist live.“ Auch für einen Zauberer. Wenn etwas schief läuft, heißt es weitermachen. Und das geht bei einem Saal voller Akademiker meist leichter, als in einem Saal voller Kinder. „Die sind viel mehr bei der Sache“, findet Heise. Kinder seien auch kritischer als manche Erwachsene.
Hat es eigentlich Vorteile, einmal Automechaniker gewesen zu sein? „Vielleicht“, sagt Mr. Morani, seine Fingerfertigkeit als Mechaniker helfe ihm auch in seinem neuen Beruf. Die Zauberequisiten hat Heise fast alle selbst gebaut.
Von Lukas Breitenbach
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