Göttingen. Zur Begrüßung gibt es von den Kindern der Klasse 4a der Albanischule erst einmal ein Ratespiel für den Besuch vom Tageblatt: Mit ihren aufgeschlagenen Zeitungen stellen sie verschiedene Lesertypen dar. Mehrere feine Damen finden sich da in die Lektüre vertieft, ein Vater am Frühstückstisch, der Student beim Durchstöbern der Kleinanzeigen und ältere Damen und Herren, die die Zeitung weiter weg halten müssen, um sie lesen zu können. Genug geraten, jetzt prasseln Fragen nieder: Muss man als Redakteurin die Zeitung jeden Tag lesen? Na klar, macht doch auch Spaß, und außerdem muss man ja wissen, was die Kollegen schreiben. In welchem Ressort arbeiten die meisten Redakteure? Beim Tageblatt in der Abteilung Lokales. Von großem Interesse sind auch die Verdienstmöglichkeiten von Redakteurin und Fotograf, die Chancen mal ins Ausland zu kommen und ob man für diesen Beruf studiert haben muss. Muss man nicht, die meisten Redakteure haben aber ein Studium abgeschlossen.
Die Klasse 4b der Albanischule will es genau wissen: Wer ist eigentlich dein Chef in der Redaktion? Die Antwort auf diese Frage finden die Viertklässler nach einer kurzen Erklärung selber. Sie steht nämlich im Impressum, das in jeder Tageblatt-Ausgabe an der gleichen Stelle platziert ist – auf der zweiten Lokalseite rechts unten. „Chefredakteurin Ilse Stein“ liest Levin vor. Lehrerin Uschi Strüning hakt nach: „Was bedeutet Impressum?“ Das Wort kommt aus dem Lateinischen und heißt „Hineingedrücktes“ oder „Aufgedrücktes“. Es ist eine gesetzlich vorgeschriebene Angabe in Publikationen, in der die für den Inhalt Verantwortlichen benannt werden. Auf die Idee, selber einmal eine Schülerzeitung zu machen, kommen die Schüler der 4b zum Abschluss auch. Schließlich bekommt jeder von ihnen schon mal einen Presseausweis für die gute Mitarbeit während des Zeitungsprojektes.
Das erleben die Tageblatt-Redakteure bei ihren Besuchen auch selten: Konkurrenz in Klassenstärke. Tolle eigene Berichte und Geschichten haben die Kinder aus der Klasse 4c der Albanischule zu Fotos geschrieben, die in den vergangenen Tagen im Göttinger Tageblatt erschienen waren. Bei Tina werden darin tanzende Schauspieler des Deutschen Theaters zu betrunkenen Randalierern. Und Leonie berichtet über ein Reitturnier, vor dem alle Pferde an Ehec erkrankt waren und als Ersatz überraschend Hunde über die Hindernisse springen. Vorlage ist ein Foto zu einem Artikel über eine Hundeveranstaltung.
Ganz genau hat die 4c eine Woche lang das Tageblatt untersucht. Die Kinder haben Wörter und Bilder sortiert, ein Zeitungs-Abc zusammengestellt und alles in Zeitungstagebüchern festgehalten. Und natürlich haben sie viele Fragen zusammengetragen. Zum Beispiel: Was sind das für bunte Punkte am Fuß jeder Seite? Damit kontrollieren die Drucker, ob die Druckplatten für die verschiedenen Farben richtig in die Maschine eingespannt sind. „Ist es schwer für Journalisten, an Infos zu kommen“, will Theo wissen. Manchmal schon, wenn zum Beispiel Politiker ungestört etwas entscheiden wollen, was vielen nicht gefallen wird. Und dann hat die 4c von Lehrerin Frauke Ogon eine Frage, die der Redakteur nicht sofort beantworten kann: Woher kommt das Wort „Zeitung“? Hier die Antwort: Der Begriff ist vermutlich vom Wort „zidunge“ abgeleitet. Es bezeichnete vor 700 Jahren im Raum Köln die „Kunde oder Nachricht“.
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