Was haben der getötete Terrorist Osama bin Laden, der 2,13 Meter große Basketballer Dirk Nowitzki und Fußballerinnen aus Australien gemeinsam? Es sind drei Themen, die die Schüler der Klasse 4b der Carl-Friedrich-Gauss-Schule am meisten interessieren. Zumindest wenn es darum geht, die spannendsten Geschichten aus der Tageblatt-Donnerstagsausgabe auszuwählen. Wie jeden Morgen während der Tageblatt-Aktion „Zeitung in der Schule“ stellen die Schüler von Lehrerin Stefanie Bachmann ihre Lieblingsthemen der gesamten Klasse vor und erklären auch gleich, warum sie sich für welchen Artikel entschieden haben. Gleich acht Jungen haben die kuriose Geschichte vom Schatzsucher, der bin Laden auf dem Meeresgrund finden will, ausgewählt. Nach der best-of-Runde wird viel diskutiert: Über Recycling-Papier, Druckerschwärze an den Händen und Konkurrenz im Mediengeschäft. Celyn vermutet, dass das Göttinger Tageblatt und die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) Konkurrenten sind. Sie hatRecht. Für eine Zeitung ist es immer wichtig, spannende Geschichten früher zu veröffentlichen, als es benachbarte Zeitungshäuser tun. Denn die Zeitung mit den aktuellsten Nachrichten wird schließlich lieber gelesen.
Auch in der Klasse 4c der Carl-Friedrich-Gauss-Schule wird seit eineinhalb Wochen das Tageblatt gelesen. Für die meisten der 19 Schüler von Monika Grothe ist das nichts Neues. In ihren Familien liegt morgens die Tageszeitung auf dem Tisch. Gut sind die Viertklässler vorbereitet, haben sich interessante Fragen für die Redakteure überlegt und Zeitungskleidung gebastelt. Nicos Tageblatt-Hose ist der Knüller – tolle Passform, Hosenträger, echt schick. Zwei Stunden hat er an seinem Outfit gebastelt. Die kreative Nutzung des Papiers ist auch eine Antwort auf die Frage von Kimberly: „Warum ist die Zeitung eigentlich nicht gebunden?“ Na ja, wie sollte das gehen, wenn Vater den Sportteil, Mutter die Familienanzeigen und Kimberley die Kinderseite lesen will? Gebunden werden die Tageblätter erst am Ende eines Jahres, wenn die Jahresbände für das Archiv gefertigt werden.
Auch bei den Kindern aus der Klasse 4L der Grundschule Lenglern wird die Zeitung zuhause oft von mehreren Familienmitgliedern gelesen. Da können sie nachvollziehen, warum das Tageblatt etwa 117 000 Leser hat, obwohl ja täglich nur 45 000 Zeitungen gedruckt werden – und das ist auch schon eine ganz schön große Zahl. Der Sportteil und die „Welt im Spiegel“ sind darin die liebsten Seiten der Lenglerner Schüler. Am wichtigsten fanden sie in den vergangenen Tagen bei der täglichen Zeitungsrunde mit ihrer Lehrerin Annegret Engelhardt aber die Berichte über die Ehec-Epidemie und eine ertrunkene Mutter in einem Freibad. „Das war grausam“, sagt Vicky. Trotzdem findet sie es ebenso wie Lukas richtig, dass so etwas in der Zeitung steht. Die Klasse hat aber auch klare Vorstellungen, worüber noch berichtet werden sollte: Nämlich über ihren Klassenrat. Der diskutiert einmal in der Woche ganz eigenständig über Probleme und Wünsche in der Klasse. Damit es dabei nicht durcheinander geht, gibt es einen Leiter, einen Assistenten, einen Regelwächter und einen Protokollanten, erklärt Christina. Von ihrem Gast wollen die Kinder aber erst einmal noch mehr erfahren – wie eine Zeitung gemacht wird und wie Journalisten arbeiten: „Müssen Sie nach Afrika fahren, wenn da was passiert?“, fragt zum Beispiel Nele. Nein, aus fernen Ländern berichten überwiegend Journalisten von Agenturen. Andere Kinder interessiert, ob man studieren muss, um Journalist zu werden? Man muss nicht, aber die meisten Verlage erwarten es doch.
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