Die Schüler der Klasse 4c der Godehardschule in der Albrecht-von-Haller-Straße setzen Prioritäten. Sie haben für das Zeitungsprojekt Göttinger-Tageblatt-Seiten an die Tafel gezeichnet – ausschließlich Sport und Todesanzeigen. Aber auch bei den Fragen an die Journalisten haben sich die Jungen und Mädchen der 4c von Katharina Priemer spezialisiert. Sie interessieren sich besonders für das Berufsbild des Journalisten und des Fotografen. Macht die Arbeit Spaß? Und warum macht sie Spaß? Wie viele Termine muss ein Redakteur täglich wahrnehmen?
Was das unvergesslichste Erlebnis war, will Berenike wissen. Vielleicht der spontane Flug mit dem Hubschrauber nach Hildesheim. Und ein Nachtrag fällt mir noch ein: Dass Ulrich Wickert einmal aus meinem Artikel in den Tagesthemen zitiert hat, war auch nicht unspektakulär. Ob der Fotograf im Gerichtssaal auch schon mal Angst vor den Straftätern hat, fragt Annie. Nein, eigentlich fühle er sich dort bei so viel Polizei sehr sicher, sagt Alciro Theodoro da Silva.
Die Klasse 4a der VGS Gieboldehausen hat ihre Hausaufgaben gemacht: Lange Fragen-Listen haben einige Schüler vor sich und haken schon beim Anschauen der Tageblatt-Filme eifrig ab. Trotzdem bleibt noch Arbeit für die Redakteurin. Es taucht auch die Frage nach dem Verdienst eines Zeitungsausträgers auf. Schulterzucken nicht nur bei mir. Auch der Mitschüler, dessen Mutter in Wollbrandshausen sechsmal pro Woche das Tageblatt austrägt, kann nicht weiterhelfen. „Ich weiß doch nicht, was meine Mutter dafür bekommt. Sie ist manchmal jedenfalls ziemlich lange unterwegs.“ Die Frage nach dem Gewicht einer Ausgabe kann auch nicht abschließend beantwortet werden: Lehrerin Christa Bergener ist praktisch veranlagt: „Nehmt sie mit und legt sie zu Hause auf eine Waage.“
Sport ist in der Klasse 4b in Gieboldehausen ein wichtiges Thema. Tim spielt selbst Fußball und war auch schon öfters in der Zeitung. Er vergleicht sowohl die Bundesliga-Tabellen als auch die regionalen Fußballergebnisse. Aber auch die überregionalen Ereignisse faszinieren die Schüler. Emilie verfolgt in der Spalte „Namen und Nachrichten“ die Erfolge und Eskapaden der Promis, und Anne Sophie findet die Geschichte über einen Mörder spannend und gruselig. Wie solche Geschichten sortiert werden und rein technisch in die Zeitung gelangen, lässt sich anhand der mitgebrachten Druckplatten beschreiben. Als die Kinder die Platten selbst in die Hand nehmen dürfen, kommt die Feststellung: „Die machen ja Musik!“ Tatsächlich: Bei leichter Bewegung der Aluminiumplatten entstehen „singende“ Geräusche.
Die Klasse 4c in Gieboldehausen beeindruckt durch Kreativität: In der großen Pause verwandelt sich der Mittelgang des Klassenraums spontan in einen Laufsteg, vor der Tafel ist der Backstage-Bereich. „Schneiderin“ Johanna heftet mit Tesa schnell die Röcke der „Models“ zusammen, Hut und Schal sitzen schon, und „Designerin“ Alina entwirft kurz die passenden Ohrringe – einziges Material ist das Tageblatt. Die vom Pausenfußball heimkehrenden Jungs sind erst irritiert, aber ein paar Sekunden später selbst neu „eingekleidet“. Doch auch mit „Fangfragen“ zum Thema Tageblatt lassen sich die Schüler nicht aus dem Konzept bringen. Bei einem Spiel an der Tafel sortieren sie ohne weitere Aufforderung die Texte in die richtigen Rubriken. „Macht die Arbeit beim Tageblatt Spaß?“, will Alina schließlich wissen. Klar, besonders bei den Schulbesuchen.
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