Navigation:
eShop Online-ServiceCenter
Zeitung in der Schule

„Wir verfolgen Stars nicht bis unter die Dusche“


1192 Viertklässler aus 32 Schulen der Region beteiligen sich an der Tageblatt-Aktion „Zeitung in der Grundschule“. Corinna Berghahn und Hanne-Dore Schumacher waren zu Besuch in der Adolf-Reichwein-Schule in Göttingen, Claudia Nachtwey und Eida Koheil in der St.-Georg-Schule Nesselröden.

Komplett mit Hut, Tasche und Schuhen: Lea aus der Klasse 4 b der Adolf-Reichwein-Schule hat sich neu eingekleidet.

© Vetter

Hast Du schon mal einen Prominenten interviewt?“ Leslie aus der 4 b der St.-Georg-Schule in Nesselröden möchte das von Tageblatt-Mitarbeiterin Eida Koheil wissen. Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn was für eine Redakteurin Prominenz bedeutet, muss eine Zehnjährige noch lange nicht interessieren. Mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder oder Siegfried Jähn, dem ersten Deutschen im All, kann man bei der Schülerin jedenfalls nicht Punkten. Viele Fragen haben sich die 16 Schüler der Klasse von Diana Kewitz überlegt.

Nicola will wissen, ob es eine Zeitung für Blinde gibt, Bennet fragt: „Bist Du schon mal nachts losgegangen?“, und Julika möchte erfahren, wie viele Zeitungen in Niedersachsen gedruckt werden. Alex interessiert sich auch für die Entstehung der Beiträge. „Wer denkt sich die Fragen und Antworten für die Interviews aus?“ Einen Grundsatz fürs Zeitung machen hat sie in jedem Fall schon begriffen: „Kurz ist gut.“ Die etwas ausschweifende Erklärung der Redakteurin unterbricht sie dann auch ganz beherzt mit den Worten: „Das reicht als Antwort.“

Eigene Schülerzeitung

Auf großes Interesse stößt der Besuch des Tageblatts bei den Schülern der Klasse 4 a an der Grundschule Nesselröden. Immerhin ist man unter Anleitung von Lehrerin Isabel Granzow gerade dabei, eine eigene Schülerzeitung zum Abschluss der Grundschulzeit zu „verlegen“. Fachbegriffe wie Rubriken und Ressorts sind längst bekannt, die Fragen gehen gleich ans Eingemachte.

„Woher kommen die Informationen aus anderen Ländern?“, will Maren wissen. Das ist noch zu beantworten: Auslandsmeldungen bekommt man von den jeweiligen Presseagenturen. Bei Lasses Frage nach dem Gewicht der Tageblatt-Ausgabe ist allerdings nur der Schätzwert möglich – vielleicht so 100 bis 150 Gramm? Beim anschließenden Überprüfen in der Duderstädter Postagentur wird das Geheimnis gelüftet: Die Mittwochausgabe ohne Beilagen wiegt genau 110 Gramm. Lieblingsseiten haben die Schüler ebenfalls im Tageblatt gefunden. Dabei hat das Magazin sogar dem Sportteil den Rang abgelaufen, „wegen der Sudokus und der Kino-Infos“. Auch die Ölkatastrophe und die Bombe in Göttingen zählen zu den spektakulärsten Nachrichten beim Schülervoting.

Lesen oder einkleiden

Was kann man mit einer Zeitung alles machen? Lesen, natürlich. Man kann damit aber auch überleben. Die 21 Schüler der Klasse 4 c der Adolf-Reichwein-Schule haben aus alten Tageblättern Kleidung, Taschen, Schuhe, Hüte und Spielzeug gefaltet. Lea erklärt die Aufgabe: „Du lebst im Wald, hast nichts an und musst in die Stadt.“ Bevor sie sich dieser Arbeit mit viel Spaß widmen, haben sich die Schüler von Susanne Gulyás gut auf den Tageblatt-Besuch vorbereitet.
Mareike will wissen, warum man Redakteurin wird und erfährt, dass ihre Lehrerin schon bei der Nordseezeitung gearbeitet hat, bevor sie sich überhaupt für das Lehramt entschied. Bei Redakteurin Hanne-Dore Schumacher war es genau umgekehrt – erst Schule, dann Zeitung.

„Müssen Redakteure auch raus, wenn es richtig gefährlich wird, etwa bei einem Tornado?“ will Adelina wissen. Das müsse im Zweifelsfall jeder für sich entscheiden, antwortet Tageblatt-Fotograf Jan Vetter und betont: „Ich bin schon ganz schön mutig.“ Vetter stellt aber auch auf Lisas Frage nach sensationsgierigen Fotografen (Paparazzi) klar: „Wir verfolgen Stars nicht bis unter die Dusche.“ „Wann schlafen Redakteure eigentlich?“ lautet eine letzte Frage („Im Normalfall in der Nacht“), bevor die 4 c ihr derzeit angesagtes Urlaubslied lautstark zum Besten gibt: „Ferienzeit, das ist die beste Zeit ...“ (Melodie: „Life is Life“ von Opus).

Metallene Buchstaben

Niklas ist ein Druckexperte. Nicht nur, dass er seinen 16 Klassenkameraden der 4 a in der Adolf-Reichwein-Schule das Bleidruckverfahren erklären kann, dass auf beweglichen metallenen Buchstaben basiert – er weiß auch über den heute von Zeitungen am häufigsten genutzten Offsetdruck Bescheid. „Zuerst wird mit der Druckplatte auf ein Gummiablage gedruckt und dann auf Papier.“ Vollkommen richtig. Deshalb sind die Bilder und Texte auf der Platte auch nicht spiegelverkehrt.

Doch dass jede Seite viermal bedruckt wird – jeweils mit den Farben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz – und pro Seite jeweils vier Druckplatten aus Aluminium angefertigt werden müssen, beeindruckt ihn dann schon. Denn das bedeutet, für eine Ausgabe mit 32 Seiten werden 128 Druckplatten hergestellt, die nach der Benutzung wieder verwertet werden. „Müsst ihr die Leute, die ihr fotografiert, eigentlich vorher fragen?“, möchte Malin wissen. „Kommt darauf an, wen ich fotografiere“, erklärt Fotograf Vetter. Angela Merkel müsse sich das beispielsweise öfters gefallen lassen, weil sie als Bundeskanzlerin eine sogenannte „Person des öffentlichen Lebens“ ist. „Wenn ihr oder eure Eltern nicht wollen, dass ich euch fotografiere, lasse ich es auch“, verspricht Vetter. Doch die Eltern haben Fotos erlaubt – und kamerascheu ist in der Klasse niemand.

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Anzeige

Die Tageblatt-Apps

Das Tageblatt gibt es für das iPhone, das iPad und Android-Endgeräte. Hier erfahren Sie, wie Sie sich die Apps herunterladen können.



Top