Bedroht und sehr scheu: Wildkatzen erobern langsam den Harz und den Göttinger Wald.
Die Pläne sind weit gereift. Wenn noch ein paar Formfragen mit dem Landkreis Göttingen geklärt sind, will die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr die Grünbrücke am Roringer Berg schon im nächsten Jahr bauen. Finanziert wird sie aus dem Konjunkturpaket II. Sie soll vor allem die seltene Wildkatze retten, aber auch Wildunfälle mit größeren Tieren verhindern. Nach unbestätigten Informationen wertet die Straßenbaubehörde das Projekt zudem als Bonbon für Gegner einer geplanten Umgehungsstraße bei Waake.
Für Autofahrer unterscheidet sich eine Grünbrücke kaum von anderen Brücken und in Österreich, Holland oder Frankreich gibt es schon viele davon. Das Prinzip: Damit Tiere heil über eine viel befahrene Straße überqueren können, wird eine breite Brücke gebaut und bepflanzt. Lärm- und Lichtschutzwände sorgen dafür, dass die Tiere nicht verschreckt werden. Weiträumig aufgestellte Zäune führen die Tiere wie ein Trichter zur und über die Anlage.
Niedersachsen will seine ersten Grünbrücken über die A 7 bei Hildesheim und Northeim sowie bei Roringen bauen. Am Roringer Berg kreuzt eine Hauptwanderroute der Wildkatzen die B 27, hier ist zugleich ihr Haupt-Unfallschwerpunkt im Land. Jährlich werde in diesem Bereich mindestens eine überfahrene Wildkatze gefunden, erklärt Mandy Henning-Hahn, Projektkoordinatorin für ein Wildkatzen-Schutzprogramm des BUND. Und „die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen“. Die scheue Art ist vom Aussterben bedroht. Erst seit wenigen Jahren nimmt ihre Population im Harz wieder zu. Die jungen Kater erobern neue Reviere, eine ihrer Hauptstrecken führt um Waake herum.
Im Göttinger Wald hätten sich inzwischen zehn bis 15 Wildkatzen angesiedelt, so Henning-Hahn. Gemessen an dieser kleinen Gruppe und generellen Bedrohung sei jedes tote Tier dramatisch und jede gerettete Katze die hohe Investition Wert.
Wildschweine folgen
Dabei habe die Wildkatze auch eine Leitartfunktion. Wird die Brücke von ihr angenommen, folgten Wildschweine, Rotwild, Damwild, Waldfledermaus und andere Tiere problemlos. Positiver Nebeneffekt: Weniger Wildunfälle mit verletzten Menschen.
Dazu müssten viele Voraussetzungen erfüllt werden, ergänzt Harro Herzberg, Projektleiter beim Landesstraßenbau: unter anderem die Nähe zum Wald, Leitzäune, eine gewisse Breite und Ruhe vor Menschen – also kein Wanderweg auf der Brücke. Auch mit Blick auf das Gelände sei der Standort ideal. Weiter östlich seien zwar mehr tote Katzen gefunden worden, der Seitenbereich sei aber völlig ungeeignet für eine Brücke.
BUND, Nabu und andere Naturschutzverbände aus Göttingen unterstützen das Projekt. Bauchschmerzen bereitet BUND-Mitgliedern aber der offenbare Deal zwischen ihrem Landesverband und der Straßenbaubehörde zur Umgehungsstraße. Sie verweisen darauf, dass das Land sich unabhängig von der Umgehung längst verpflichtet habe, drei Grünbrücken zu bauen.
Die Wildkatze ähnelt wildfarbenen Hauskatzen, hat aber einen buschigen Schwanz mit dunklen Ringen. Der BUND hat ein Programm entwickelt, um ihre Lebensräume über Barrieren hinweg besser zu vernetzen - auch durch Grünbrücken.
Von Ulrich Schubert
Kommentare
Unverschämtheit? HansKoschnick – 27.06.10
Die Lebensräume werden durch die Menschen zerrissen, demnach muss auch wieder für die Vernetzung gesorgt werden. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenUnverschämtheit Hoffmann – 10.02.10
Es ist unglaublich, wie viel Geld für eine Grünbrücke ausgegeben wird. Unabhängig davon, ob sie wirklich hilfreich ist oder nicht, sollten sich die Politiker mal bewusst machen, dass 2.500.000€ sehr viel Geld ist. Gerade deswegen stehen die Kosten für so eine Grünbrücke in keinem Verhältnis zu irgendwelchen anderen Ausgaben.Denkt doch mal an die Kinder! Ab Klasse 11 gibt es dort keine Busfahrkarten mehr, aber eine Grünbrücke ist ja auch wichtiger... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Grünbrücke / B27 HHM / BUND – 11.12.09
Übrigens: Es gibt da auch schon eine ziemlich natürliche "Grünbrücke" zwischen Waake und Bösinghausen, eine schöne Feldmark, für Menschen und(!) Tiere. Die soll jetzt einer Asphalttrasse für Autos geopfert werden - geil wa? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenfledermaus gutingianer – 11.12.09
von unfällen mit über die straße kriechenden waldfledermäusen hört man ja immer wieder...gut, dass das jetzt ein ende hat! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenErste Grünbrücke aus dem Konjukturpaket Wildkatze – 11.12.09
Bei der geplanten Grünbrücke handelt es sich um eine von immerhin drei Grünbrücken, die mit Mitteln aus dem Konjukturpaket II finanziert werden. Nur über diese Finanzierungsmöglichkeit lassen sich derzeit Wildquerungen an schon bestehenden Verkehrswegen errichten. Die wenigen Grünbrücken in Niedersachsen (A 395 im Oderwald, bei Braunlage)wurden im Zuge des Straßenneubaus errichtet. Aber es gibt bereits Grünbrücken in Niedersachsen, wenn auch zu wenige!Den Weg zur Brücke finden die Katzen auch ohne Beschilderung. Die Zäunung und gepflanzte Hecken oder Büsche bieten Deckung und lenken die Tiere automatisch zur Querung.
Vielleicht sollte man ein Schild für interessierte Autofahrer anbringen, die gar nicht bemerken, unter was sie gerade entlangfahren. Das senkt gleichzeitig die Geschwindigkeit.;-)
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Kein Deal zwischen BUND Landesverband und Straßenbaubehörde! BUND LV Niedersachsen e.V. – 11.12.09
Herr Schubert hat zu diesem Punkt leider schlecht recherchiert!Es gibt keinerlei "Deal" (er meint wohl eine Vereinbarung) zwischen dem BUND und der Straßenbaubehörde - weder zur Ortsumgehung, noch zur Grünbrücke. Wer etwas anderes weiß und belegen kann, darf dies gerne tun.
Kontakt: Tel. 0511 965 69 13. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
1. Grünbrücke in Niedersachsen Peter Oe. – 11.12.09
Über die A 395 bei Schladen in Niedersachsen führt eine Grün- oder Wildbrücke und südl. von Braunlage, ebenfalls Niedersachsen, wurde beim Ausbau der B 4 eine 220 m lange Grün- oder Wildbrücke, genannt Hasselbergtunnel, gebaut. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenauf wessen Kosten? O. – 11.12.09
Wenn man bedenkt, dass die öffentlichen Haushalte hoch verschuldet sind - nicht schlecht.Welcher Privatmann würde wohl für so eine Naturschutzmaßnahme einen zusätzlichen Kredit aufnehmen, der dann von seinen Kindern getilgt werden müsste?
Ist natürlich ein "Totschlagargument" gegen jede Maßnahme im Naturschutz/Kultur/Jugendhilfe etc., aber jeder sollte sich die Frage einmal persönlich beantworten. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
erste Grünbrücke in Niedersachsen Olli – 11.12.09
Über die Autobahn, die von Wolfenbüttel nach Bad Harzburg führt, wurde schon vor Jahren eine Grünbrücke gebaut. Meines Wissens ist das auch Niedersachsen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenGrünbrücke ICH – 11.12.09
Ist in den geplanten 2,5 Mio auch die Beschilderung enthalten, oder wie sollen die Wildkatzen den Weg zur und über diese Brücke finden? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenLärmschutz für Menschen ? H – 10.12.09
Eine Grünbrücke für Roringen - oh wie schön !! Sogar mit Lärmschutzwand !! Ist es vermessen zu fragen, wann die Menschen in Roringen entlich vor dem Lärm geschütz werden ? Nun ja, wir sind nicht wirklich vom Aussterben bedroht..... aber vielleicht bekommen wir ja eine Lärmschutzwand aus dem Konjunkturpaket II wenn wir Wildkatzen im Ort ansiedeln !!??Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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