„So kann ich für andere da sein und sitze Heiligabend nicht alleine vor dem Fernseher rum“, sagt Röwenkamp. Und der 44-Jährige ist nicht alleine gekommen. An einem Tisch sitzt ein alter Freund, den er noch aus der Schule kennt, und der hat seine kleine Tochter mitgebracht. Bei einem Stück Kuchen finden sie Zeit für Gespräche, tauschen alte Erinnerungen aus. Dann muss Röwenkamp wieder los, sich um einige andere der rund 400 Gäste kümmern.
So wie Röwenkamp sind an diesem Abend rund 80 Helfer im Einsatz. Sie bringen Kaffee und Kuchen an die festlich gedeckten Tische, sie sind als Ansprechpartner da, und sie bereiten Würstchen und Kartoffelsalat in der Küche zu. Wenn die Helfer selbst Hilfe brauchen, ist Küchenchefin Edeltraut Badura die richtige Ansprechpartnerin. Sie macht seit 32 Jahren bei „Keiner soll einsam sein“ mit. In diesem Jahr lobt sie besonders die „Jungs von der Jugendanstalt“ für ihren Einsatz. Siegfried Löprick von der Jugendanstalt Leineberg hat die sieben Jugendlichen aus dem offenen Jugendvollzug mitgebracht.
„Ich habe den Leuten nicht immer was Gutes getan. Das soll heute mal anders sein“, sagt der 20-jährige Angelino. Er freut sich unter Menschen zu sein und helfen zu können, statt in seinem Haftraum zu sitzen, – „auch wenn es gar kein Ende nimmt hier mit den schmutzigen Tassen“.
Gut unterhalten werden derweil die Menschen in der Stadthalle. Nach der Weihnachtsandacht von Pastor Thomas Harms musizieren Klaus Faber und Andreas Sichler. Kinder werden mit Weihnachtsteddys beschenkt. Später dürfen die jungen Gäste in der ersten Reihe vor der Bühne sitzen. Dort staunen sie über die Zaubertricks von Andy Clapp, der mit seinen komödiantischen Einlagen für viele Lacher und Frohsinn sorgt.
Und eine Premiere gibt es noch an diesem gemütlichen Heiligabend: den Auftritt des ersten Göttinger Glocken-Ensembles. Unter Leitung von Clapps Assistentin klingeln die freiwilligen Musiker aus dem Publikum das Weihnachtslied „Ihr Kinderlein kommet“ mit kleinen Kuhglocken.
Von Björn Dinges
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