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Integration

Behinderter Schüler bleibt draußen

Spießrutenlauf und ein Wechselbad der Gefühle für einen Elfjährigen und seine Eltern: Wochenlang war unklar, ob der lernbehinderte Junge als Integrationskind die neue IGS Bovenden besuchen kann. Am Einschulungstag bekam er doch eine Zusage, gestern wurde er trotzdem abgewiesen. An der Schule gibt es schon vier I-Kinder – das Wechselbad dampft.

Nicht willkommen: Georg mit Vater Ingo Ludwig vor der IGS.

© US
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Georg nimmt es spielerisch, hört im Auto Musik und ist sicher, dass er bald mit seinen Freunden in der Schule zusammen sei kann. Das steht aber auch an diesem Dienstagmorgen in den Sternen – vier Tage nach der Einschulung der Fünftklässler. Sein Vater Ingo Ludwig kann das alles nicht fassen: „Man kann mein Kind doch nicht so hin und her schubsen und einfach raus schmeißen.“

Die Geschichte ist verworren und inzwischen sind von der Schule bis zum Kultusministerium viele Ebenen damit befasst. Die Fakten: Georg hat als lernbehindertes Kind besonderen Förderbedarf. Er besuchte bisher als I-Kind die Göttinger Montessorischule. Zum Start der neuen IGS Bovenden (Tageblatt berichtete) haben Ludwigs ihren Sohn dort als Integrationskind angemeldet. Eine Zusage ist das nicht, aber die Hoffnung war groß. Knapp eine Woche vor Schulbeginn kam die schriftliche Absage von der Landesschulbehörde – sie ist Entscheidungsträger und weist Kinder mit Förderbedarf Schulen zu. Ein Grund: Ludwigs lebten im Kreis Northeim. Der Vater reagierte, legte die Bestätigung eines – bereits angekündigten – Umzugs nach Göttingen vor und bekam vom Leiter der Göttinger Außenstelle der Landesschulbehörde, Ulrich Engelhardt, das O. K. für Bovenden. Das wusste die Schule wiederum nicht und nahm den Jungen erst nach Drängen und unter Vorbehalt auf. Jetzt wies sie Georg wieder ab – auf Ansage der Landesschulbehörde. Denn sie allein darf I-Kinder bestimmten Schulen zuweisen.

„Nicht verantwortbar“

Zum Fall selbst will sich Schulleiterin Dagmar Dettleff-Rohmann nicht äußern. Sie weist aber gemeinsam mit der pädagogisch verantwortlichen Lehrerin Barbara Soppa darauf hin, dass bereits vier I-Kinder aufgenommen sind. Mehr seien pädagogisch, gemessen am Aufwand und in Verbindung mit dem Tischgruppenkonzept einer IGS „nicht leistbar und verantwortbar“. Eine optimale Förderung „aller“ Kinder wäre dann nicht mehr möglich.

In einem Brief von Montag mit endgültiger Absage betont jetzt auch Engelhardt, dass die von Ministerium und Landkreis als Schulträger festgelegte „Obergrenze für I-Kinder bereits erreicht ist“. Das habe er bei seiner Zusage vergangene Woche nicht gewusst und fügt an: „Ich lag falsch, ich bitte um Entschuldigung.“ Alternativ könne Georg die Erich-Kästner-Schule in Northeim oder wieder die Montessorischule besuchen. Die Landesschulbehörde will zu der „recht komplexen und schwierigen“ Geschichte „mit zurzeit vielen Beteiligten“ vorerst nichts sagen. Sprecherin Susanne Strätz: „Wir prüfen den Fall.“ Wo Georg heute zur Schule geht, ist unterdessen unklar.

Von Ulrich Schubert


  • hahhaha tya – 07.04.10
    hahha passiert :) Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Ausgrenzung M. Marten – 12.08.09
    Es ist einfach unfassbar wie mit den Kindern umgegangen wird. Nur weil die rechte Hand wieder nicht weiss was die linke macht.
    Die Leidtragenden sind immer die Kinder, denn die Verantwortlichen haben ja schon "Ihren Job" und können sich leisten, schwarzer Peter zu spielen. Am Ende ist wieder keiner zuständig.
    Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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