Die Explosionsstelle auf dem Schützenplatz Mittwochmorgen, 2. Juni: Mitarbeiter des Thüringer Kampfmittelräumdienstes untersuchen den Unglücksort.
Die Bombe auf dem Schützenplatz war gegen 21.30 Uhr explodiert. Dabei kamen drei Männer im Alter von 38, 52 und 55 Jahren ums Leben. Sechs Mitarbeiter des Räumdienstes wurden zudem verletzt. Polizeipräsident Robert Kruse sprach gestern von einem „sehr traurigen Tag“. Auch Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann, der am Morgen den Unglücksort besuchte, war „tief bestürzt“. Während einer Pressekonferenz gaben die Verantwortlichen auch ihrer Trauer Ausdruck.
Wie Kruse erklärte, sollte die Bombe eigentlich um 22.45 Uhr entschärft werden. Warum sie bereits während der Vorbereitungsarbeiten um 21.36 Uhr detonierte, das sei „noch zu klären“. Eine 25-köpfige Sonderkommission (Soko) der Göttinger Polizei ermittelt. Die Göttinger Staatsanwaltschaft ermittelt ebenfalls – ob fahrlässige Tötung vorliegt. Kruse: „Wir müssen noch technische Untersuchungen durchführen und mit den Zeugen sprechen“. Und das „unter Einsatz aller Techniken“. Die Splitter der Bombe sind rund 100 Meter weit geflogen. Kruse bittet die Göttinger darum, Fundstücke der Polizei zu melden. Sachschäden gab es kaum.
Bei den Opfern handelte es sich um erfahrene Spezialisten. Wie Schünemann erläuterte, seien sie seit 20, 30 Jahren im Dienst gewesen und hätten 600 bis 700 Bombenentschärfungen erfolgreich hinter sich gebracht. Der Minister weiter: „Wir werden uns jetzt intensiv um die Fürsorge der Angehörigen kümmern.“
Unterdessen ging gestern auf dem Schützenplatz die Suche nach der Ursache für die Explosion der Zehn-Zentner-Fliegerbombe weiter. Das Gelände ist weiterhin in einem Umkreis von 300 Metern hermetisch abgeriegelt. Mitarbeiter des Thüringer Kampfmittelräumdienstes sind mit der Suche nach weiteren Sprengkörpern und der Spurensuche beschäftigt.
Sicher ist nur, dass die getöteten Männer direkt an der Fundstelle standen. Die verletzten Kollegen hielten sich weiter entfernt von der Explosionsstelle auf. Die Bombe lag rund 40 Meter von der Bombe entfernt, die am Donnerstag erfolgreich mit einer neuen ferngesteuerten Technik entschärft wurde. Beide Bomben waren vermutlich mit Säure-Langzeitzündern versehen, beide lagen sieben Meter tief im Boden, an beiden Fundorten musste Wasser vom THW abgepumpt werden. Warum die erste Bombe problemlos entschärft werden konnte, die zweite aber detonierte, darauf haben die Experten noch keine Antwort. Kruse: „Wir versuchen, genau das zu klären.“
Und noch etwas muss geklärt werden: ob weitere gefährliche Bomben unter dem Schützenplatz verborgen liegen. Stadtrat Hans-Peter Suermann: „Es gibt weitere Verdachtsflächen“. Wie viele? „Im zweistelligen Bereich“, so Suermann. Die Auswertung von Luftbildern sowie Ergebnisse von Probebohrungen und Sondierungen sollen Klarheit bringen. Bislang, so Suermann, seien die Verdachtsflächen nur „grob skizziert“. Bevor der Kampfmittelräumdienst den Schützenplatz nicht für „unbedenklich“ erklärt habe, werde der Bereich nicht freigegeben. Zwei Schulen (BBS und OHG) und drei Kindergärten in der unmittelbaren Umgebung bleiben auch heute geschlossen.
Bis auf zwei Familien konnten alle Göttinger wieder in ihre Häuser zurückkehren. Zum Zeichen der Trauer hat die Stadt am Alten und Neuen Rathaus Halbmast mit Trauerflor geflaggt.
Von Britta Bielefeld
Kommentare
... ich²? – 03.06.10
vielleicht sollte man den leuten auch etwas zeit lassen statt direkt energisch nachzuhaken und zu versuchen noch mehr druck aufzubauen. es handelt sich zwar um spezialisten, aber auch diese sind lediglich menschen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenwann findet ihr eine lösung ... ich – 03.06.10
... für dieses problem?vor über 60 jahren wurde dieses areal von den amerikanern bebombt, es gab streufeuer, die bahnlinie war wichtig, bei dem jetzigen gelände bei lünemann in der grätzelstraße war ein flughafen. dort ist jetzt eine schule.
wann wird dort endlich mal auf bomben untersucht???? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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