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Entwarnung nach drei Stunden

Bombenalarm legt Göttinger Bahnhof lahm

Von Matthias Heinzel

Wegen eines Bombenalarms ist der Göttinger Bahnhof am Sonnabendmorgen, 8. Januar, für mehrere Stunden gesperrt worden.

Auf dem Vorplatz: Bahnhofsmanager Krusche informiert.

© Heller

Gegen 10 Uhr hatten Bahnmitarbeiter auf dem Bahnsteig zwischen den Fernverkehrsgleisen neun und zehn einen herrenlosen Aktenkoffer gefunden und die Bundespolizei alarmiert. Versuche, den Besitzer per Lautsprecherdurchsagen ausfindig zu machen, blieben ohne Erfolg. Zunächst untersuchten Mitglieder der Bundespolizei den Aktenkoffer von außen. Dann rückten aus Hannover Spezialeinheiten der Polizei und Sprengstoffspürhunde an, um den Koffer zu untersuchen.

Umgehend wurde der Bahnhof für Publikums- und Zugverkehr geschlossen. Bahn-Mitarbeiter ließen niemanden ins Gebäude. Der Nahverkehr musste komplett eingestellt werden. Der Fernverkehr wurde weiträumig umgeleitet.

Allerdings: Nur wenige Züge konnten umgeleitet werden. Die vielen Züge, die sich Göttingen bereits zu weit genähert hatten, mussten auf offener Strecke oder in kleineren Bahnhöfen stundenlang stoppen. Für diese Verbindungen kam es zu Verspätungen von mehr als drei Stunden.

Vor dem Bahnhofsgebäude stauten sich unterdessen mehrere hundert Reisewillige. Bahnhofsmanager Detlef Krusche erläuterte Sachverhalt und Maßnahmen und bat die Wartenden um Verständnis für die Komplettsperrung.

Erst nachdem die Sprengstoffexperten den Koffer untersucht hatten, konnte gegen 13.15 Uhr Entwarnung gegeben werden – kein Sprengstoff im Aktenkoffer. Sicherheitskräfte entfernten die Absicherungsbänder. Kurze Zeit später lief der erste Zug ein – ein ICE aus Richtung Norden mit Fahrtziel Zürich, der wenige Kilometer vor Göttingen auf freier Strecke stundenlang gehalten hatte.

Zurzeit ist die Suche nach dem Besitzer des herrenlosen Aktenkoffers im Gange. Im Koffer habe sich neben reiseüblichen Gegenständen eine umfangreiche Kameraausrüstung befunden, erklärte Lars Beyer, Sprecher der Bundespolizeidirektion Hannover. Sowohl Kamera als auch andere Gegenstände gäben Hinweise auf den Eigentümer. Es wird voraussichtlich wohl nicht lange dauern, bis der Besitzer sein Eigentum zurückerhält – und eine saftige Rechnung dazu.

Denn gleichgültig, ob Vorsatz oder Schusseligkeit – bei einem vergessenen Gepäckstück, das zu Polizeieinsatz und Bahnbetriebsstörungen führt, muss der Verursacher im Regelfall Schadensersatz leisten. Und zwar nicht nur für den Einsatz von Sicherheitskräften, sondern auch für den Verdienstausfall der Geschäfte im Bahnhof und die Verspätungen. Dabei wird jede Minute Verspätung jedes ICE mit knapp 300 Euro berechnet. Bei einem Vorfall wie jetzt in Göttingen, meint Bundespolizei-Sprecher Beyer, ist der Verursacher mit Sicherheit mit einer fünfstelligen Summe dabei.

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  • Das wird teuer Marie – 10.01.11
    Natürlich liegt es auch in meinem Interesse, sollte es sich einmal tatsächlich um einen Anschlag handeln, der Bahnhof oder was auch immer sofort gesperrt wird. Dass in der heutigen Zeit die Nerven diesbezüglich blank liegen ist auch verständlich.
    Aber ob es wirklich nötig ist, einen Menschen, der ganz sicher nichts böses im Sinn hatte, als er seinen Koffer - in dem sich ja offensichtlich auch nicht gerade Peanuts befanden - vergaß, ist zu bezweifeln. Soll dieser nun tatsächlich für einen 5-stelligen Schadensersatz aufkommen wegen seiner Schusseligkeit? Unfassbar. Wir geben anderen Ländern Millionen "Stütze" aber einer Einzelner soll für sowas aufkommen. Bei Vorsatz verständlich, was ich hier aber nicht sehen kann! Wäre ich an seiner Stelle, könnt ich mir gleich ein Strick nehmen und hoffen, dass sie mich nicht ausfindig machen - sollen sie doch lieber den blöden Koffer behalten, das ist sicher billiger.

    Außerdem: kriegen wir o hohen Schadensersatz, wenn wir jeden morgen wegen "etwas Schnee" Stunden auf Bahnhöfen oder in Zügen warten?
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  • @ Lisa: Menschen die Sachen vergessen = Bürger – 10.01.11
    Hm... Menschen die Sachen liegen lassen, sprich auch irgendwo Koffer vergessen sind "Störer, die die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden"?


    Klar hat der "Vergesser" des Koffers fahrlässig gehandelt weil er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer acht gelassen hat. Denn er hat damit fahrlässig gehandelt, indem er seinen Koffer am Bahnsteig vergaß. Schließlich hätte er sich in Zeiten der "Terrorhysterie" denken können, dass die Polizei bei einem solchen vergessenen Gepäckstück so wie geschehen hätte reagieren könnte.

    Fraglich ist allerdings ob die Polizei - respektive unser Staat - in diesem Fall die erforderlichen (wirklich notwendigen) Mittel eingesetzt hat, um die vermeintliche Gefahr "den Koffer" zu beseitigen. Schließlich ist nur ein sehr kleiner Bruchteil vergessener Koffer eine Gefahr/ eine Bombe!


    Wir müssten uns den Fall einmal in Zeiten vor dem 11. September vorstellen.
    Vor 2001 standen sicher ebenso viele Koffer herrenlos an bundesdeutschen Bahnsteigen. Ein findiger Bahnbeamter hätte damals schlicht ein vergessenes Gepäckstück ins Fundbüro gebracht - die Geschichte wäre damit erledigt gewesen.

    Jedoch was passiert heute? Was ist aus den Fundbüros geworden wenn jedes vergessene Gepäckstück als potentielle Gefahr eingestuft wird?! Sind nun alle Funbüros leer und verweist, sprich überflüssig geworden?

    Ich denke es bedarf einer Debatte innerhalb der Strukturen der deutschen Sicherheitsbehörden ob derzeit nicht bei aufgefundenen Gepäckstücken überregiert wird. Bomben sind diese vermutlich nur in 0,0001 % der Fälle.

    Der eigentliche Terror ist die Terrorhysterie - die Panik à la "es könnte eine Bombe sein". Beugt man sich dieser Panik, dann erreichen die Terroristen auch ohne Bomben ihr Ziel: Nämlich entscheidend die Handlungsfreiheit der Menschen einzuschränken!
    Sei es der Reisende der von A nach B will und im ICE kurz vor Göttingen festsaß oder der Koffervergesser, dem eventuell eine Geldbuße droht. Alle diese Menschen wurden durch die übervorsichtige Beurteilung in Sachen Gepäckstück in ihrer Freiheit beschränkt.


    Der eigentliche Terror sind nicht die Bomben, sondern die Angst ist der Terror!

    Das eigentliche Ziel der Terroristen ist nicht der Tod von Menschen, sondern die öffentliche Aufmerksamkeit und die Angst!

    Wollen wir den Terroristen wirklich helfen ihr Ziel zu erreichen, indem wir ihnen noch mehr Aufmerksamkeit widmen und der Staat noch wachsamer wird?


    Im übrigen ist es in Europa derzeit gefährlicher beim Essen an einer im Hals steckengebliebenen Fischgräte zu ersticken, als Opfer eines Terroraschlags zu werden.
    Wird deswegen auch ein ganzer Bahnhof gesperrt, wenn in den Fish & Chips eines Göttinger Bahnhofsimbisses eine Fischgräte gefunden wird?! Oder gibt es landesweite Aktionspläne für weniger Fischgräten in Tiefkühlfischfilets?


    Was wir brauchen ist eine SACHLICHE Debatte darüber, wie zunkünftig mit der Terrorgefahr in Deutschland umgegangen werden soll!
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  • "herrenlose" Gepäckstücke Bahnreisende – 10.01.11
    Als ich Weihnachten mit der Bahn unterwegs war, wäre ich auch fast Urheber eines Polizeieinsatzes geworden.

    Mein Zug hatte 10 Min. Verspätung, da beim nächsten Umsteigen in Bremen nur 10 Min. Zeit war, wollte ich wissen, ob ich den Anschluss noch erreiche und bin auf Suche nach Schaffner/in gegangen. Meine schwere Reisetasche habe ich am Platz stehen lassen.
    Als ich zurückkam, war an meinem Platz ein Sicherheitsbeauftragter der Bahn und meinte: wenn ich jetzt nicht gekommen wäre, hätte er die Polizei gerufen wg. der allein gelassenen Reisetasche.
    In der Zwischenzeit gab es keinen Halt, darum hatte ich mich beeilt vor dem nächsten Halt wieder am Platz zu sein.
    Er meinte, ich hätte ihn doch gesehen, da hätte ich ihn bitten können, auf die Tasche aufzupassen.

    Ich war ganz schön erschrocken, auf solche Gedanken bin ich überhaupt nicht gekommen.
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  • welcher Bahnsteig eigentlich? al – 09.01.11
    "...auf dem Bahnsteig zwischen den Fernverkehrsgleisen neun und zehn..."

    Zwischen Gleis 9 und 10 gibt es überhaupt keinen Bahnsteig! Am ICE-Bahnsteig nach Süden liegen Gleis 10 und 11 und am anderen ICE-Bahnsteig die Gleise 8 und 9.
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  • @Bürger Lisa – 09.01.11
    Wer als "Störer" die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet kann für die Kosten der beseitigung herangezogen werden, dazu muss man nicht einmal Vörsätzlich gehandelt haben, Fahrlässigkeit reicht schon aus, also den Polizeieinsatz hat man definitiv zu tragen, wie es mit den entschädigungszahlungen an die Bahn aussieht würde mich aber auch einmal genauer interessieren, vielleicht liesst ja ein Anwalt mit und kann dazu was schreiben.

    Aber falls der Koffer vorher "gestohlen" wurde (Zaunpfahlschwing) wird man Ihn ja sicherlich schlecht als "Störer" überführen können, wobei ich nicht weiss inwieweit der Bahnhof Videoüberwacht ist und Bilder existieren...
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  • Welche Rechtsgrundlage für saftige Zahlung? Bürger – 09.01.11
    Den Koffer vergessen und dann möglicherweise mehrere tausend Euro zahlen müssen?

    Welches Gesetz bestraft einen für vergessene Gegenstände?

    Ich glaube kaum, das vor einem Gericht eine solche sittenwirdrige Entschädigungsforderung bestand hätte. Auch wenn sie möglicherweise in der Hausordnung der Deutschen Bahn AG steht.
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  • Bombe Kommentar gelöscht – 09.01.11
    An dieser Stelle wurde durch die Redaktion ein Kommentar gelöscht, da er nicht den Nutzungsbedingungen entsprach. Die Nutzungsbedingungen für Leserkommentare auf den Internetseiten des Tageblattes finden Sie hier: http://www.goettinger-tageblatt.de/Portal-Service/Nutzungsbedingungen. (ne) Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Bla Lisa – 09.01.11
    Das wird ja krass teuer, zum glück für den Betroffenen wurde sein Koffer aber sicherlich "gestohlen", so das dieser ihn dort gar nicht abstellen und vergessen konnte ;-))
    Also sucht den Dieb!
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  • Koffer Peter – 09.01.11
    Tja, so ist das nun mal bei dieser Panikmache. Wäre man mal da gewesen hätte man jetzt eine schöne Kameraausrüstung ;-). Ich unterschlage natürlich keine Fundsachen.

    Jetzt wäre interessant zu wissen wie viele ICEs denn warten mussten.



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