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Noack hält Kreisfreiheit für „Desaster“

CDU-Fraktionschef attestiert Reuter Fehlstart

Von Gerald Kräft

Die CDU im Göttinger Kreistag hält vom Haushaltsplan der neuen Mehrheitsgruppe SPD/Grüne nicht viel. Der rot-grüne Entwurf sei realitätsfern, sagte CDU-Fraktionschef Harald Noack am Freitag. Die wichtigen Punkte wie die Folgen einer Fusion, eines Entschuldungsvertrages der Stadt Göttingen mit dem Land und die noch offene Finanzverteilung zwischen Stadt und Landkreis seien ausgespart.

Göttingen . Außer von 100 000 Euro „Propagandamitteln“ für eine große Fusion und einem Gutachten über mögliche neue Eisenbahnhaltepunkte heiße es nur, weiter so, sagte Noack. Er habe den Eindruck, Rot-grün habe sich in das Spielzimmer zurückgezogen und eröffne an einer Modelleisenbahn einen neuen Haltepunkt. Das sei zu wenig. „Wir sind mitten im Umbruch.“

Nach wie vor lehnt Noack aber eine große Fusion in der Region mit den Kreisen Northeim und Osterode ab. Die Vorstellung, einen Fusionsvertrag innerhalb eines Jahres auszuverhandeln, sei „weltfremd“. Mit dem Thema Kreisfreiheit sei die „Büchse der Pandora“ geöffnet worden. Eine Vereinigung von kümmerlichen Kreisresten, einer Kreisstadt Northeim und einer kreisfreien Stadt Göttingen wäre für Noack die schlechteste aller Lösungen. Das wäre ein „Desaster“ und für den Landkreis auch „wirtschaftlich verheerend“.
Dass die Stadt ein Sparpaket beschließen werde, um an Entschuldungshilfe des Landes zu kommen, sei vernünftig, so Noack. Auf 140 Millionen Euro könne die Stadt nicht verzichten. Wenn sich die Stadt aus der Finanzierung gemeinsamer Einrichtungen zurückziehe, könne aber nicht der Landkreis einspringen.

Entgegen der Ankündigung von Landrat Bernhard Reuter (SPD) stehe der Zug zur Fusion noch nicht einmal unter Dampf, so Noack. Wie in Osterode gewohnt, könne Reuter in Göttingen nicht als „Herrscher aller Reußen“ agieren. Wenn die CDU-Landratskandidatin einen stellvertretenden Parteivorsitzenden als persönlichen Referenten eingestellt hätte, hätte es einen Aufschrei und Aufmärsche gegeben, kritisierte Noack erneut die Einstellung des SPD-Vizekreisvorsitzenden Marcel Riethig als Stabsstellenleiter im Kreishaus. In seiner vorgezogenen 100-Tage-Bilanz warf Noack Reuter vor, gedanklich schon als künftiger Innenminister in Hannover zu sein.

Von einer vollmundigen 100-Tage-Bilanz halte er nichts, sagte Landrat Reuter auf Anfrage. Bei den wichtigen Themen wie demografischer Wandel und Energiewende vor Ort gehe es nicht um Sprint, ein Marathon-Mann sei gefragt. „Da ist es gut, dass ein Landrat eine achtjährige Amtszeit hat.“ Er wolle nicht Minister werden, „schon gar nicht Innenminister“. Es gebe aber Schlimmeres, als für ministrabel gehalten zu werden.

Eine Fusion von drei Kreisen hält Reuter für den einzig richtigen Weg, um als Region wahrgenommen zu werden. Der erklärte Wille der Kreistage reiche erst einmal aus. Strukturen im Kreishaus will Reuter vorerst nicht weiter ändern, Baustelle sei allerdings noch eine bessere Führungskultur. Die Kritik von Noack sei schlechter Stil, aber nach den dramatischen Verlusten habe er Verständnis für die Lage der CDU.

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