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Im Interview

Chefarzt willy Herbold-Schaar


Der Missbrauchs-Skandal bei den Jesuiten erschüttert den katholischen Orden und die Öffentlichkeit. Jörn Barke hat Willy Herbold-Schaar, Chefarzt des Bereichs Psychotherapie am Asklepios Fachklinikum Göttingen, zu den Folgen sexuellen Missbrauchs für die Opfer befragt.

Warum melden sich die Opfer sexuellen Missbrauchs oft erst nach Jahren?
Die Erfahrung der Opfer ist verbunden mit einer starken Beschämung. Auch wenn sie juristisch natürlich Opfer sind, erleben manche Zweifel und sind sich unsicher, ob sie nicht mitschuldig am Geschehen waren. Diese Schuldgefühle und die Scham hindern das Opfer, sich zu öffnen und sich Hilfe zu holen. Manche Opfer leiden auch unter der Vorstellung, sie könnten durch ihre Mitteilung dem Täter Schaden zufügen. Das ist immer dann von Bedeutung, wenn der Täter eine besondere Beziehung zum Opfer hat, etwa in der Familie, in der Schule oder der Seelsorge.

Wie stark leiden die Missbrauchs-Opfer nach der Tat?
Das hängt von individuellen Faktoren ab. In jedem Fall hinterlässt die Missbrauchserfahrung Spuren, es bleibt eine seelische Narbe zurück: Der Körper vergisst nicht, inklusive des Gehirns als Träger der Psyche. Wie stark sich das Trauma auswirkt, hängt von zwei Faktoren ab: Wie gravierend die Missbrauchserfahrung war und welche persönlichen Ressourcen das Opfer zum Zeitpunkt der Taten hatte. War das Opfer schon vorher anderen Faktoren ausgesetzt, welche die seelische Entwicklung belastet haben, kann es das Trauma und seine Folgen schwerer kompensieren als eine zuvor psychisch stabile Person.

Wie kann man den Opfern helfen?
Es gibt mittlerweile sehr gut entwickelte traumazentrierte Psychotherapien, als Akutintervention ebenso wie als langfristige Behandlung. Ihnen gemeinsam ist der Versuch, das erlittene Trauma psychisch zu integrieren, so dass es seine Macht verliert und kein Eigenleben zum Beispiel in Form von unwillkürlichen, quälenden Flashbacks oder Albträumen führen kann.

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