„Den sogenannten Lebensraumtyp des Waldes werden Spaziergänger kaum gefährden, solange sie nicht als Obelix rumtrampeln“, sagt Groß Lengdens Ortsbürgermeister Johannes Thierry (parteilos). Er fordert eine öffentliche Diskussion in den Orten und Einbindung in den Entscheidungsprozess. Nicht nur aus seiner Sicht geht es jetzt um eine grundsätzliche Weichenstellung über die Frage Naturschutz hinaus.
Deutschland verpflichtete sich bis 2020 zehn Prozent der Staatswälder und fünf Prozent der anderen Wälder als Naturwälder festzulegen. Naturwald sind künftige Urwälder ohne menschlichen Eingriff und Entnahme. In Frage kommen insbesondere naturnahe Wälder in Südniedersachsen, die bereits zum europaweiten FFH-Schutzgebietsnetz gehören. Ausgewählt werden vermutlich davon die Bereiche, so die Befürchtung, die zusätzlich als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind. In Naturschutzgebieten gibt es in der Regel ein grundsätzliches Wegegebot, das heißt der Wald darf außerhalb der Wege nicht betreten werden, nur mit Ausnahmegenehmigung. Eine wirtschaftliche Nutzung ist nach bestimmten Kriterien aber möglich. Das wäre in Naturwäldern nicht mehr der Fall.
Die Realgemeinde Groß Lengden mit mehr als 200 Hektar ortsnahen Flächen im Göttinger Wald sprach sich jetzt während ihrer Jahreshauptversammlung einstimmig gegen Naturschutz aus. Der Schutz als Landschaftsschutzgebiet (LSG) reiche aus. Die bisherige Bewirtschaftung habe zu dem schutzwürdigen Zustand geführt, so der Vorsitzende Heinrich Klingelhöfer in einem Schreiben an Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). Die Entscheidungsgewalt müsse in den Händen der Mitglieder verbleiben, sonst komme es einer Enteignung gleich. Klingelhöfer pocht auf die Ministerzusage, die geringst mögliche Schutzkategorie zu wählen.
Heute steht im Kreistag ein Schutzkonzept für die Flora-Fauna-Habitat-Gebiete im Landkreis zur Debatte. Die CDU-Fraktion forderte gestern für jedes einzelne FFH-Gebiet Informationsveranstaltungen. Das Sicherungskonzept solle als „Arbeitsgrundlage“ dienen. Die SPD-Fraktion hatte vorige Woche die Bildung „Runder Tische“ mit aller Betroffenen gefordert.
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