Im Kirchenasyl: Jetmir Kryeziu, Florim Berisha und Ramadan Kryeziu (v.l.), der als Kind nach Deutschland kam und das Bild dazu hochhält.
Diese Abschiebungen sind jedoch vollständig geplatzt. Drei in der Stadt lebenden Personen gewährte das Göttinger Verwaltungsgericht vorläufigen Rechtsschutz, weiteren sechs das Braunschweiger Oberverwaltungsgericht. Weitere zehn Personen waren untergetaucht, als sie zum Transport zum Flughafen abgeholt werden sollten.
Das Göttinger Verwaltungsgericht hatte zudem eine achtköpfige Roma-Familie aus dem Landkreis vor der Abschiebung bewahrt. Eine weitere Einzelperson tauchte kurz vor der Abholung unter. Von weiteren Abschiebeterminen ist weder der Stadt noch dem Landkreis etwas bekannt, erklärten Verwaltungssprecher.
„Um eine neue Schandtat des Innenministers zu verhindern“, werde drei jugendlichen Roma in der Christophoruskirche Zuflucht gewährt, sagte der evangelische Ausländerpfarrer Peter Lahmann. Abschiebungen in den Kosovo seien „ein Skandal“. Als Christen „fühlen wir uns verpflichtet, Menschen in Not beizustehen“, sagte Elke Reichardt, Pastorin der Kirchengemeinde. In den 90er Jahren habe die Gemeinde bereits mehrfach Kirchenasyl gewährt, mit durchweg positiven Erfahrungen. Eine der damals von Abschiebung bedrohten Familien sei mittlerweile voll integriert und habe ein Restaurant in Hannover. Für die jetzt betroffenen Jugendlichen sei der Kosovo keine Heimat, sondern ein fremdes Land. Ziel sei es, aus humanitären Gründen eine Aussetzung der Ausweisung zu erreichen.
Im Kirchenasyl befinden sich der 19-jährige Jetmir Kryeziu und sein 23-jähriger Bruder Ramadan sowie der 17-jährige Florim Berisha. Da sie älter als 16 Jahre sind, werden ihre Verfahren getrennt von denen der Eltern behandelt. Denn die Eltern der Kryezius sind nicht akut von Abschiebung bedroht, da beide im Krankenhaus liegen. Deswegen befindet sich allerdings der zwölfjährige Hamit Kryeziu ebenfalls mit im Kirchenasyl. Zur Familie gehört auch noch der 27-jährige Tasip, der allerdings nicht von Abschiebung bedroht ist, da er eine Festanstellung hat. Jetmir dagegen ist derzeit dabei seinen Realschulabschluss zu machen, Ramadan würde gern ein Freiwilliges soziales Jahr und dann eine Ausbildung absolvieren. Dies sei jedoch bisher immer an seinen unsicheren Aufenthaltstiteln gescheitert, so Marlene Jendral vom Unterstützerkreis. In den Gerichtsverfahren war den beiden eine mangelnde Integration vorgeworfen worden. Jendral verweist jedoch darauf, dass die Familie seit fast 20 Jahren in Deutschland gut integriert sei. Dies wolle man nun noch besser belegen. Bei Berisha, der seit sechs Jahren in Deutschland ist und ein Kind in Bielefeld hat, gehe es dagegen darum, erst einmal in ein Asylverfahren einzusteigen.
„Die Türen werden alle zugemacht“, sagte Ramadan, der mit einer Frau in Bad Salzuflen verheiratet ist, die ebenfalls einen unsicheren Aufenthaltsstatus hat.
„Ihre Heimat ist Deutschland“ erklärte Jasna Causevic von der Gesellschaft für bedrohte Völker, zur Lage der Roma-Jugendlichen. Im Kosovo sei die Lage der Minderheit nicht stabil. Die Menschenrechte würden dort nicht eingehalten, ein würdevolles Leben sei für die Minderheit dort nicht möglich.
Von Jörn Barke und Matthias Heinzel
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