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Tag des offenen Denkmals

"Ehemalige Posthalterei ist ein wichtiges Baudenkmal“

Von Michael Brakemeier

Das Unglück begann 2005. Vor fünf Jahren entdeckte die Stadt an der Nordseite der ehemaligen Posthalterei schwere Schäden am Fachwerk. Schwellen und Fachwerkständer waren angefault. Die Fassade musste abgestützt werden.

In der ehemaligen Posthalterei: Stadtarchäologin Betty Arndt und Denkmalpflegerin Karin Schrader (von links) begutachten die restaurierten Originalfenster aus Eichenholz.

© Hinzmann

Doch damit nicht genug: Die Schäden, so stellte man bei weiteren Untersuchungen fest, zogen sich auch bis in die übrigen Gebäudeteile. Inzwischen ist das Gebäude, in dem sich zuvor im ersten und zweiten Stockwerk Teile der Museumsausstellung und die Museumsverwaltung befunden haben, eine riesige Baustelle. Im Erdgeschoss, als Depot für das Lager, sind Bauarbeiter derzeit damit beschäftigt, Stützmauern für das Fachwerk neu zu mauern.

1711 ist das Haus in der heutigen Jüdenstraße von einem reichen Göttinger Bürger gebaut worden. „Vermutlich als Spekulationsobjekt“, sagt Ernst Böhme, Leiter des Städtischen Museums. Nach Gründung der Universität diente das dreistöckige Fachwerkhaus bis 1854 als Postniederlassung. Zwischen 1770 und 1780 erfolgten umfangreiche Umbauarbeiten, die Remise wurde angebaut. Lange Zeit waren Schulen in dem Haus untergebracht, bis die Stadt mit einigen Ämtern einzog. Mit dem Auszug der Stadtverwaltung 1979 ist die ehemalige Posthalterei Teil des Städtischen Museums.

„Die ehemalige Posthalterei ist ein wichtiges Baudenkmal“, urteilt Karin Schrader von der städtischen Denkmalpflege. So soll von der ursprünglichen Struktur des Hauses möglichst viel erhalten bleiben und gleichzeitig moderne Haustechnik verbaut werden. Die zahlreichen ursprünglichen Fensterrahmen aus Eiche etwa sind originalgetreu saniert worden. Sie sollen mit modernen, wärmedämmenden Fenstern kombiniert werden.

Für die Sanierung der ehemaligen Posthalterei hat die Stadt rund 1,25 Millionen Euro veranschlagt. 2009 sind bereits 600 000 Euro geflossen, dieses Jahr sollen 450 000 Euro verbaut werden, im kommenden Jahr 200 000 Euro. Zwei Drittel der Gesamtsumme sollen mit Mitteln aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz finanziert werden, ein Drittel steuert die Stadt bei. Wenn mit der Sanierung alles glatt läuft, soll sie 2011, 300 Jahre nach dem Bau des Hauses, abgeschlossen sein.

Wie und wann die restlichen Gebäudeteile, in denen heute das Städtische Museum untergebracht ist, saniert werden steht noch nicht fest. Noch gebe es kein abschließend beratenes und vom Rat verabschiedetes Museumskonzept, erläutert Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Davon hänge aber der weitere Sanierungs- und gegebenenfalls Neubauaufwand ab. Eine Komplettsanierung aller Gebäudeteile des Städtischen Museums ohne bauliche Veränderungen und funktionale Verbesserungen würde nach Johannsons Angaben rund sieben Millionen Euro kosten. „Die Stadt Göttingen will jedoch mit der Sanierung auch umfangreiche Verbesserungen für den Museumsstandort erreichen. Das meint funktionale Verbesserungen, aber auch bauliche wie etwa die Barrierefreiheit“, sagt Johannson.

Führungen in dem sonst für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Gebäude sind am Sonntag, 12. September, um 11.30 und 14 Uhr mit Betty Arndt (Stadtarchäologie), Karin Schrader (Baudenkmalpflege) und Ernst Böhme (Städtisches Museum) geplant. Treffpunkt ist der Hof hinter dem Museum. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn Regio verlost die Stadt ein Niedersachsenticket. Der erste Schüler, der beim Besuch der ehemaligen Posthalterei am Sonntag einen gültigen Schülerausweis vorzeigt, bekommt einen Tag lang freie Fahrt durch ganz Niedersachsen und Bremen geschenkt.

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