Navigation:
eShop Online-ServiceCenter
Skulptur von Grass und Steidl

Ein Göttinger Denkmal für die Göttinger Sieben

Von Michael Brakemeier

Die Funken fliegen. Der mit Sauerstoff und Acetylen gefütterte Schneidbrenner frisst sich langsam durch die ein Zentimeter dicke Stahlplatte. Mit sicherer Hand führt Metallbauer Reinhardt Czyrnik das Gerät die Schnittkante entlang.

Aus Stahl geschnitten: Metallbauer Reinhardt Czyrnik setzt den Entwurf von Nobelpreisträger Günter Grass um.

© Hinzmann

In der Firma von Roderich Senge in Weende entsteht derzeit ein Denkmal, das der Schriftsteller und Nobelpreisträger Günter Grass entworfen hat. Den Buchstaben G und die Ziffer 7 schneidet Czyrnik in je zweifacher Ausfertigung aus der Platte. Mit fünf Zentimeter breiten Metallbändern sollen die vier Teile dann verschweißt werden, so dass das G und die 7 mehr Tiefe bekommen. Für die Göttinger Sieben, so die Idee, sollen Ziffer und Buchstabe stehen.

Der Entwurf, nach dem sich Czyrnik richtet, ist alles andere als exakt. Auf einem einfachen Blatt Papier hat Grass das Denkmal grob mit dünnem Filzstift skizziert. „In fünf Minuten ist der Entwurf entstanden“, sagt Grass’ Verleger Gerhard Steidl. Gemeinsam wollen Autor und Verleger das Denkmal an die Göttinger Sieben der Universität und Stadt schenken.
Geboren war die Idee dazu aus der Erkenntnis, dass es sehr wohl in Hannover ein Denkmal für die Göttinger Sieben gibt, nicht aber an der Wirkungsstätte der Professoren, die 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover protestierten. Darunter auch die Brüder Wilhelm und Jacob Grimm. In seinem jüngsten Buch „Grimms Wörter“ hatte sich Grass mit den beiden Gelehrten befasst.

Als Material, so Steidl, habe man sich bei dem etwa 1,7 Meter hohen Denkmal bewusst für sogenannten Corten-Stahl entschieden. Senge beschreibt diesen „hochlegierten“ Stahl als besonders fest und gegen Rost geschützt. Zwar würde die Oberfläche schnell braun anlaufen. Diese Schicht verhindert aber durch chemische Prozesse die weitere Korrosion des Stahls.
Später, wenn alles nach Plan läuft ab November, soll die Skulptur auf dem Campus der Universität zwischen Hörsaalgebäude und Bibliothek auf einem etwa 1,2 Meter hohen Sandsteinsockel stehen. „Der Platz ist bewusst gewählt“, sagt Steidl. „Das Denkmal soll nicht isoliert stehen, sondern gut sichtbar an die Göttinger Professoren erinnern.“ Die Protestation der Göttinger Sieben vom 18. November 1837 soll darauf zu lesen sein. Er wird im Groner Scandolo Natur- & Betonsteinwerk gefertigt.

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel
  • mhhh... fragwürdig – 05.10.10
    ich schliesse mich an: "g7" finde ich einfach zu platt. gegen eine statue der göttinger sieben aus stein oder bronze hätte ich nichts gesagt... aber sowas "komplexes" möchte natürlich niemand spenden. dafür wäre die aussagekraft des kunstwerkes nicht auf der strecke geblieben. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • @ Künstler isteingentlichkeinkünstlerjetztaberschon – 05.10.10
    Ja, das muß man sich mal genau durch den Kopf gehen lassen...da malt jemand ein "G" und eine "7" auf einen Zettel und daraus wird dann ein Kunstwerk!?!? Wie geil ist das denn! Mach das mal als jemand der keinen "Namen" hat - interessiert sich dann niemand für! Ist heutzutage so geil mit den Namen und Titeln in unserem Lande - da kannst Du machen was Du willst, ist dann einfach alles Geil, bist ja eine angesehene Persönlichkeit oder hast irgendwann mal studiert oder promoviert! Günther Grass schreibt gute Bücher und der Nobelpreis für Literatur sei ihm gegönnt, aber nur weil er ein "G" und eine "7" auf einen Zettel geschrieben hat muß man davon ja kein "Kunstwerk" in Göttingen machen! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Respekt jcm – 05.10.10
    Ich finde offene Worte ja gut, aber wenn man so ausholt und anscheinend auch aus anderen Beweggründen alles in einen Kommentar niederschreibt, was einem Stört, dann sollte man sich nicht hinter dem Synonym "Gutingi" verstecken...... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Blödsinn Gutingi – 05.10.10
    G. Grass, der freiwillig(!!!) als 16jähriger in eine faschistische Wehrmacht (Spezialeinheit auch noch!) eintrat und dies 60 Jahre lang verschwieg, sollte im Alter wenigstens die Weisheit erlangt haben, dass Schweigen manchmal würdevoller ist, als überall seine Hundehaufen hinzusetzen. Dass 'G 7' mal ein Wirtschaftsgipfel war, wird ihm wohl nicht geläufig sein. In seinem verschmauchten Pfeifennebel erinnert er sich lieber an pommersche Kutteln als an aktuell politische Missgriffe, wie die G7-Gipfel. Eine 'Butt'-Skulptur reicht doch nun wirklich in Göttingen, sieht scheuslich genug aus und hinkt der zeitgenössischen Kunst sowieso Jahrzehnte hinterher - so wie auch seine Graphiken allesamt keine Rolle im Kunstbetrieb spielen. Für Göttingen und Steidl reicht das Niveau. Wieso will keine andere Stadt ein Museum von Grass und wieso kauft ihm niemnd diese 'G7' Skulptur ab ? Weil keiner für so einen Quark Geld ausgeben will! Steidls PR Kampagne ist auch nur lauwarmer Dampf aus seiner Klitsche in der Düsteren Strasse. Das Geratter aus seinem Gebäude nervt die Anwohner schon lange: eigentlich müsste er schon längst ins Gewerbe-Gebiet umsiedeln. Aber so ist das nun mal hier: Ein Pups in Göttingen ist immer einen Artikel im GT wert! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Denkmal Göttinger Sieben Künstler – 05.10.10
    Bei allem Respekt:
    Das Denkmal für die Göttinger Sieben sieht wirklich so aus, als wäre es innerhalb von fünf Minuten auf ein Blatt Papier gekritzelt.Die Abkürzung G7 steht im Übrigen für die sieben führenden Industrieländer von 1976 bis 1998.
    Kann eigentlich jeder ein von ihm entworfenes Denkmal in Göttingen aufstellen lassen?
    Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein!

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Röttgen nach seiner Wahlniederlage in NRW entlassen. Wie finden Sie das?
Anzeige

Mission Olympia

Tageblatt-Volontär Michael Kerzel will abspecken und hat deshalb seine persönliche "Mission Olympia" ausgerufen. Und Sie können ihm dabei helfen – denn in Gemeinschaft funktioniert das bekanntlich am besten.

Göttinger Zeitreise

Das Portal "Göttinger Zeitreise" ist die Geschichtswerkstatt für Göttingen: Bilder, Videos und Dokumente zur Zeitgeschichte können hier veröffentlicht oder angeschaut werden.

Anzeige


Top