Nun flattern 181 Jahre später in Göttingen eher Spruchbänder gegen Abschiebung, Schönheitsideale, Umgehungsstraße und Asphaltwerk durch die Luft. Aber der Frühling scheint dennoch pünktlich zum Äquinoktium (Tag-und-Nacht-Gleiche) in Südniedersachsen angekommen zu sein. Woran man das merkt? – Natürlich am Wetter. Es schneit nicht mehr, es regnet.
„Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land...“ Richten wir unsere Nasen gen Gleichen. Da riecht es nach Ärger, nicht süß aber sehr wohlbekannt. Das Thema Schulschließung wird dort seit Jahren emotional diskutiert. Nur zwei der fünf Grundschulen bleiben langfristig erhalten. Die Notwendigkeit ist offenkundig, das Vorgehen umstritten. Kurz: Streichen ja, aber nicht bei uns. Um ein Jeder-gegen-Jeden zu vermeiden, wurden moderierte Klausurtagungen einberufen. Gleiches Recht für jeden Gleichener. Aber dass auch ein vorbildlich demokratischer Entscheidungsprozess irgendwann böse Ergebnisse bringen würde, damit konnte ja keiner rechnen. Oder doch? Die Schulen gehen, der Ärger wird bleiben.
„Veilchen träumen schon, wollen balde kommen...“ oder geholt werden. In den hiesigen Gewächshäusern litten die Frühjahrsblumen bis vor wenigen Tagen noch unter spätwinterlicher Nichtbeachtung. Jetzt werden alle Veilchen, Primeln, Stiefmütterchen und Co. von gierigen Hobbygärtnerhänden aus ihren Träumen gerissen (siehe Seite 12).
„Horch von fern ein leiser Harfenton!“ Nein, Harfen sind es nicht. Aber deutlich zu vernehmen sind an diesem Wochenende die Geigen des Almandin-Quartetts (Sonnabend, 18 Uhr in der Klosterkirche Nikolausberg), die Stimmen der „Ten Tenors“ (Sonnabend, 20 Uhr in der Stadthalle) sowie die Streichinstrumente des Kammerensembles Lapides Volventes (Sonnabend, 20 Uhr in St. Jacobi und am Sonntag, 18 Uhr in St. Martin, Geismar).
Noch vor einer Woche ging an dieser Stelle das Gespenst des Winters um. Und tatsächlich kam der Schnee zurück – und in der Folge dann noch einmal Chaos auf den Straßen der Region. Seither aber klettert das Thermometer täglich in den zweistelligen Temperaturbereich. „Winter ist fertig!“ Mit diesem weniger lyrischen als euphorischen Ausruf erklärte ein knapp Dreijähriger seinem Vater dieser Tage das Verschwinden des letzten Schneehaufens im heimischen Garten. Aber lassen wir es nochmal den Dichter sagen: „Frühling, ja du bist’s! Dich hab ich vernommen!“ – In diesem Sinne ein wunderschönes regnerisches Wochenende.
Von Markus Scharf