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Gerichtsentscheidung

Erpressungsfall: Kickboxer muss 35000 Euro an Lottogewinner zahlen


In dem Fall der mutmaßlichen Erpressung eines Lottomillionärs aus dem Eichsfeld hat es neben dem laufenden Strafverfahren eine zivilrechtliche Entscheidung gegeben. Das Landgericht Göttingen verurteilte den 29-jährigen Hauptangeklagten Wissam N. zu einer Zahlung von 35000 Euro.

Verhandlung im Landgericht: der Angeklagte soll einen Lotto-Millionär erpresst haben.

© Hinzmann

Göttingen. Gleichzeitig verfügte es die Pfändung eines entsprechenden Betrages aus den Versicherungsleistungen, die der Kickboxer und Big-Brother-Teilnehmer von seiner Versicherung nach dem Brand im Waldhaus am Södderich zu erwarten hat.

In dem Gebäude, in dem der Angeklagte nach eigenen Angaben ein Resozialisierungscamp für straffällige Jugendliche hatte einrichten wollen, war im April 2011 aus ungeklärter Ursache ein Feuer ausgebrochen. Nachdem die Versicherung zunächst nicht für den Schaden aufkommen wollte, einigte man sich auf eine Leistung von 105.000 Euro.

Der Lottogewinner, dem der 29-Jährige laut der Anklage der Staatsanwaltschaft insgesamt 425.000 Euro abgepresst haben soll, wollte sich zumindest einen Teil seiner Ansprüche dadurch sichern, dass er Zugriff auf diese Versicherungssumme bekommt.

Das Gericht hatte auf seinen Antrag hin zunächst Anfang November einen Arrestbeschluss über die gesamte Versicherungssumme von 105.000 Euro erlassen. Dagegen hatte der Kickboxer Widerspruch eingelegt, weshalb nun das Gericht über den Fall verhandeln musste. Da es sich hierbei um ein vorläufiges Sicherungsverfahren und nicht um ein Hauptsacheverfahren handelte, könnten nur in eingeschränktem Umfang Beweismittel geprüft werden, erklärte ein Sprecher.

Unstreitig sei zwischen beiden Parteien, dass der Lottogewinner – ein Bäcker aus dem Eichsfeld - dem 29-Jährigen eine Summe von 285.000 Euro überwiesen hatte. Der wegen räuberischer Erpressung angeklagte Kickboxer habe behauptet, 250.000 Euro zurückgezahlt zu haben und dazu eine entsprechende Quittung vorgelegt.

Der Kläger habe dagegen angegeben, die Quittung nur aus Angst vor dem Angeklagten unterschrieben zu haben, tatsächlich habe er das Geld nie erhalten. Im Rahmen des Arrestverfahrens habe sich nicht klären lassen, welche der beiden unterschiedlichen eidesstattlichen Versicherungen richtig sei, erklärte der Gerichtssprecher. Da in diesem Fall die Beweislast beim Kläger liege, habe das Gericht die Arrestsumme auf den Differenzbetrag von 35.000 Euro reduziert.

Der Lottogewinner kann gegen diese Entscheidung Berufung einlegen sowie in einem Hauptsacheverfahren seine Gesamtforderung von 425.000 Euro einzuklagen versuchen. Die Summe setzt sich aus den überwiesenen 285.000 Euro sowie weiteren Barzahlungen in Höhe von 125.000 Euro zusammen, die der Kickboxer dem Lottomillionär abgepresst haben soll.

Wegen dieser Vorwürfe muss sich der 29-Jährige seit Juli vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Ein Ende des Prozesses ist noch nicht abzusehen, zumal inzwischen weitere Anklagen hinzugekommen sind. Danach soll der 29-Jährige mehrfach versucht haben, für angebliche Unfallschäden von Kfz-Versicherungen Schadensersatz und Schmerzensgeld zu kassieren.

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