Die Zeit dränge, daher habe sie auch ihren Sommerurlaub eine Woche früher als geplant beendet. Die Chancen auf eine Rettung stünden nicht schlecht.
Vorrangiges Ziel sei es nun, „eine neue Gesellschaftsform für die Zukunft zu finden und gleichzeitig Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen“. Sie sei optimistisch, das zusammen mit dem Insolvenzverwalter zu schaffen und „mit der Stadt Göttingen einen neuen Zuwendungsvertrag abzuschließen“. Selbst die Schauspieler seien motiviert. „Sie wollen wieder auf die Bühne und Einnahmen einspielen“, so Schlapeit-Beck. Allerdings stehe man „unter starkem Zugzwang“, denn bis Ende August müsse man eine Lösung finden. Dann nämlich laufe die Zahlung des sogenannten Insolvenzgeldes der Arbeitsagentur als Ausgleich für den Lohnausfall an die JT-Mitarbeiter aus.
Auf keinen Fall sei es möglich, sagt Schlapeit-Beck, die jetzige Gesellschaft am Leben zu erhalten. „Die Stadt könnte dann ihre Fördermittel zurückfordern.“ Obgleich sie davon ausgehe, „dass die kommunalen Gelder zweckmäßig eingesetzt worden sind“. Oder um es etwas klarer zu formulieren: „Kommunale Gelder sind nicht veruntreut worden.“
Unterdessen sind auch aus der Politik immer deutlichere Signale zu vernehmen, die auf ein Weiterleben des JT hindeuten. Nachdem jüngst die CDU-Kreistagsfraktion in Person des Vorsitzenden Harald Noack ihre Unterstützung angekündigt hatte (Tageblatt berichtete), meldete sich jetzt die SPD zu Wort. Auch seine Fraktion sei für einen „erfolgreichen Neustart des Jungen Theaters“, erklärte Jörg Wieland, Chef der SPD im Göttinger Kreistag. Dabei sei die Frage nach Fortführung oder Neugründung jedoch nicht das entscheidende Kriterium. „Wichtig ist, dass eine anspruchsvolle Weiterentwicklung des Theaters nach dem Insolvenzverfahren möglich wird“, sagte Wieland. Parallel sei eine Aufklärung des Betrugsskandals natürlich notwendig. Allein: „Das Schwarze-Peter-Spiel führt zu nichts“.
Einer, dem einige gerne den Schwarzen Peter zustecken würden, ist Noch-Geschäftsführer und Intendant Andreas Döring. Einen konkreten Vorwurf mache er sich zwar „in keinster Weise“, hatte er vor einigen Tagen auf Anfrage gesagt. Viele Menschen seien jedoch „seelisch bestraft worden“, und er bedauere sehr, „dass das nicht zu verhindern war“. Doch selbst Döring hört sich jetzt zuversichtlicher an als noch kurz nach Bekanntwerden des Betrugsfalls. Schließlich sei der „optimistische Blick nach vorne neben der Verpflichtung zur Aufklärung Triebfeder allen Handelns“. Die „Perspektive Fortbestand“ treibe ihn an. Er könne zwar zum laufenden Verfahren nichts sagen, es werde aber in enger Abstimmung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Burghard Wegener „alles für einen Arbeitsbeginn am 2. August getan“.
Erste Ergebnisse wird Wegener den Beteiligten allerdings erst kommenden Dienstag auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung präsentieren. Vorher wollte auch er sich öffentlich nicht äußern. Es verdichten sich jedoch Hinweise darauf, welche Konten die des Betrugs verdächtige Buchhalterin geplündert haben könnte. So verriet ein Insider dem Tageblatt, dass unter anderem die Anschubfinanzierung des Landes Niedersachsen, die mindestens im mittleren fünfstelligen Bereich gelegen haben dürfte, veruntreut worden sei. Auch das Anlagevermögen der Gesellschafter, mindestens also 25 000 Euro, sei weg.
Derweil wirbt das Junge Theater bereits über verschiedene Kanäle für die neue Spielzeit und die Eröffnungspremiere am 2. September. Gespielt werden soll dann Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“.
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Kommentare
JT Floppy – 31.07.10
Erstaunlich, das ein Geschäftsführer, der den Laden nach Unstimmigkeiten in der Buchhaltung und daraus resultierender Insolvenz wieder hoch gebracht hat, es versäumt hat seine Buchhaltung zu kontrollieren.Lobenswert, das die Politik jetzt das unterschlagene Geld abschreibt. Aus Göttingen sind ja keine Fördermittel unterschlagen worden, sondenr nur aus Hannover. Ich lach mich wech!!!
Lobenswert, das sie die GmbH abwickeln, Scheiß auf die Gläubiger, und eine neue gründen wollen. Mit den alten Köpfen und wahrscheinlich in drei Jahren mit dem gleichen Problem.
Wer sich so was in der Wirtschaft leistet ist ganz schnell weg vom Fenster, oder wegen Unfähigkeit auf der Straße. Gut das es in Göttingen so einfach ist öffentliche Gelder wieder und wieder in den gleichen Löchern zu versenken. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
JT Brockenteufel – 30.07.10
Ach ja, Frau "Schlaphut- Beck" sitzt (saß) im Aufsichtsrat des JT - und hat vom Betrug nichts gemerkt??!!Wo haben denn die Aufsichtsratsmitglieder ihre Aufsichtsratversammlungen abgehalten - wahrscheinlich mit( nach) 10 Weizenbieren im JT- Restaurant oder vielleicht doch im KAZ-Keller! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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