„Eine politische Wahlbeamtin, die die Grundrechte mit Füßen tritt und die ohne Not die Verletzung der intimen Privatsphäre eines Bürgers beantragt, ist nicht länger haltbar“, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Kreistagsfraktion Reinhard Schmidt. Man fühle sich bei diesem „unfassbaren Vorgang“ an „Stasi-Zeiten“ erinnert. Ein solch schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte sei angesichts der Vorwürfe „vollkommen unverhältnismäßig“.
Ebenso sei es ein Skandal, dass das Amtsgericht dem Antrag der Kreisverwaltung entsprochen habe. In mehr als 20 Fällen habe Bundesverfassungsgericht entschieden, dass eine solche Vorgehensweise nicht einmal ansatzweise verhältnismäßig sei. Von der Kreishandwerkerschaft fordert die FDP, sich von der Vorgehensweise des Landkreises zu distanzieren. „Wir erwarten eine klare Aussage, dass die Kreishandwerkerschaft solche Methoden ablehnt.“ Bei allen Diskussionen über den Meisterzwang müsse klar sein, dass es Grenzen gibt, die nicht überschritten werden dürfen. Inzwischen bereitet die FDP nach Angaben des Göttinger Ratsherren Ben Schroeter zu den Vorgängen und der Rolle des Amtgerichts eine Anfrage im niedersächsischen Landtag.
Auch der Berufsverband unabhängiger Handwerker (BUH) kritisiert den Landkreis und wirft der Behörde vor, nicht ausreichend geprüft zu haben, „ob der seit Jahren selbstständige Sascha Arnold seine Tätigkeit vielleicht doch ganz legal ausführt“. „Ein Blick in die Handwerksordnung hätte ausgereicht“, meint BUH-Vorstand Jonas Kuckuk. Die Bundesverfassungsgerichtsurteile hätten dem Ordnungsamt als Auftraggeber der Hausdurchsuchung, spätestens aber dem Richter des Amtsgerichtes bekannt sein müssen.
„Verlust der Neutralität“
Mit seinem Vorgehen verstärke der Landkreis den Eindruck, dass „deutsche Behörden zur Schreibstube der Interessensvertretung des Meisterhandwerks“ werden. „Dabei verlieren die Ämter nicht nur ihre Neutralitätspflicht, sondern nehmen auch schwere Verstöße gegen die Grundrechte in Kauf“, sagt Kuckuk. Für besonders bedenklich und nicht zeitgemäß hält er die aktuelle Auslegung und Interpretation der Handwerksordnung. Diese führe zur „Konkurrenzbekämpfung mit illegalen Mitteln“, die dem Rechtsstaat mehr schadeten als es ein Handwerker ohne Meisterbrief auch nur ansatzweise anrichten könnte.
Grund der Hausdurchsuchungsaffäre um Sascha Arnold sind Vorwürfe, der ausgebildete Visagist habe ohne Meisterbrief Friseurtätigkeiten ausgeübt. Ihm droht nun ein Bußgeld von 2500 Euro. Auf Tageblatt-Anfrage betonte Wemheuer dass eine Hausdurchsuchung „zur Feststellung des Gesamtumfanges der begangenen Ordnungswidrigkeit“ erforderlich und verhälnismäßig gewesen sei. Sie verwies auf die „Schwere der Tat“ und den „starken Tatverdacht“. Der Besuch zweier Beamter bei Arnold sei „bürgerfreundlich in ruhiger Atmosphäre“ verlaufen.
Von Michael Brakemeier
Kommentare
HWK-Pleite auch in Rheinland-Pfalz Patricia Richert – 12.10.09
Ausser Hausdurchsuchung habe ich in zehn Jahren Ausübung meines gelernten Handwerkes als Korbmachergesellin ebenfalls alle Schikanen der HWK Mainz, der Kreisverwaltung Alzey und des Ordnungsamtes er- und überlebt. Nach einem gewonnenen Prozeß gegen die Zwangseintragung in das Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke und die entsprechenden Bußgeldbescheide (womit ich mich an dieser Stelle nochmal für die Hilfestellungen des BUH Verden bedanken und diesen wirklich wertvollen Handwerkerverein jedem in ähnlicher Situation wärmstens ans Herz legen möchte!!!) musste die HWK alle Kosten tragen. Der Prozess war ein unnötiger Bürokratiemachtkampf und ich möchte weniger denn je Mitglied in dieser Vereinigung sein, die ihre (zum Teil mit grundgesetzwidrigen Methoden eingetriebenen) Mitgliedbeiträge derart verschwendet! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenRegierung Danelski – 12.10.09
Nun ich sage nur FDP... ich war nie der Freund von FDP... aber nach allem was in den letzten Jahren erlebt habe, finde ich FDP und die Grünen auch wenn sie nicht Perfekt sind,noch immer als die Besten.Weiter SO
Bitte bitte bitte Gibt uns unsere Menschenrechte Zurück und die Mafia(HWK)sollte einfach hinter Gittern!!! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Zur aktuellen Umfrage des Göttinger Tageblatts und den Begrifflichkeiten Oliver Steinkamp, Vorstandsmitglied im BUH e.V. – 11.10.09
Die Problematik des Meisterzwangs ist unser Thema seit langem. Das Problem des Sasha A. an dieser Stelle, auch das Viel-Fronten-Spiel zwischen Kreishandwerkerschaft, Politik, und Ordnungsbehörden steht exemplarisch für viele Tausend Fälle. Es lässt sich viel dazu schreiben wie man sieht. Wir weisen darauf hin, dass das Problem nicht im Meisterbrief liegt. Wir zumindest sind keine Gegner des Meisterbriefes. Die Verfolgung von Menschen fußt vielmehr auf dem MeisterZWANG. Einen Meistertitel zu erwerben, sich damit freiwillig hervorzuheben und zu zeigen, man habe wohlmöglich besonderes geleistet, dem steht aus unserer Sicht nichts entgegen. Es gibt ja auch praktizierende Ärzte und einige haben dazu noch einen Dr.-Titel erworben. So bleibt es dem Patienten – bei uns dem Kunden überlassen zu wählen.Aber dass Kunden entmündigt, Handwerker drangsaliert und die Grundrechte ausgehebelt werden liegt eben nicht am MeisterBRIEF sondern am Zwang. Es gäbe noch viel zu schreiben, wir beschränken uns an dieser Stelle auf diesen Aspekt und wünschen Sasha alles Gute und die Wiederherstellung seiner Würde, Der Kreishandwerkerschaft ein tiefes Durchatmen und ein Aufkeimen von Toleranz und Rechtsstaatlichkeit. Oliver Steinkamp für den BUH e.V.
Mehr zu unseren Standpunkten auf www.buhev.de
Bitte an die Redaktion: Dieser Kommentar sollte unter der Umfrage stehen, vielleicht ist Ihnen es möglich das zu ermöglichen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Sasha Arnold Hausdurchsuchung – 10.10.09
Die Wohnungs - Ladendurchsuchung war nicht bürgerfreundlich und schon gar nicht in ruhiger ruhiger Atmosphäre gewesen.Wir können mal eine Haus - und Bürodurchsuchung beantragen, dann wissen Sie mal wie sowas ist. Nämlich furchtbar.
So eine Unverschämtheit. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Was die Handwerkskammer betrifft Michael Pramann – 09.10.09
Der Präsident der Handwerkskammer Hildesheim hat zum 01.11.2008 sein Fleischerei-Fachgeschäft aufgegeben.Ich bin dabei der Sache auf den Grund zu gehen.
Lt. Wandwerksordnung muss ein Vollversammlungsmitglied, also auch der Präsident, ein selbstständiges Handwerk ausüben, soweit ich informiert bin.
Dies scheint momentan nicht der Fall.
Die HWK Hildesheim behauptet zwar, dass Herr Herbst sein Amt als Präsident rechtmässig ausübt, aber ich habe Grund zu der Annahme, dass dies eben nicht so ist.
Ich werde darüber informieren.
beachte: www.kammerwatch.de
www.bffk.de
www.buhev.de
in diesem Sinne,
Michael Pramann
Tischlermeister
Zwangsmitglied der Handwerkskammer Hildesheim Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Handwerkskammer erwirkt Hausdurchsuchungen K.-H.Becker – 09.10.09
Ich beantrage braune Uniformen mit schwar-weiß-roten HK-Emblemen auf der Brust für alle Handwerkskammer-Angehörige, damit wir diese auch öffentlich besser erkennen und mit Hackenschlag und erhobenem Arm freundlichst und ehrfurchtsvoll grüßen dürfen. Jawoll! Recht und Ordnung müssen wieder her! Wo driftet Deutschland wieder hin? Oder waren "Wir" nie anders?K.-H.Becker Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
sehr kurios Michael Pramann – 09.10.09
Die Wiederholung meines Kommentars vom Vortag:Quelle www.buhev.de Das Amtsgericht Braunschweig hat die Kreishandwerkerschaft Wolfsburg und Ex-Geschäftsführer Karl-Heinz Duwe wegen Schwarzarbeits-Verstößen verurteilt. Duwe muss 4080 Euro, die Handwerkerschaft 3060 Euro zahlen. Im Februar 2005 hatte der Zoll überraschend die Räume der Handwerkerschaft gefilzt.
2005
Siehe auch:
http://www.buhev.de/2005/02/pm-khs-wolfsburg-050206.html
und
http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2160/artid/904212
Michael Pramann
Tischlermeister
Eschershausen Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Kritik an Dezernentin no name – 08.10.09
Ich halte nichts von der FDP, aber was diese Dame schon an Unsinn verzapft hat und das schon oft bundesweit den LK Göttingen in Verruf gebracht hat, das ist schon erstaunlich.So jemand, der die Flexibilität eines deutschen Panzers hat, der gehört wirklich eher ins Archiv. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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