Erste Reihe: Im WM-Village in der Lokhalle ist die Stimmung schon kurz nach Anpfiff prächtig.
Es gibt tatsächlich Menschen, die sich nicht für das Treiben auf südafrikanischem Rasen begeistern und in den schwarz-rot-goldenen Trubel einreihen. Ihre Prioritäten heißen Minigolf statt Mittelfeld, Tanztee statt Torwart, Freibad statt Freistoß. Dennoch – man muss sie schon suchen, denn allerorten herrscht fast flächendeckend Fußballfieber.
„Fußball interessiert uns nicht die Bohne“, sind sich Sibylle Meyer und Yvonne Demdek einig. Die beiden Frauen genießen, dass im Naturerlebnisbad Grone so schön viel Platz ist. Hoch im Kurs stehen bei hochsommerlichen Temperaturen Aktivitäten im Freien. Janina Farrenkopf etwa radelt mit ihrer Familie um den Kiessee: „Gerade mit kleinen Kindern ist es wichtig, rauszugehen“, begründet sie.
Philipp Jülke und Juan Gallardo haben auf der Schillerwiese zwischen zwei Bäumen ein Seil gespannt und üben das Balancieren. Nicht, dass Fußball sie nicht interessiere, sagt der 28-jährige Jühlke, „aber bei dem schönen Wetter…“ Und der 24-jährige Mexikaner Gallardo ergänzt: „Ich gucke erst heute Abend, wenn Mexiko spielt.“ Wenige Meter weiter haben es sich Alexander Cloos, Robert Wietzke und Hündin Emma auf einer Picknickdecke bequem gemacht. „Bei uns im Wohnheim ist das Kabelfernsehen ausgefallen“, sagt Cloos. Aber bei diesem schönen Wetter sei das nicht sehr schlimm, denn „da muss man sich ja nicht vor den Fernseher setzen“, fügt Wietzke hinzu. „Ich kann ja das Spiel im Radio verfolgen“, meint Erwin Rohr gelassen. Er sitzt mit Frau Gudrun und Sohn Lars in seinem Kleingarten und genießt die Sonne. „Kein großes Interesse an Fußball“ lautet der Grund, warum Christa Gerault sowie Tochter Nicole und Schwiegersohn Stefan Borchers lieber Minigolf spielen, als sich das Deutschlandspiel anzusehen. Nicole Gerault ergänzt: „Wobei ich es schon toll finde, dass bei solch positiven Ereignissen wieder die deutsche Flagge gezeigt wird.“
Lieber zum Tanztee im Luisenhof statt beim Fußball vor dem Fernseher mitfiebern – das haben sich Ursula und August Freerk gedacht. „Das regt uns so auf“, sagt die 70-Jährige lachend, bevor ihr 74 Jahre alter Mann sie weiter im Takt über die Tanzfläche führt.
In der Sauna an der Eiswiese entspannt sich derweil Sabine Georg. Eigentlich sei sie ja Fußballfan, gesteht sie. Das Achtelfinalspiel der deutschen Mannschaft schaue sie aber nicht an, „weil ich abergläubisch bin. Das letzte Mal, als ich geguckt habe, sind sie rausgeflogen“. Schließlich verzichtet auch Familie Nägele und Schröter aufs Spiel. Vater Matthias, Mutter Sibille und die Kinder Jasmin und Flint haben nämlich gerade das letzte Gepäckstück im Kofferraum verstaut. „Wir fahren nach Dänemark in den Urlaub“, freut sich die Tochter, und Papa Schröter ist sich sicher, während des Achtelfinalspiels „ziemlich freie Straßen“ zu haben.
Ziemlich freie Straßen gab es aber auch in Göttingen. Zumindest während des Spiel. Kaum ein Auto verirrte sich etwa in die Bürger- oder Berliner Straße. Ein komplett anderes Bild bot sich dann nach dem 4:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft über die Engländer. Hupende Autokolonnen schoben sich über die Hauptverkehrsstraßen der Stadt. Vor allem auf der Berliner Straße geriet der Verkehr häufiger ins Stocken: Fans aus der Lokhalle auf dem Weg zur Siegesfeier am Gänseliesel blockierten immer wieder die Fahrbahn.
Zuvor glich die Innenstadt einer einzigen großen Public-Viewing-Fläche. Kaum ein Wirt, der bei dem Super-Sonnenwetter nicht ein Fernsehgerät vor seine Kneipe gestellt hatte. Dem Hype um die Paarung England gegen Deutschland entgehen? Das war zumindest in der Innenstadt nicht möglich. Spätestens dann nicht, als die siegestrunkenen Fußballfans und das feierwütige Partyvolk aus allen Richtungen zum Alten Rathaus strömten. Einen Wermutstropfen gab es für sie allerdings: Ihre Einpeitscher mussten unten bleiben. Die Polizei hatte den Brunnen abgesperrt.
Von Michael Brakemeier und Britta Eichner-Ramm
Kommentare
WM aus normalo – 08.07.10
Gelöscht: Doppelpost, tol. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden@Janina "Rasfahren am Kiessee"??? AU – 29.06.10
Gaaanz schlecht GT und Janina. Radfahren am Kiessee trotz Schildern, die das ausdrücklich untersagen?? Naja, vielleicht werden bei der WM ja auch die Nichtkucker etwas wirre.. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenschlalalalagehirnausschalalalala Fido – 28.06.10
der hier freut sich auch!!====>
http://media.de.indymedia.org/images/2010/06/285068.jpg Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
IMMER DIESE ÜBERFÄLLE fightforjustice – 28.06.10
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Super, England rausgeschmissen...hoffentlich haben die Feiernden unserem Pipi dauernörgler nun auch mal nen ordentlichen Haufen vor die Tür gesetzt... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben
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