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Nach Jahrzehnten Brief entdeckt

Flaschenpost gefunden: Grüße aus der DDR

Verblasst und verschwommen ist die Schrift auf dem vergilbten Zettel. Geschrieben wurde er wahrscheinlich im Jahr 1977, vielleicht auch 1987. Fest steht, dass damals ein elfjähriger DDR-Bürger namens Marko einen Brieffreund suchte und die Botschaft per Flaschenpost befördern wollte. Erst Jahrzehnte später erreichte sie einen Adressaten: Der neun Jahre alte Youri hat die Botschaft in der Göttinger Leineaue gefunden.

Am Leineufer fündig geworden: Yule, Youri und Silke Marhauer mit der Flaschenpost.

© Hinzmann
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Marko Bode heißt der junge Thüringer, der noch zu DDR-Zeiten in dem Örtchen Lutter bei Heiligenstadt seine Nachricht der Leine oder einem ihrer Zuflüsse anvertraute. In deren Fluten verschwand die Flaschenpost viele Jahre. „Die hat sich vermutlich irgendwo verhakt“, glaubt Silke Marhauer, Mutter des neunjährigen Youri, „und ist dann erst in diesem Winter mit dem Hochwasser wieder freigekommen.“ Weit schwamm die Flasche allerdings nicht: Sie kam nur bis Göttingen.
Beim jüngsten Familien-Spaziergang war es Youri, der beim Spielen mit Schwester Yule und deren Freundinnen die geheimnisvolle Flasche in einem Treibguthaufen gleich neben dem Flussufer entdeckte. „Ich wollte einen der Stöcke herausziehen, um Eiszapfen von der ICE-Brücke zu schlagen, und da habe ich sie gesehen“, erzählt der Göttinger Schüler. Durch das bräunliche Glas schimmerte eine kleine Papierrolle. Neugierig nahm Youri seinen Fund mit nach Hause. „Das war wie eine Schatzsuche“, erzählt der Neunjährige.

Verschlossen war der gläserne Transportbehälter mit einem Sektkorken aus Plastik, der so fest saß, dass Youris Vater Herbert Maibohm die Flasche über dem Mülleimer zerschlagen musste, um an ihren geheimnisvollen Inhalt zu gelangen. Der erste Eindruck von dem Brief: „Er war ganz nass und roch nach Alkohol“, sagt die fünfjährige Yule. „Die Flasche war wohl eine alte Sektflasche“, erklärt ihre Mutter. Die Notiz war nur mühsam zu entziffern. Sie enthielt als Datum den 3. Januar mitsamt der nicht eindeutig zu klärenden Jahresangabe, den Namen des Schreibers Marko Bode, dessen exakte Adresse in 5631 Lutter „im Kreis Heiligenstadt“ und seinen Wunsch, einen Brieffreund zu finden.

Fasziniert von dem Gruß aus einer vergangenen Zeit, verfasst vor der Wiedervereinigung, hat die Göttinger Familie versucht, über das Telefonbuch und das Internet den damals elfjährigen Absender aufzuspüren. Bislang allerdings erfolglos. „Wir haben ihn unter der angegebenen Adresse nicht gefunden“, sagt Marhauer. Aber die Familie will weitersuchen. Vielleicht kann Youri aus Göttingen ja doch noch irgendwann einen Brief an einen mittlerweile erwachsenen Marko Bode schreiben.

Von Kathrina Klocke


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