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„Harzkreis-West“ als Gegengewicht

Göttingens Landrat lehnt große Regionslösung weiter ab

Von Gerald Kräft

Der scheidende Landrat Reinhard Schermann (CDU) lehnt weiter einen Großkreis in der Region ab und plädiert dafür, die Bildung eines Harzkreises-West als „Gegengewicht“ zum Harzkreis in Sachsen-Anhalt in Erwägung zu ziehen.

Göttingen . Im Gutachten zur Gebietsgestaltung habe Prof. Joachim Hesse die „kleine Lösung“ mit den Kreisen Northeim und Osterode empfohlen. Es sei daher unzutreffend zu behaupten, der Gutachter spreche sich für eine „Großkreislösung“ als Stufenmodell aus, erklärte Schermann gestern.

In der Öffentlichkeit werde der Eindruck vermittelt, dass der Gutachter einen Großkreis mit dem Landkreis Göttingen nahe lege, so der Landrat. In seiner Zusammenfassung führe Hesse aus, „Ob und wann … die Großräumigkeit angestrebt werden soll, … muss offen bleiben“. Der Verwaltungschef bedauerte, dass offenbar eine politische Entscheidung der neuen rot-grünen Mehrheit im Kreistag zur Großkreisbildung getroffen worden sei. Dazu hätte es des rund 100 000 Euro teuren Gutachtens nicht bedurft, Steuergelder seien unnötig verbrannt worden.

Der Kreis Göttingen ist mit 260 000 Einwohnern als fünftgrößter Kreis in Niedersachsen nach Schermanns Auffassung allein stark genug und zukunftssicher. Bei einer Fusion hätten die Bürger die Lasten und Probleme der Nachbarn mitzutragen. Die Pro-Kopf-Verschuldung mit 1000 und 1400 Euro in den Nachbarkreisen und 400 Euro im Landkreis Göttingen würde verstärkt, Personalkosten stiegen, Bürgernähe ginge verloren, die Identifizierung mit der Heimatregion leide, strukturelle und ökonomische Probleme würden nicht gelöst. Deshalb begrüße er das Aufzeigen eines „dritten Weges“ durch die Hesse-Empfehlung, einer „Zukunftsinitiative Südniedersachsen“ unter Einbindung des Landes. Vorbild sei zum Beispiel der Emslandplan.

Das Emsland sei heute eine prosperierende Region. Größe sei kein Garant für Leistungsfähigkeit und Erfolg. Die Fusionsgespräche des Landkreises Goslar mit Gemeinden im Kreis Osterode bestätigten ihn in seiner Einschätzung, dass große Teile der Bevölkerung aufgrund enger Verflechtungen sich dem Harz zugehörig fühlten. Der Kreis Osterode am Harz sei historisch ohnehin ein künstliches und willkürliches Gebilde. Der noch bis Ende Oktober in Osterode amtierende Landrat Bernhard Reuter (SPD) hatte den Goslarer Kreistagsbeschluss zu Fusionsgesprächen als Affront und Aufspaltungsversuch von außen abgelehnt.

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