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Hesse rät zur schnellen Vereinigung von Osterode und Northeim

Gutachter gegen große Kreis-Fusion

Von Ulrich Schubert

Für den großen Zusammenschluss mit dem Landkreis Göttingen sei die Zeit noch nicht reif. Zunächst müssten Stadt und Landkreis Göttingen besser zusammenzuarbeiten und an einem Strang zu ziehen. Die Kreise Northeim und Osterode hingegen würden von einer sofortigen „kleinen“ Fusion profitieren.

Sollen stärker kooperieren: Göttinger Rathaus und Kreishaus.

© CH

Göttingen / Northeim / Osterode. Das sind die Kernaussagen des mit Spannung erwarteten zweiten Hesse-Gutachtens. Gestern stellte der Staatswissenschaftler Joachim Jens Hesse in Göttingen erste Ergebnisse vor.

Im Auftrag der Kreise Northeim und Göttingen sollte Hesse prüfen, wie sich die schwache Region Südniedersachsen besser entwickeln könne. Zuvor hatte der Wissenschaftler im Auftrag des Landes die Kommunalstrukturen in Niedersachsen begutachtet. Jetzt liege eine „Ergänzungsuntersuchung mit Zusatzfragen“ aus Osterode und der Stadt Göttingen vor.

Seit langem wird zwischen Harz und Münden über mögliche Fusionen oder gar eine verfasste Region nach dem Vorbild Hannover diskutiert. Vor der Kommunalwahl verschärfte sich Debatte. Politiker aus Stadt- und Kreistagen sowie aus den Umlandgemeinden ließen sich gestern von Hesse erste Ergebnisse erläutern. Zugänglich ist das 371-Seiten starke Gutachten ab heute.

Darin plädiert Hesse für ein Stufenmodell: im ersten Schritt die „kleinen Fusion“ von Northeim und Osterode und eine bessere Zusammenarbeit von Stadt und Kreis Göttingen. Schrittweise müssten dann überall viele „Hausarbeiten“ gemacht werden, um „regionale Disparitäten“ aufzulösen. Erst am Ende eines langen Prozesses könnte die „große Fusion“ aller Kreise stehen. Hesses dritte Variante: alles bleibt beim Alten. Das aber reiche nicht aus, um den Herausforderungen zu begegnen. Eine Regionsbildung wie in Hannover lehnt Hesse ab, ebenso Kreisfreiheit für Göttingen. Die Stadt müsse allerdings finanziell besser ausgestattet werden, um den jährlichen Geld-Streit mit dem Kreis zu vermeiden.

Dass Handlungsbedarf bestehe, sei unverkennbar, so Hesse. Alle drei Landkreise seien zwar lebens-, aber nur eingeschränkt zukunftsfähig. Während der Landkreis Göttingen „über ein beträchtliches Entwicklungspotenzial“ verfügt, gelte dies „nur eingeschränkt“ für den Kreis Northeim und „nur noch sehr bedingt“ für den Kreis Osterode. Alleine seien Northeim und Osterode „nicht mehr lebensfähig“. Die Potenziale in Göttingen macht Hesse an einem „sich dynamisch entwickelnden Oberzentrum“ (der „Glitzerstein“ der Region) und an einer „innovativen Kreisarbeit“ fest.

Problematisch sei eine fehlende regionale Identität und Wahrnehmung im gesamten Raum. Südniedersachsen trete „sehr kleinteilig“ auf und stehe damit hinter anderen Landesteilen weit zurück. Dieser Bereich „hat einfach keine gemeinsame Stimme“, sagt Hesse. Der dafür einst gegründete Regionalverband und die auf Wirtschaftsförderung ausgerichtete Südniedersachsenstiftung „blockieren sich eher wechselseitig“. Hesse schlägt eine gemeinsame Zukunftsinitiative vor, eine „regionale Klammer, um regionales Denken zu verschärfen“.
Für das Gutachten hätten die beiden Auftraggeber jeweils 40 000 bis 45 000 Euro bezahlt, so Hesse. Für später formulierte Zusatzfragen würden weitere 10 000 Euro berechnet.

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