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Einrichtung für Obdachlose bedroht

Heilsarmee-Wohnheim steht vor der Schließung

Von Jörn Barke

Dem Männerwohnheim der Heilsarmee in der Unteren-Masch-Straße, seit Jahrzehnten Übernachtungsmöglichkeit für Obdachlose, droht die Schließung.

Bietet seit 40 Jahren ein Obdach für Wohnungslose: Männerwohnheim der Heilsarmee in der Unteren-Masch-Straße.

© Hinzmann

Wenn die Belegungszahlen nicht bald wieder anstiegen, werde die Einrichtung zum Jahresende aufgegeben, sagt Heimleiterin Esther Gulde, die das Haus gemeinsam mit ihrem Mann Klaus führt. Einen Grund für die Schwierigkeiten des Hauses sieht sie in der verschärften Sozialgesetzgebung. So würden Hartz-IV-Empfänger nicht mehr langfristig bei der Heilsarmee untergebracht, sondern schnell in die städtische Notunterkunft oder die üblichen verrufenen Miethäuser in der Stadt gedrängt. Zudem würden die Bedürftigen stark dazu gedrängt, sich zumindest für einige Stunden am Tag für arbeitsfähig zu erklären.

Ein Platz im Heilsarmee-Heim sei zwar teurer als die anderen Möglichkeiten, dafür gebe es aber auch eine Vollverpflegung und vor allem eine soziale Betreuung und eine Tagesstruktur, erklärt Gulde. Der wohungslose Richard Brox, der eine eigene Internetseite zu Obdachlosenunterkünften betreibt, stellt dem Göttinger Heilsarmee-Wohnheim jedenfalls sehr gute Noten aus – ganz im Gegensatz zur städtischen Notunterkunft.

Stadt und Landkreis Göttingen verweisen darauf, dass eine Unterbringung bei der Heilsarmee die Miethöchstgrenzen überschreite. Unter den Bedingungen der Hartz-IV-Gesetzgebung können keine Sicherung des Heimes erfolgen, so Kreis-Sozialdezernent Franz Wucherpfennig. Sowohl Stadt als auch Kreis verweisen auf laufende Verhandlungen über die Kostenfrage – die Heimleitung hat ein neues, wesentlich günstigeres Angebot vorgelegt.

Ein Ausweg könnte zudem die verstärkte Belegung des Heimes mit Hartz-IV-Empfängern, die bereits Rente beziehen, sein. Doch hier ist es der Einrichtung noch nicht gelungen, zusätzliche Bewohner zu gewinnen. In den vergangenen Jahren habe es auch einige Probleme im Haus gegeben, merkt Gulde, die mit ihrem Mann vor rund einem Jahr die Leitung übernommen hat, selbstkritisch an. So gehört ein ehemaliger Heimleiter mittlerweile nicht mehr der Heilsarmee an.

Wenn sich die Lage nicht ändert, werde die Heilsarmee den Mietvertrag für das Gebäude mit der Stadt zum Jahresende kündigen, sagt Gulde. Damit würden auch sieben Angestellte in die Langzeitarbeitslosigkeit entlassen.
Ein Ende des Heilsarmee-Heimes würde zugleich das Ende der 110-jährigen Geschichte der Freikirche in Göttingen bedeuten. Denn die Göttinger Gemeinde der für ihr soziales Engagement bekannten Freikirche wurde bereits vor einigen Jahren aufgelöste. Gottesdienste finden vor allem in Kassel statt, wohin das Ehepaar Gulde mit dem Auto fährt – und dabei nach eigener Aussage auch stets ein paar Bewohner mitnimmt.

Das Männerwohnheim wird seit 1971 in der Unteren-Masch-Straße 13 b betrieben. Mit seiner Schließung würde die einzige Einrichtung der für ihr soziales Engagement bekannten Heilsarmee in Niedersachsen aufgegeben. Und die Stadt als Eigentümerin müsste sich überlegen, was sie mit dem in den vergangenen Jahren teilweise renovierten Haus anfangen will.

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