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200 Gäste im Ausschuss

Hitzige Debatte um Schulschließung

Für die Zukunft der fünf Gleichener Grundschulen zeichnet sich eine Grundtendenz ab: Langfristig wird es in der Gemeinde nur noch zwei Schulstandorte geben – neben Kerstlingerode einen im Westteil der Gemeinde.

Reges Interesse: Diskussion der Gleichener Schulpolitiker mit 200 Zuhörern in der Reinhäuser Mehrzweckhalle.

© Fädrich
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Der Weg dahin wird aber flankiert von einem großen Streit: Welcher Standort bleibt erhalten, wenn die Schulen in Diemarden und Reinhausen im ersten Schritt zusammengelegt werden? Bis Mitternacht diskutierten am Mittwochabend die Mitglieder des Schulausschusses des Rates und fast 200 Gäste – streckenweise sehr emotional – über verschiedene Partei-Anträge und das Verfahren insgesamt.
Vor allem Reinhäuser äußerten immer wieder ihren Unmut über den einen Vorschlag der Fraktionen von CDU/FDP, Grünen und BsP. Weil immer weniger Kinder eingeschult werden, wollen sie 2011 als ersten Schritt zu einer neuen Standortstruktur die Grundschulen Diemarden und Reinhausen am Standort Diemarden zusammenlegen. Ihre Argumente für Diemarden: Die Schule liege zentral. Sollten später weitere Schulen geschlossen werden, gebe es nur dort genug Platz für einen An- beziehungsweise Neubau. Bei ihren Argumenten gegen Reinhausen bezieht sich die Gruppe auf Ergebnisse aus drei Klausurtagungen unter Moderation des Pädagogikprofessors Hermann Veith und dort zusammengetragenen Daten. Danach sei Reinhausen zwar die größere Schule, aber nicht behindertengerecht und vor allem „zu teuer“.

Kommentar von Ulrich Schubert 

Chance vertan

Schade. Ein vorbildlich organisierter Entscheidungsprozess jäh abgerissen, Chance vertan. Schulthemen sind heikel, Schulschließungen grundsätzlich emotional behaftet. Welches Dorf, welche Eltern und welches Lehrerkollegium gibt schon ohne Tränen seine Schule her. Darum müssen die Entscheidungsträger bei jedem Schritt äußerst sensibel agieren, selbst wenn allen klar ist, dass langfristig nicht alle Schulen gehalten werden können. Keine Schule darf am Ende als vermeintlich schlechtere da stehen, kein Dorf als Verlierer. Ein schwerer Weg.

Nach unglücklichem Start mit geheimem Arbeitskreis, unzureichenden Zahlen, vielen Gerüchten und Elternprotesten hatte Gleichen in diesem Winter doch noch einen guten Weg eingeschlagen: mit neutral moderierten Tagungen auf politischer Ebene und einem von Eltern organisierter Workshop. Und mit der klaren Vereinbarung, dass es am Ende nur eine Entscheidung mit breitem Konsens geben darf, in die alle Betroffenen mit einbezogen wurden. Diesen Weg haben mehrere Ratsparteien ohne Not wieder verlassen. Damit haben sie ihrem eigenen Lösungsvorschlag und dem Frieden in der Gemeinde geschadet. Schade.

Genau diese Einschätzung weisen Reinhäuser und die SPD zurück – und beziehen sich ebenfalls auf die Klausur-Ergebnisse. Veith hatte daraus die Empfehlung gezogen, Reinhausen als Fusionsstandort zu halten. Die große Gruppe missachte unbegründet das Ergebnis der Klausur, die Analysen des Experten und den erklärten Elternwillen aus einer Zukunftswerkstatt. Der Antrag sei in sich widersprüchlich, weil er zum Beispiel zwangsläufig auf einen Neubau in Diemarden hinauslaufe, wenn schrittweise auch die anderen Schulen geschlossen werden müssen. Das sei unter dem Strich teurer und blute langfristig Kerstlingerode aus. Das Ergebnis sei eine alleinige Schule für Gleichen – ein Wunsch der Grünen. Auch CDU-Ratsfrau Ursula Köwing aus Reinhausen distanzierte sich vom Antrag der eigenen Partei. Der CDU-Ehrenvorsitzende Alfred Seufer warf ihr als Zuschauer gar vor, „diktatorisch“ ohne Meinungsabfrage beim Ortsverband eine Schule schließen zu wollen.

Die Rats-SPD und der Ortsrat Reinhausen lehnen eine Fusion der Schulen nicht grundsätzlich ab. Sie fordern aber zunächst eine offene Diskussionsrunde mit der Öffentlichkeit und mehr konkrete Daten. Ihr Vorschlag, einen Arbeitskreis auch mit Eltern-, Schul- und Kita-Vertretern einzurichten, wurde angenommen. Ebenso die Anregung, Nutzungspotenziale und Kosten der beiden Schulen sowie eines Neubaus von Architekten ermitteln zu lassen. Der Antrag von CDU/FDP, Grünen und BsP wurde bei Stimmengleichheit abgelehnt. Ob sich dieses Votum in der Ratssitzung bestätigt, ist offen. Denn im Schulausschuss haben auch beratende Mitglieder Stimmrecht. Im Rat entscheiden allein die Politiker – und das Antragsbündnis bildet dort eine Mehrheit.

Von Ulrich Schubert


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