Ilse Stein
Argumentationen von links bis rechts – natürlich stets anonym. Was ganz selten erwähnt wurde: Dieser Durchsuchung vorangegangen war ein Sprengstoffanschlag auf eine Teeküche im Bürohaus des Landkreises. Wobei ein Mitarbeiter verletzt worden ist. Was ebenfalls kaum bedacht wurde: Es hätte noch schlimmer ausgehen können. Mit diesem Attentat (vermutlich sollte er ein „Zeichen setzen“ gegen die „Ausländerfeindlichkeit des Kreises“ ) sind Menschen vorsätzlich in Gefahr gebracht worden. Nichts, aber auch gar nichts, legitimiert zu solchen Gewalttaten. Dass den Tageblatt-Redakteuren (anonym natürlich wieder) ebenfalls mit Gewalt gedroht wurde, passt in dieses unschöne Bild nur allzu gut hinein.
Während es also in der virtuellen Welt heiß herging, war es in der echten umso kälter. Schulfrei wegen Glatteis auf den Straßen – das hatten wir schon lange nicht mehr. Wobei sich die Verantwortlichen noch mal Gedanken machen sollten über ihre Meldekette in einem solchen Katastrophenfall. Nur dank des Anrufes des städtischen Pressesprechers spät am Dienstagabend ging die Meldung „Alle Schulen geschlossen“ noch beim Tageblatt ein und wurde gedruckt. Zeitgleich hatte ein Kollege die Nachricht zu Hause (aus Schulkreisen) erhalten – und als Eilmeldung auf unsere Internetseite eingetragen. Zum Thema Glätte ist da wohl etwas nicht so ganz glatt gelaufen.
Während die Schüler in Stadt und Kreis nun am Mittwoch jubelten, gab es in der Jugendarbeit der katholischen Kirche in diesen Tagen verdüsterte Gesichter. Dass ein Pater in Göttingen in den 80er Jahren tätig war (in der Jugendarbeit), der Jugendliche und Kinder missbraucht haben soll – und inzwischen abgetaucht ist, das hat all die erschüttert, die ihn kennenlernten oder mit ihm zusammengearbeitet haben. Nicht einmal die Tatsache, dass dieser Mann, durch einen Messerangriff verletzt, sich vehement wehrte, die Polizei rufen zu lassen, hat damals irgendjemanden stutzig werden lassen.
Da wechseln wir lieber schnell die Blickrichtung: ins katholische Eichsfeld, wo derzeit besonders intensiv Karneval gefeiert wird. Sogar mit einem Sohn des Vorzeige-Karnevalisten Kölner Prägung, Willy Millowitsch, der dort inzwischen das Schunkeln trainiert. Während in Göttingen, wie stets, die beiden örtlichen Jecken-Vereine ein eher stiefmütterliches Dasein fristen. Selbst die wenigen Iren in der Stadt werden demnächst im März zum St. Patricks Day mehr Leute zum Umzug durch die City bringen, als die Göttinger Freunde des formalisierten Frohsinns. Wie heißt der ständige Spruch in den Redaktionskonferenzen doch so passend: „In Göttingen ist eben immer alles anders.“ Weshalb der Kinderkarneval des Tageblattes denn auch auf der Eisbahn in Nörten-Hardenberg stattfindet – kommenden Freitag, 12. Februar, geht es dort um die schönsten Kinder-Kostüme. Viel Vergnügen und Helau.
Für die Redaktion hat der kommende Freitag eine andere Bedeutung: Der letzte Neujahrsempfang des Jahres 2010 ist angesagt, dachten zumindest die Groner. Denn Mitte der Woche kam angeblich nun wirklich die letzte Einladung für einen Neujahrsempfang: des Ortsrates Holtensen für den 26. Februar. Wenn dieser Wettbewerb der Ortsteile weitergeht, werden wir in 2011 den allerallerletzten Empfang vermutlich kurz vor Ostern erleben dürfen.
Ilse Stein
Kommentare
Ilse lV. – 06.02.10
"Ilse Stein schwärmt. Der Journalist von morgen, sagt sie, müsse nicht alles können, aber er müsse mehr können als bisher."In diesem Punkt stimme ich Ihnen, im Gegensatz zu ihrer üblichen Berichterstattung, absolut zu Frau Stein. Fangen Sie bei sich selber an! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Korrektur Dieter Quandt – 06.02.10
es soll natürlich heissen: Berichten SIE BITTE journalistisch korrekt Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentarschlacht Dieter Quandt – 06.02.10
Liebe Frau Stein,ich gratuliere Ihnen zur Eröffnung einer weiteren Kommentarschlacht! Ich gratulieren in weiter zur Festigung journalistischer Inkompetenz. Die Berichterstattung des GT um die Hausdurchsuchung war schlicht erbärmlich, aber immerhin entfernt von dem, was das HNA bot. Dort als Leser vergrault geben Sie Ihr bestes selbiges zu erreichen. Statt Schadensbegrenzung liefern Sie den kritikern Ihres Blattes, offenbar zurecht, neues Material. Berichten journalistisch korrekt, also recherchierend a) über die rechtlichen Umstände der Hausdurchsuchung b) beteiligen Sie sich an der Klärung, ob es sich hier um ein "Attentat" handelt c)gehen Sie auf die an anderer Stelle überzeugend argumentierten Sachverhalt zum Einsatz der Mantrailer-Hunde ein.
Ich bin erstaunt über die Redaktion des GT, die es nicht schafft, ihre journalistische Aufgabe zu erfüllen. Diese besteht übrigens nicht in der Beseitigung störender Kommentare.
D. Quandt Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
frau stein andreas hollerbaum – 06.02.10
um es ihnen mal mit meinem namen ins ins gesicht zu sagen:sie sind ja noch schlimmer als ich dachte ! ...jurnalistin... tze, tze Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Frau Steins GT-Leser – 06.02.10
Während Frau Stein mal wieder mit vorauseilendem gehorsam von einem nicht bewiesenem "Sprengstoffanschlag" schreibt haben ihre Kollegen vom "Spiegel" indessen schon 2008 die Tücken beim Einsatz von Mantrailing Hunden thematisiert:http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,561517,00.html Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
+ *n – 06.02.10
Komisch auch, das noch nicht mal berichtet wurde das die Container letztens NICHT von den LINKEN sondern von irgendwelchen anderen zwei Herren angezündet wurde. Das hat die Woche unser Polizeichef bekanntgegeben! Diese sitzen auch in U-Haft u haben keinen linken Hintergrund. Ist natürlich klar das sowas nicht vom GT berichtet wird.... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenFrau Stein mal wieder Buerger – 05.02.10
Nicht nur für angemessene Formen von Trauer, nein, auch für Kausalitäten ist immer noch Frau Stein zuständig, wie üblich in der ihr ganz eigenen schlichten Prosa. Anstatt einmal kritisch nachzufragen, wo denn nun die Details zum angeblichen Anschlag bleiben, wieso Mantrailing-Spürhunde, die auf Hautschuppen trainiert sind, eigentlich bei Wohnungstüren aber nicht bei Personen anschlagen, wieso es eine E-Mail der Stadt bzgl. eines explodierten Wasserkochers gibt - geschenkt. Moralische Entrüstung macht sich doch viel besser und passt auch besser ins eigene Weltbild. Das GT hat in dieser Hinsicht schließlich eine stolze Tradition zu verteidigen. Und sollte sich doch rausstellen, dass es kein Anschlag war, kann man sich immer noch auf die Seifenkiste stellen und sagen, man hat es schon immer gewusst. Zum Glück gibt es Google News, das einen schnell zur nächsten überregionalen Zeitung leitet, wo tatsächlich noch so etwas wie Recherche stattfindet. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben