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Bahngebäude

Islam-Verein greift Stadt an

Von Matthias Heinzel

Die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung hat das alte Sozial- und Verwaltungsgebäude der deutschen Bahn an der Güterbahnhofstraße gekauft und es damit einem anderen Käufer, dem Göttinger Verein Al-Taqwa/Islamisches Kulturzentrum, vor der Nase weggeschnappt. Al-Taqwa-Chef Mohamed  Mansour Al-Masri wittert Verrat und Antiislamismus.

An die GWG verkauft: das frühere Verwaltungs- und Sozialgebäude der Bahn.

© Hinzmann

Göttingen. Schon lange hatte sich Mansour Al-Masri darum bemüht, Al-Taqwa zu einer neuen Bleibe zu verhelfen. Zurzeit ist der Verein in einer wenig attraktiven Industrie-Immobilie an der Weender Landstraße untergebracht. Als die Bahn ihr altes Sozialgebäude per Ausschreibung verkaufen wollte, gab Mansour Al-Masri laut Mitteilung der Bahn vom 31. August 2011 mit 300 000 Euro das höchste Gebot ab. Ihm wurde die Übersendung eines Kaufvertragsentwurfs und der Besitzübergang des Grundstücks „bis Ende 2011“ in Aussicht gestellt. Damit war für den Verein alles klar, zumal die Stadt am 25. August einen Bauvorbescheid für den Umbau (Gebetsstätte, Hotel und Einzelhandel) positiv beschieden hatte.

Doch der Kaufvertrag kam nicht. Stattdessen am 29. November  ein Bahn-Schreiben, es habe „Unstimmigkeiten“ gegeben. Die Bahn bitte daher „noch einmal“ alle Kaufinteressenten, „ein für beide Vertragsparteien verbindliches Kaufangebot abzugeben“. Weil Mansour Al-Masri gehört hatte, plötzlich interessiere sich auch die GWG für das Grundstück, erhöhte er sein Angebot vorsichtshalber um 20 000 Euro. Vergebens: Am 12. Dezember teilte ihm die Bahn mit, dass ein anderer Bieter den Zuschlag bekommen habe – tatsächlich die GWG, wie sich später herausstellte.
Das brachte Mansour Al-Masri in Rage: In einem persönlichen Schreiben beschuldigte der Al-Taqwa-Chef  den Göttinger Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD), den Erwerb durch den Verein mit einem Hinweis an die GWG über das Al-Taqwa-Angebot „hinterlistig, unmoralisch, unzulässig“ und „sittenwidrig“ torpediert zu haben.

Das weist die Stadt zurück. Die GWG sei wie üblich als Nachbar über das Al-Taqwa-Bauprojekt informiert worden und habe Widerspruch gegen den Bauvorbescheid vom 25. August eingelegt, weil sie ein Hotel in direkter Nähe zu Güterverkehrszentrum und Containerstation ablehne. Die GWG wiederum betont, sie habe „auf der Grundlage eines Kaufvertragsentwurfes (...) fristgerecht ein verbindliches Angebot abgegeben“ und den Zuschlag erhalten. Die GWG wolle mit einer „Herstellung von Bauflächen“ (also Abriss) oder einer neuen Nutzung der Gebäude das Areal aufwerten.

Auf das Rätsel um die zweite Ausschreibung angesprochen, spricht Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst nur von „Unstimmigkeiten“, die eine zweite Runde notwendig gemacht hätten. Einen Zuschlag an Al-Taqwa habe es nie gegeben. Dieses „Missverständnis“ auf Seiten Mansour Al-Masris „bedauern wir außerordentlich“.

Mansour Al-Masri ist auch deshalb erbost, weil er sich schon einmal um ein neues Heim für Al-Taqwa bemüht hat. Vor Jahren wollte er die Baptistenkirche an der Bürgerstraße kaufen. Auch damals, sagt der Al-Taqwa-Chef, habe ihm die Stadt mit unlauteren Mitteln einen Strich durch die Rechnung gemacht.

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