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Untreue-Verdacht

JT fehlen bis zu 300 000 Euro


Gefälschte Dokumente, leere Konten, ausstehende Gehälter: Ein Betrugsskandal erschüttert das Junge Theater (JT). Die Göttinger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue.

Es geht um mehrere 100 000 Euro: Das Junge Theater Göttingen wird von einem Betrugsskandal erschüttert und muss heute Insolvenz anmelden.

© Hinzmann

Das bestätigte Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner gestern gegenüber dem Tageblatt. Ein Verantwortlicher des JT habe Anzeige erstattet. Der Verbleib von Geldern in einer Größenordnung von möglicherweise 300 000 Euro sei ungeklärt, hieß es. Gegen wen ermittelt wird, sagte Heimgärtner nicht.

Nach Angaben von Frank-Peter Arndt, Vorsitzender des JT-Aufsichtsrates, sei man jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach von „einer Einzelperson“ getäuscht worden, die beim JT „in der Buchhaltung“ arbeite. Ob es „Zuarbeiter“ gegeben habe, könne er nicht sagen. Eines indes sei klar: „Wir sind einem großen Betrug aufgesessen“, sagte Arndt. Dem Aufsichtsrat als Kontrollgremium und dem geschäftsführenden Intendanten Andreas Döring seien wohl schon „seit mehreren Jahren gefälschte Unterlagen vorgelegt worden, was die wirtschaftliche Situation des Hauses angeht“. Dadurch sei „massiv Geld veruntreut“ worden, sagte Arndt. „Wir sind alle völlig schockiert.“ Vor allem vor dem Hintergrund, dass das JT erst vor einigen Jahren mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte (siehe Kasten).

Wie es trotz dieser Vergangenheit erneut zu einem solch schweren Rückschlag kommen konnte, darüber zerbrechen sich Arndt und seine sechs Aufsichtsratskollegen sowie Döring die Köpfe. Der Aufsichtsrat sei ja damals installiert worden, „damit sich die Geschichte nicht wiederholt“, erklärte Arndt. „Wir haben die Unterlagen, die wir bekommen haben, nach bestem Wissen und Gewissen kontrolliert. Bisher fanden wir das alles glaubwürdig.“

Das Problem sei wohl gewesen, sagte Arndt, dass man nach dem Neustart einen Wirtschaftsprüfer beauftragt habe und davon ausgegangen sei, „dass die Wirtschaftsprüfung weitergeht“. Ausgerechnet die Unterlagen, die dies auch nahegelegt hätten, seien aber gefälscht gewesen. Eine reale Wirtschaftsprüfung habe es somit nach der ersten tatsächlich nie wieder gegeben.

Der Betrug sei jetzt aufgeflogen, weil die Gehälter für Juni und Juli nicht bezahlt werden konnten. Darüber habe ihn Döring am Dienstag aus dem Urlaub informiert, sagte Arndt. Weitere Nachforschungen hätten dann ergeben, dass das entsprechende Konto überzogen und daher von der Bank gesperrt worden sei. Daher sei das JT „im Moment zahlungsunfähig“. Bereits am Mittwoch habe die Polizei „PCs, Kassen und Akten sichergestellt“, berichtete Arndt.

Gestern Nachmittag befassten sich Vertreter des JT in einer Sondersitzung des Aufsichtsrates mit der prekären Lage. Auch Döring, der dafür seinen Urlaub unterbrochen hatte, war anwesend. Ein Ergebnis: Noch am Freitag soll der Geschäftsführer Insolvenz beantragen. „Wir müssen die Ansprüche des Hauses sichern. Das finanzielle Desaster ist nicht überschaubar“, erklärte Arndt den Schritt. Zudem soll erneut ein Wirtschaftsprüfer beauftragt werden.

Die Stadt Göttingen, die das JT monatlich mit knapp 50 000 Euro bezuschusst, hat derweil ihre finanzielle Unterstützung ausgesetzt. Im Juli habe man noch überwiesen, sagte Sprecher Detlef Johannson. Die Augustzahlung sei aber gestoppt.

Theater-Chronik mit Höhen und Tiefen
4. September 1957 Premiere „Urfaust“ (Mephisto: Horst Wattenberg) im Hause Weender Straße 11.
16. November 1957 Premiere „Warten auf Godot“ als dritte deutsche Bühne. Erste Spielzeit: rund 2000 Besucher.
15. September 1960 Umzug in die Geismarlandstraße 19
bis 1970 Anwachsen der Zuschauerzahl auf 30 000. Neben aktuellem Theater für Erwachsene auch Kinder- und Jugendtheater.
Januar 1975 Umzug in das Otfried-Müller-Haus, Hospitalstraße 6
28. Juni 1982 Tod von „Scheff“ Hans-Gunther Klein. Neuer Intendant wird Guido Huller. Die Sparte Kinder- und Jugendtheater wird ausgebaut.
1988 Otto Schnelling löst Guido Huller als Intendant ab. 1989 steigt die Zuschauerzahl wieder auf knapp 30 000. Schnelling hat vor allem das politische Theater im Blick
1993 Klaus Berg übernimmt die Intendanz, wagt Experimentelles, Unterhaltendes in ungewöhnlichen Formen.
1996 Neuer Intendant für zwei Spielzeiten wird Rolf Johannsmeier. Sein Nachfolger wird – nach einer kurzen intendantenlosen Zeit – Werner Feig.
2001 Thorsten Schilling übernimmt die Intendanz. Das Theater gerät in finanzielle Notlage, meldet Ende 2003 Insolvenz an. Der ehemalige ehrenamtliche Geschäftsführer Horst Wattenberg und Intendant Schilling, sein Mitgeschäftsführer, werden 2005 wegen der Veruntreuung von Sozialabgaben zu Geldstrafen verurteilt.
2004 Am 30. Juni wird die Junges Theater GmbH aufgelöst. Neugründung als gemeinnützige Gesellschaft. Intendant: Andreas Döring.
2007 Großes Theaterfest zum 50-jährigen Bestehen
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  • Kaum zu glauben... Richard – 13.07.10
    "Gefälschte Dokumente, leere Konten, ausstehende Gehälter"..., die Buchhalterin hat es getan, und niemand hat es geprüft, weil man blind vertraut hat. Das muss man sich mal vorstellen? Ist ja kaum zu glauben!
    Ich bin für die Erhaltung der JT, aber bitte mit anderen verantwortlichen Figuren.
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  • Da wird sich... Nautilus – 13.07.10
    So, Leute, jetzt reichts aber! Hier haben 35 Leute iht Herzblut reingeschmiert. Kunst ist Meinungssache, gebe ich gerne zu. Aber Euch ist offenbar nicht klar, was für ein Juwel Göttingen verliert, wenn das JT die Leine runter geht. Haltet mal bitte die Bälle flach. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Schadenfreudiges Halbwissen Der Gaukler – 10.07.10
    Ein Freigeist muss es sein, der nun hier seine vermeintlichen Insiderinformationen zum Besten gibt - frei von jeglichem Geist halt!!! Gerade wer vor Jahren schon die 1. Insolvenz am eigenen Leibe erfuhr, sollte sich mit Mutmaßungen doch lieber zurückhalten und die Ermittlungsergebnisse abwarten.

    Es grenzt schon an Bösartigkeit oder persönliche Schadenfreude, eine Geschäftsführung anzuprangern, die ständig mit Rechnen beschäftigt war und jeden Cent mehrfach drehte um der Kunst und den Angestellten einen bestmöglichen Entfaltungsrahmen und dem verwöhnten Zuschauer eine sich toppende Inszenierung nach der anderen zu bieten, oder bieten zu wollten. Bestmöglich unter den gegebenen Bedingungen, die eine (vermutlich) einzelne Person geschaffen hat, die durch ein großes Vertrauensverhältnis zur Geschäftsführung sowie zum gesamten Haus(Licht, Ton, Bühne, Ensemble etc.) auch sicherlich nicht hinterfragt wurde… wer hinterfragt schon „die Seele“ & gleichzeitig finanzielle Kompetenz eines Hauses?

    Also immer die Kirche im Dorf lassen!!!

    In jedem Fall werden/wird die betreffende(n) Person(en), bei Betrachtung des Strafrahmens, ihres Leben so schnell nicht mehr froh.

    Jemand der die letzte Insolvenz miterlebte und den Karren der Courage dennoch erneut mutwillig gegen die Wand fährt, Arbeitsplätze- sowie viele weitere Göttinger Kulturgüter gefährdet, hat die gesetzlichen und seelischen Konsequenzen auch in voller Höhe zu tragen.
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  • Die Kommentare Tusnelda – 10.07.10
    Heimatfront...?
    Genugenommen kann ich mir aber auch nicht vorstellen, dass G. dass ganz alleine durchgezogen hat, ohne das jemand aus dem 1. Stock etwas mitbekam!
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  • Stadt darf und muss Zahlung aussetzen @ JT-Besucher – 09.07.10
    Zwielichtig war wohl die Buchhaltung des JT.
    Natürlich besteht eine vertragliche Verpflichtung der Stadt, aber in dem Vertrag steht auch, dass das JT eine Leistung (Spielbetrieb) erbringen muss. So lange das nicht sichergestellt ist (und das ist mit dem Insolvenzantrag bis zu einem Beschluss zur Weiterführung des Unternehmens durch Insolvenzverwalter/Insolvenzgericht der Fall) kann und muss die Stadt natürlich ihre Zahlungen zurückhalten.
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  • Vertraglich vereinbarte Zahlungen der Stadt JT-Besucher – 09.07.10
    die offenbar jetzt noch ausstehen, und die die Stadt noch zu zahlen verpflichtet sein wird,
    sollten allerdings ausschließlich für das JT verwendet werden und nicht in die Hände zwielichtiger Isolvenzverwalter gelangen.

    Sobald die die Hände im Spiel haben ist das dem JT gehörende Geld schon weg, denn das JT braucht keinen Insolvenzverwalter, der nur kostet und nix bringt, sondern einen fähigen Manager.
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  • Wenn Hobbypolitiker... Hasenmelker – 09.07.10
    Fassungslos muss der geneigte Leser erneut zur Kenntnis nehmen, wie sorgsam mit Steuergeldern - die unsere schöne Stadt im übrigen nicht ausreichend hat und sich daher vorher leihen muss! - umgegangen wird??!! Eine einzelne Person soll doch tatsächlich den hoch dekorierten Aufsichtsrat und die Theaterleitung hinters Licht geführt haben? Wer´s glaubt... Dieser Fall ist einmal mehr Beweis dafür, dass Hobbypolitiker in Aufsichtsräten von Wirtschaftsunternehmen NICHTS zu suchen haben! Und das JT ist bei diesem Zuschussbedarf ein Wirtschaftsunternehmen, das einer professionellen Aufsicht bedarf. Und nicht einer "Aufsicht", die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit nach Freikarten schreit und ansonsten den Tiefschlaf der Unwissenden schläft. Unfassbar.... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Fassungslos! der M – 09.07.10
    Leute, Leute, mir fehlen da die Worte.
    Mein Mitgefühl gilt insbesondere der Belegschaft, die das Haus nach der letzten Insolvenz in einer großen Kraftanstrengung wieder aus dem Sumpf gezogen hat.

    Was ist das nur für eine Person, die jahrelang mit diesen Menschen gelebt und gearbeitet hat?
    Das ist Skrupellosigkeit in Reinform!
    Wenn das alles so stimmt, wie in den Medien berichtet, dann habe ich mal wieder einen großen Teil Vertrauen in die Menschheit verloren.

    Wer hier schuldhaft oder nachlässig gehandelt hat, bleibt anhand der Ermittlungsergebnisse abzuwarten.
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  • Die Kommentare Ein Freund – 09.07.10
    Man sollte erst man an die eigene Nase fassen, bevor man andere beschuldigt. Es ist nicht immer einer der Schuldige bei so etwas. Immerhin handelt es sich hier um eine öffentliche Einrichtung. Die Personen in den leitenden Funktionen haben immerhin hier die Verantwortung. Diese müsste man mit zur Rechenschaft ziehen. Daher sollte man mit den Kommentaren ziemlich vorsichtig sein. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Gefährliches Halbwissen Tusnelda – 09.07.10
    ...schon in Deinen Anfangszeiten habe ich mehrfach darauf hingewiesen, dass der Umgang mit Geld seitens einer gewissen Dame erhebliche Merkwürdigkeiten aufweise.
    Aber auf diesem Ohr war das Haus, insbesondere AD, absolut taub!
    Somit wundert mich an dem heutigen Artikel eigentlich nur die Dauer, bis der Betrug endlich aufgeflogen ist...
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  • jt isch – 09.07.10
    Man könnte denen 500,000 im Monat geben,
    auch damit könnten sie nicht umgehen.
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  • Gefährliches Halbwissen! Daniela Urban – 09.07.10
    Ich glaube, es gibt zu diesem Zeitpunkt kaum etwas Gefährlicheres als vorschnelle Kommentare zu einer Situation, die nach weniger als 60 Stunden niemand wirklich beurteilen kann.
    Einem Aufsichtsrat sowie der künstlerischen Leitung des Theaters Nachlässigkeit oder sogar Inkompetenz vorzuwerfen, ist zwar als emotionale Kurzschlußreaktion nachvollziehbar, in Anbetracht der Leistungen, die in den letzten Jahren an diesem Theater erbracht wurden aber alles andere als fair.
    Soviel gesunden Menschenverstand und Selbsterhaltungswillen darf dem Team des Jungen Theaters wohl zugestanden werden, nicht durch Unbesonnenheit ihren Arbeitsplatz (und nicht zuletzt Lebensinhalt) leichtfertig aufs Spiel zu setzen.
    Erfreulich wäre, wenn der Unmut all derer, die sich mit dem Jungen Theater identifizieren, nun mit der in den Kommentaren durchscheinenden Sachkenntnis in Leitungs- und Verwaltungsfragen in aktive Unterstützung und Beratung ihres bedrohten Theaters umschlagen würde.
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  • Vielleicht ist es einfach Zeit, vita – 09.07.10
    ... sich vom JT zu verabschieden. Mehr Chancen kann wohl keiner einem Theater einräumen, das öffentliche Förderung erhielt.

    Tschüss Junges Theater.
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  • Insolvenz JT GöBü – 09.07.10
    Der Artikel lässt in der Tat Zweifel an der Kompetenz der Geschäftsleitung und des Aufsichtsrates aufkommen. Man kann im Sinne des JT und der Beschäftigten nur hoffen, dass auch geprüft wird,

    a) inwieweit ein Organisationsverschulden in den Prozessen der Finanzbuchhaltung vorgelegen hat (daraus würden sich möglicherweise Haftungsansprüche gegenüber GF ergeben) und

    b) ob der Aufsichtsrat sich tatsächlich keinerlei Dokumente aus dem Hause eines Wirtschaftsprüfers hat vorlegen lassen, sondern sich stattdessen wie eine Laienspielgruppe nur den künstlerischen und kulinarischen Tagesordnungspunkten gewidmet hat.
    Auch hier müßten Möglichkeiten der Inanspruchnahme der Verantwortlichen geprüft werden, damit das JT weitergeführt werden kann.

    Schließlich gibt es für Geschäftsführung und Aufsichtsrat auch die Möglichkeit zum Abschluss entsprechender Versicherungen, die derartige Vermögensschäden aus schuldhaftem Versagen übernehmen würden, ganz zu schweigen von einer Vertrauensschadenversicherung, die gerade diesen Schaden der Veruntreuung durch Mitarbeiter und damit auch den Fortbestand des JT abgesichert hätte. Prioritäten werden in der Praxis allerdings leider gerne woanders gesetzt ...
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  • Verantwortung hasso – 09.07.10
    wie kann das denn sein, sich Wirtschaftsprüfungen vorflunkern lassen? "Unterlagen, die wir bekommen haben..." also bitte, man spricht doch mal mit den Prüfern, läßt sich der Ergebnis vortragen, bespricht es. Jetzt ist ganz klar auch der Aufsichtsrat in der Haftung! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • ... ... – 09.07.10
    wenn du wüsstest wieviele Existenzen daran hängen würdest du nicht so dumm labern... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Da wird sich der bekannte Göttinger Insoverwalter aber freuen hi – 08.07.10
    denn das Verfahren wird mit Sicherheit eröffnet, denn die Stadt hat sicher in weiser Voraussicht die Augustzahlung gestoppt, ganz schön klug, denn hat der Insoverwalter erstmal seine Gebühren im Sack.


    Ein Ratespiel: wer kriegt die Insolvenz ? Welche Kanzlei ? Na ? Na?
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