Dabei wirkte das, was sie taten, aus Sicht der Opfer wie das Werk brutaler Schwerstkrimineller. Sieben Anklagen des schweren Raubes und der räuberischen Erpressung werden im Landgericht gegen die beiden 16- und einen 22-Jährigen verhandelt. Gemeinsam, teils mit einem vierten Täter, einem 18-jährigen Abiturienten, überfielen sie Tankstellen, Spielhallen und eine Goldschmiede. Mehrfach entkamen sie nur mit großem Glück.
Beim vorletzten Überfall fuhr ein Streifenwagen hinter dem Fluchtauto. „Wir sahen uns schon im Knast und haben nur auf das Stoppzeichen gewartet. Aber das Polizeiauto bog ab“, sagt der Jüngste. Der Schock hielt nicht lange vor. Bald war „das Gefühl vergessen und der Kopf ausgeschaltet“, erklärt er, warum sie wieder auf Raubtour zogen. Erst als bei der letzten Tat eine Mitarbeiterin des Jugendamtes zufällig Zeugin wurde, wie einer, den sie dienstlich kannte, sich die Sturmhaube überzog, war der Spuk zu Ende.
Wie spontan, naiv und doch fast professionell vorgegangen wurde, zeigt der Überfall auf eine Spielhallenaufsicht. Der Frau wurde nachts gegen 1.35 Uhr am Hintereingang aufgelauert, sie von den vier Maskierten mit zwei Schusswaffen (Softairwaffe und Attrappe) bedroht, in ihr Auto gezwungen, eine Decke über den Kopf geworfen und später mit Klebeband gefesselt. In der Spielhalle musste sie den Safe öffnen.
„Gib mir die Waffe, ich knall die ab“, habe einer der Jugendlichen noch gesagt, um der Frau Angst einzujagen. „Ins Knie“, habe er weiter gedroht – genau wissend, dass keine der Waffen echt war. Man hatte gar verabredet, das Opfer zu täuschen, indem man sich mit falschen Namen anredet. Als dem Jüngsten dann doch ein echter Namen entfuhr, empörte sich der andere darüber und er schmierte ihm eine.
Bei der letzten Tat erbeutete das angeklagte Trio neben Geld auch 23 Goldketten. 21 davon machten sie in Göttingen bei einem stadtbekannten Juwelier, einem Goldhandel und einem Pfandhaus zu Geld. 700 bis 800 Euro erhielten sie für den rund 3600 Euro teuren Schmuck. Der 16-jährige Serbe legte dabei den gestohlenen Ausweis eines Russen vor. Nachgefragt, woher die Jugendlichen die nagelneuen Ketten haben, hätten weder Juwelier noch Pfandleiher. Die würden ja sowieso eingeschmolzen, habe man gesagt.
Kommentare
:-) Auswanderer – 10.09.10
Muss Du mal den stadtbekannten Juwelier fragen! Ich glaube Du findest ihn in der Weender Strassse :-) Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenDiebstahl lohnt nicht Klaus – 09.09.10
700 bis 800 Euro erhielten sie für den rund 3600 Euro teuren Schmuck.Wurden die Diebe betrogen, von Fachleuten ???? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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